Erfrierungen drohen nicht erst bei Minusgraden. "Die Minderdurchblutung von Haut und Extremitäten kann bei starker Abkühlung das Körpergewebe örtlich schädigen", sagt Berger-Winkler. Ist der Körper zu lange eisigen Temperaturen ausgesetzt, kühle der Gesamtorganismus aus. Das könne zur Bewusstlosigkeit führen. Ist es draußen kalt und windig, sollte besonders der Kopf geschützt werden. "Über ihn geht die meiste Körperwärme verloren." Auch Füße und Hände müssen gewärmt werden, da sich die Blutgefäße in den Extremitäten schnell verengen und weniger Blut durchfließt. Das bestätigt Lydia Bagola, Ausbildungsleiterin der Südbrandenburger Johanniter. "Die weitverbreitete Annahme, dass alkoholische Getränke den Körper von innen wärmen, ist falsch. Alkohol weitet die Gefäße. Die Haut wird stärker durchblutet und der Körper verliert Wärme", erklärt sie.

Besonders häufig treten Erfrierungen an Ohren, der Nase, Fingern und Zehen auf. "Erfrierungswunden sind vergleichbar mit Brandwunden und werden nach Graden klassifiziert. Typische Symptome sind blau-rote Flecken und ein taubes Gefühl", sagt Lydia Bagola. Sie rät im Winter zum "Zwiebelprinzip": Verschiedene, dünne Schichten Bekleidung werden übereinander gezogen. "Wer sich länger im Freien aufhalten muss, sollte zu Funktionswäsche greifen. Sie schützt den Körper vor Unterkühlung und reguliert den Feuchtigkeitshaushalt der Haut." Auf längeren Autofahrten sollten die Fahrer eine Decke im Wagen haben und eine Thermoskanne mit warmem Tee mitnehmen.

Besonders gefährdet sind Menschen, die auf der Straße leben. "Jedes Jahr erfrieren Menschen in Hauseingängen oder auf Parkbänken", so Lydia Bagola. Die Johanniter appellieren deshalb, hinzuschauen und Hilfe zu holen, wenn jemand in Gefahr ist. "Wer einen Menschen in der Kälte findet, sollte sofort handeln und den Rettungsdienst über die Notfallnummer 112 alarmieren", bittet Lydia Bagola.