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Aus dem Gericht
Gefährlicher Eingriff in den Schienenverkehr

Aus dem Gericht 2c
Aus dem Gericht 2c FOTO: Janetzko, Katrin / LR
Cottbus. Cottbuser ignorierte geschlossene Bahnschranken. Von Stephan Meyer

Wenn Bahnschranken sich senken, ist Beharrlichkeit gefragt. Lange Wartezeiten sind dabei keine Seltenheit. Gabriel S. hatte am Abend des 26. August 2015 keine Geduld bewiesen, als er die Schranken an einem Bahnübergang in Kolkwitz ignorierte. Gegen ihn fand gestern eine Verhandlung am Cottbuser Amtsgericht statt. Der Vorwurf: Gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr. Laut Anklage soll Gabriel S. mit  seinem Motorrad beim Passieren des geschlossenen Bahnübergangs vorsätzlich in den Schienenverkehr eingegriffen haben. Damit hätte er auch fahrlässig das Leben anderer Menschen gefährdet.

An jenem Augustabend stand unweit des Bahnübergangs ein Personenzug. Gabriel S. sagte während der Verhandlung aus, dass er sich erst vergewissert habe, ob der Zug komme, bevor er die Schienen überquerte. Was der Angeklagte zu dem Zeitpunkt jedoch nicht wusste, der Zug unterbrach seine Fahrt, bis ein Güterzug, der in entgegengesetzter Richtung fuhr, den Schienenabschnitt passierte. Diesen hatte Gabriel S. nicht gesehen, wie er selbst zugab. Als er ihn dann erblickte, wollte er mit seinem Motorrad zurücksetzten. Doch dann habe er die Kontrolle über das Fahrzeug verloren. Gabriel S. zeigte sich bei der Verhandlung reumütig und geständig. Ohne die Unterstützung eines Anwalts beantwortete er die Fragen der Staatsanwaltschaft. Der verhandelnden Richterin zufolge hatte er sich bereits vor der Verhandlung schriftlich erklärt.

Während sich Gabriel S. durch sein Eingreifen in den Schienenverkehr lediglich eine Daumenprellung zuzog, hat der Triebfahrzeugführer eine psychische Beeinträchtigung davongetragen, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. Unter Schock habe der Angeklagte nach dem Vorfall die Flucht ergriffen. Er versicherte vor Gericht, er habe niemanden etwas Böses gewollt. Es wäre eine Kurzschlusshandlung gewesen. Darüber hinaus neige er zu unüberlegten Handlungen. Dies könne mit einer ADHS-Erkrankung zusammenhängen, die bei ihm vor Jahren diagnostiziert worden sei, wie Gabriel S. mutmaßte.

Noch am Tattag hatte er behauptet, sein Motorrad sei gestohlen worden, während er bei einem Freund war. Dies sei passiert, weil er nach wie vor unter Schock gestanden habe, begründete der Angeklagte sein Vorgehen. Weil er jedoch 13 Tage später bei der Polizei den vermeintlichen Diebstahl zur Anzeige brachte, warf ihm die Staatsanwaltschaft auch noch das vorsätzliche Vortäuschen einer Straftat vor. Gabriel S. konnte aber nicht lange mit der Unwahrheit leben, wie er vor Gericht erklärte. Nach drei Wochen ging er wieder zur Polizei und gestand die Lüge.

Weil er bei der Verhandlung umfangreich aussagte, seine Fehler einsah und nicht vorbestraft war, fiel die Empfehlung der Staatsanwaltschaft über das Strafmaß milde aus. Diese war davon überzeugt, dass der Angeklagte fahrlässig und nicht vorsätzlich in den Schienenverkehr eingegriffen hatte. Den Motorraddiebstahl habe er jedoch absichtlich vorgetäuscht. Die Richterin folgte den Empfehlungen der Staatsanwaltschaft und verurteilte Gabriel S. zu einer Geldstrafe von insgesamt 60 Tagessätzen zu je 50 Euro.