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| 15:33 Uhr

Cottbuser IHK-Präsident gibt Gespräche mit Stasi zu

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus, Ulrich Fey, gibt auf einer Pressekonferenz eine Erklärung zu Vorwürfen ab, er sei Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi gewesen.
Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus, Ulrich Fey, gibt auf einer Pressekonferenz eine Erklärung zu Vorwürfen ab, er sei Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi gewesen. FOTO: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Cottbus. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus, Ulrich Fey, hat Gespräche mit der DDR-Staatssicherheit zugegeben. Er sei während seiner Tätigkeit im Synthesewerk Schwarzheide in den 70er und 80er Jahren von der Stasi unter dem Decknamen “Köste„ geführt worden, sagte Fey am Dienstag in Cottbus. dpa/boc

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus, Ulrich Fey, hat Gespräche mit der ehemaligen DDR-Staatssicherheit zugegeben. Es habe diese Kontakte während seiner Tätigkeit als Betriebsleiter im Synthesewerk Schwarzheide von 1974 an unter dem Decknamen “Köste„ gegeben, sagte Fey am Dienstag in Cottbus. Er habe aber keine Verpflichtungserklärung unterschrieben, keine Berichte angefertigt, niemanden bespitzelt und niemals Geld oder Geschenke von der Stasi genommen, betonte der 65-jährige Unternehmer.

Nach einem Fernsehbericht des rbb wurde Fey von 1974 bis 1986 als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi geführt. Aus Abschriften von Tonbandprotokollen gehe hervor, dass “IM Köste„ über ehemalige Kollegen Auskunft gab, so auch über Ausreisewillige.

“Von der allgemeinen Wahrnehmung her war ich kein IM, aber im faktischen Sinne doch„, sagte Fey auf eine entsprechende Frage. “Ich bin mir aber sicher, durch die Gespräche mit der Stasi über Kollegen niemandem geschadet zu haben„, bemerkte er. “Ich habe Kollegen politisch nicht angeschwärzt.„ Bisher habe sich kein angeblich Geschädigter bei ihm gemeldet.

Fey lehnte vorerst einen Rückzug von seinem ehrenamtlichen Posten ab, schloss diesen aber später nicht aus. Darüber werde eine Sondersitzung des IHK-Präsidiums am kommenden Dienstag entscheiden. “Ich klebe nicht an meinem Amt„, betonte Fey. Er ist seit 2003 Kammerpräsident. Seine Amtszeit dauert bis 2012.

In einer verlesenen Erklärung bezeichnete Fey den rbb-Bericht über seine Stasi-Kontakte als eine Vorverurteilung, die seiner Biografie in keiner Weise gerecht werde. Er habe damals aus seiner kritischen Haltung zur DDR und zu Parteikarrieren kein Hehl gemacht und seine Gespräche mit der Stasi nicht verschwiegen. Sie seien auf Initiative der Staatssicherheit im Chemiewerk, aber auch in Wohnungen geführt worden. Die Wahl zum IHK-Präsidenten 2003 habe er angenommen, weil er sich selbst kein Fehlverhalten vorwerfe.

In der rbb-Sendung “Brandenburg aktuell„ hatte die SPD-Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt (SPD) am Montagabend den Rücktritt Feys und eine Entschuldigung gefordert, falls die Stasi-Vorwürfe zuträfen. Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus schloss sich am Dienstag dieser Forderung an. Es beschädige den Wirtschaftsstandort Brandenburg, dass der Kammerpräsident ein Stasi-Spitzel gewesen sei, hieß es.

Fey hatte sich 1982 selbstständig gemacht und ist seit 1992 Geschäftsführender Gesellschafter der FGT Glaswerk GmbH in Senftenberg-Kleinkoschen. Außerdem ist er seit 1998 Geschäftsführer der FK Solartechnik GmbH, eine Tochterfirma des Glaswerks.

Erst in der vergangenen Woche hatten Stasi-Vorwürfe gegen den langjährigen Pressesprecher des Polizei-Schutzbereiches Cottbus/ Spree-Neiße, Berndt Fleischer, für Schlagzeilen gesorgt. Der 59-Jährige gab am Freitag eine Tätigkeit als “IM Fritz„ zu. Daraufhin leitete das Innenministerium in Potsdam ein Kündigungsverfahren gegen ihn ein.