Als Sachbearbeiter in der Abteilung Kindstötung der Mordkommission hat sich der Cottbuser Gottfried Lindner in den vergangenen Jahren nach jedem Tötungsdelikt die Frage gestellt, ob eine Babyklappe die Eskalation verhindert hätte. Seine Antwort: „Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht.“ In jedem einzelnen Fall hätten die jungen Mütter im Affekt gehandelt. Nur bei einer Kindsmutter sei ein Zettel mit der Anschrift der Babyklappe in Potsdam gefunden worden. Doch auch das sei kein Beleg dafür, dass ein mögliches Angebot in Cottbus geholfen hätte. „Wir wissen nämlich inzwischen sehr genau, wie die Kindsmütter ticken“, erklärt der Kriminalist.

Die Taten erfolgten in der Regel nach einem festen Muster. Zunächst werde die Schwangerschaft ignoriert oder verheimlicht. Lindner: „Wir hatte eine junge Frau, die hat sogar in einer Klinik gearbeitet.“ Als sie immer dicker geworden sei, habe sie die durchaus besorgten Kollegen mit Ausreden abgespeist. Einen vereinbarten Termin beim arbeitsmedizinischen Dienst habe sie platzen lassen. Erst als sie wenige Wochen später plötzlich wieder wesentlich schlanker war, sei das Umfeld stutzig geworden. Die Babyleiche ist schließlich an einem See gefunden worden.

„Die Mütter, die ihre Kinder getötet haben, haben keine soziale, familiäre oder ärztliche Hilfe in Anspruch genommen“, konstatiert Lindner. „Und eine Babyklappe nur zur Beruhigung aller nützt uns wenig“, erklärt der Kripo-Mann.

Die Fraktion der Aktiven Unabhängigen Bürger (AUB), die das Thema im vergangenen Jahr auf die Tagesordnung gesetzt hatte, hat inzwischen den ursprünglich formulierten Antrag auf Einrichtung einer Babyklappe am Carl-Thiem-Klinikum zurückgezogen. „Wir halten das Thema noch für zu emotional und noch zu unausgewogen diskutiert, als dass wir jetzt schon eine Entscheidung treffen könnten“, sagt Fraktionschef Torsten Kaps. Vieles sei theoretisch debattiert worden, „wir brauchen noch mehr Praxiserfahrung“, so Kaps. Pro und Kontra sind nach Ansicht der AUB noch nicht genügend gewichtet.

Deshalb habe sich seine Fraktion darauf verständigt, den Zeitdruck aus der Debatte nehmen zu wollen. Der eigene Antrag solle in den kommenden Wochen qualifiziert und um weitere Hilfsangebote für junge Mütter ergänzt werden, um vielleicht im Herbst zu einer Entscheidung in der Stadtverordnetenversammlung zu kommen.