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Cottbuser Labor testet Brustkrebsrisiko

Dem Brustkrebs vorbeugen, ist wichtig. Ein neuer Test, den das Cottbuser Gemeinschaftslabor in der Uhlandstraße derzeit als einziges Labor in Deutschland anbietet, soll den Frauen helfen, ihr Brustkrebsrisiko besser einzuschätzen.
Dem Brustkrebs vorbeugen, ist wichtig. Ein neuer Test, den das Cottbuser Gemeinschaftslabor in der Uhlandstraße derzeit als einziges Labor in Deutschland anbietet, soll den Frauen helfen, ihr Brustkrebsrisiko besser einzuschätzen. FOTO: (62109039)
Cottbus. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jede achte Frau entwickelt ihn in ihrem Leben. Das Cottbuser Gemeinschaftslabor MVZ in der Uhlandstraße darf als erstes Labor in Deutschland einen neuen Test zum Brustkrebsrisiko anbieten. Annett Igel-Allzeit

Susan Hertel streift die blauen Schutzhandschuhe über. Beim neuen Brustkrebstest wird noch alles per Hand gemacht. Die promovierte Naturwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Gemeinschaftslabors kennt sich aus mit dem Hormon Neurotensin. Der Körper bildet es selbst in speziellen Zellen des Dünndarms. "Es ist aber kaum zu fassen. Stabiler und messbar ist dagegen der Vorläufer des Hormons - das Proneurotensin", erklärt die 34-Jährige. An der TU Dresden hatte sie sich in ihrer Doktorarbeit mit der Rolle des Hormons bei Darmentzündungen beschäftigt.

Im schwedischen Malmö wiederum war nun Forschern aufgefallen, dass eine hohe Konzentration von Proneurotensin im Blut gesunder Frauen mit einem deutlich höheren Krebsrisiko einhergeht. Untersucht wurden Blutproben von knapp 2000 Frauen aus den Jahren 1991 bis 1994. Bekannt waren in dieser Gruppe 123 Brustkrebsfälle. Mit dem Blick auf hohe Proneurotensin-Konzentrationen ergab sich ein etwa dreifach höheres Risiko, in den nächsten zehn bis 15 Jahren an Brustkrebs zu erkranken. Eine zweite Malmöer Studie spricht sogar von einem achtfach höheren Risiko. Zusätzliche Studien, so Christin Thorausch, Fachärztin für Transfusionsmedizin im Gemeinschaftslabor, laufen in Amerika und Deutschland. "Ende 2014 rechnen wir mit weiteren Ergebnissen. Unter anderem wird der Zusammenhang zwischen Proneurotensin und dem Lebensstil und der Ernährung untersucht", erklärt die Ärztin. Die Freisetzung des Hormons werde maßgeblich durch tierische Fette und Zucker beeinflusst. Es sei auch als Sättigungshormon unterwegs und stimuliere ein unkontrolliertes Zellwachstum, nachgewiesen auch bei Brustkrebszellen.

Das Forschungsunternehmen Sphingotec aus Hennigsdorf bei Berlin erinnerte sich an die Doktorandin Susan Hertel, als es ein Labor in Deutschland suchte, das den neuen Test in der Praxis testet. Seit Januar läuft er in der Uhlandstraße. "Es sind erst eine Handvoll Frauen, die wir getestet haben", sagt Karsten Mydlak, der ärztliche Leiter, "das muss sich erst unter den Ärzten herumsprechen. Als 2004 ein aussagekräftigerer Tuberkulosetest auf den Markt kam, dauerte es mehr als fünf Jahre, dass er sich durchsetzte. Eine zusätzliche Hürde ist, dass Patienten den Test bezahlen müssen, weil Krankenkassen ihn noch nicht anerkennen."

Der neue Test kann bei Frauen jeden Alters gemacht werden. Er hilft, das Risiko einzugrenzen und eine Auswahl vor der belastenden Mammografie zu treffen. Liegt der Wert über 150 oder gar 180 Pikomol pro Liter, können weitere Maßnahmen zur Brustkrebsfrüherkennung beraten werden. Ein hoher Wert, das betont Karsten Mydlak, heiße aber nicht, dass Frauen an Brustkrebs erkranken müssen. Gut ist: Der Wert ist senkbar. Die Bestimmung des Proneurotensins kostet die Frau derzeit 43,72 Euro. Der Kurierdienst ist zwischen Nordsachsen, Frankfurt/Oder, Rand-Berlin und Stendal unterwegs. Proben werden auch eingeschickt und von anderen Laboren auf eine längere Reise durch Deutschland vorbereitet.