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Cottbuser Initiativen gegen Verschwendungswahn laufen gut

Cottbus. Ein in Wirtschaft und Gesellschaft weitverbreitetes Klischee besagt, dass weniger gekauft wird, wenn Produkte länger halten. René Wappler

Der Berliner Autor Stefan Schridde widerspricht dem klar. Im Cottbuser Club Quasimono stellte er jetzt sein Buch "Murks? Nein Danke!" vor. Im Rahmen der Diskussion über Verbraucherwahn und Wegwerfmentalität stand er den Anwesenden Rede und Antwort zu Themen wie geplanter Obsoleszenz und nachhaltigem Konsum.

"Obsoleszenz - das bedeutet erst einmal nur, dass alles alt wird und auch mal kaputt geht", erklärte er. Wenn Produkte nun aber bewusst aufgrund fehlerhafter Bestandteile darauf ausgelegt werden, schnell kaputt zu gehen, dann ist das laut Schridde geplante Obsoleszenz. Der Betriebswirt und freiberufliche Dozent und Berater sieht die Ursache vor allem bei den Herstellern. "Das Produkt selbst ist schon fast egal, es dient nur dazu, schnell Geld einzunehmen", so Schridde. Seiner Meinung nach wird der Kunde regelrecht zum Wegwerfen verleitet, da er zum einen immer kurzlebigere Produkte kauft und zum anderen keine Ersatzteile zur Reparatur bekommt.

Die Folge: "Wir haben heute keine Wegwerfgesellschaft, sondern eine Wegwerfwirtschaft", sagt Schridde. Das Verschwenden von Ressourcen sei das größte Problem. Denn bisher blieb weitestgehend unklar, wie die Menschheit effizient auf die Rohstoffverschwendung reagieren soll. Hier schlägt der Autor einen breit gefächerten Ansatz vor. Zuerst fordert er die öffentliche Debatte. "Wir müssen dafür sorgen, dass in den Betrieben wieder Produkte entstehen, die auf Haltbarkeit ausgelegt sind." Zum anderen setzt er sich dafür ein, der Gesellschaft wieder mehr Entscheidungsmacht über die Verteilung von Rohstoffen und Produkten zu geben.

Schriddes Thesen fanden unter den Zuhörern Zuspruch und Kritik zugleich. In der Diskussionsrunde wurden Fragen rund um das Thema geplante Obsoleszenz und Ressourcenverschwendung debattiert. Die Initiatoren der Veranstaltung, der Kost-Nix-Laden und das Fabrikationslabor (Fablab) der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg, setzen sich ebenfalls für das mehrfache Verwenden verschiedenster Gegenstände und Geräte ein.

Das Fablab war als Projekt vor anderthalb Jahren im Rahmen eines Ideenwettbewerbs gegründet worden. Die Mitmachwerkstatt will Bürger dazu animieren, ihre kaputten Produkte selbst zu reparieren, statt sie in den Müll zu werfen. Thorsten Beck, einer der Organisatoren der Buchbesprechung und Mitglied im Fablab, erklärt die Philosophie des Projekts folgendermaßen: "Wissen teilen, generieren und allen frei zur Verfügung stellen." Das Fablab bietet dazu die Werkzeuge und das nötige Know-How für die Reparatur an. Beck freut sich über den Zulauf in der Werkstatt: "Am Anfang lief es noch schleppend, doch mittlerweile sehe ich dort immer wieder neue Leute."

Von einer ähnlichen Entwicklung berichtet auch Julia Kaiser, die sich im Kost-Nix-Laden in Cottbus engagiert. Sie beschreibt das Prinzip des Ladens als "gelebte Alternative zur Wegwerfgesellschaft". Das Geschäft sei darauf ausgerichtet, Gegenstände unabhängig von deren Geldwert anzunehmen und wieder zu verteilen. Julia Kaiser zufolge ist das Interesse in nahezu allen Altersklassen und Gesellschaftsschichten groß. Doch noch fiele es den meisten schwer, sich mit dem Konzept anzufreunden. "Es ist für viele immer noch schwierig, aus dem Laden zu gehen und nichts für die Gegenstände bezahlen zu müssen", so Julia Kaiser.