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| 08:39 Uhr

Cottbuser Innenstadtperle unter dem Gerichtshammer

Die Zwangsversteigerung von Einfamilienhäusern am Stadtrand gehört fast schon zum Cottbuser Alltag. Doch auch gute Wohn- und Geschäftslagen in der Innenstadt und eine ansprechende Architektur schützen Immobilien inzwischen nicht mehr vor dem gerichtlichen Auktionator. Ronald Ufer

Das ehrwürdige Mercur Haus an der Ecke Marktstraße und Spremberger Straße gehört wohl zu den auffallendsten Bauten der Innenstadt und prägt den Altmarkt. Jüngst war das Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Haus mit der aufwändigen Fassade ein begehrtes Objekt bei einer Zwangsversteigerung am Amtsgericht.

"Es gab mehrere Interessenten und sogar ein Bieterduell, das ist leider nicht bei allen Immobilien, selbst in der Innenstadt, der Fall", konstatierte die Gruppenleiterin Zwangsversteigerungen am Amtsgericht, Christina Starick. "Seit 2001 ist die Zahl der gerichtlich verfügten Auktionen von Immobilien in der Innenstadt gleich geblieben. Im Vorjahr wurden so fünf Objekte in diesem Bereich versteigert, von der Eigentumswohnung bis hin zum Wohn- und Geschäftshaus wie in der Marktstraße 14."

Doch auch im Stadtkern finden nicht alle Immobilien kurzfristig wieder einen Käufer. Für das erste Halbjahr stehen bereits für sieben Zwangsversteigerungen die Termine fest. Dabei werden auch ein Wohn- und Geschäftshaus in der Adolph-Kolping-Straße und eines in der Bonnaskenstraße schon zum vierten Mal angeboten. Bisher gab es kein Interesse oder nur Angebote unterhalb der Mindestgrenze. "Die Investoren schauen und überlegen sehr genau, ob ein Gebäude in ihr Konzept passt, ob Lage, Raumstruktur und Preis stimmen", sagt Christina Starick. "Nur wenn alle Voraussetzungen stimmen, greifen sie zu."

Im Stadtbild ist es nach Erfahrungen der Gruppenleiterin kaum auszumachen, welches Gebäude sich im Zwangsversteigerungsverfahren befindet. "Sie sind oft vermietet, beherbergen Geschäfte, Büros und Wohnungen." Nur selten führte die geschäftliche Lage in Cottbus zum Eingreifen des Gerichtes. "Meist sind es Investoren mit Objekten in verschiedenen Bundesländern, die in Insolvenz geraten. Als Folge werden dann auch ihre hiesigen Immobilien versteigert." Meist beantragen Großbanken, aber auch Bausparkasse oder die Sparkasse Spree-Neiße das Zwangsversteigerungsverfahren. Zu den neuen Eigentümern gehören bundesweit tätige Unternehmen, regionale Firmen sowie Cottbuser Bürger und Betriebe.