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| 10:24 Uhr

Anhaltende Trockenheit
Cottbuser Grün braucht die Feuerwehr

 Löscheinsatz an der Lieberoser Straße. Die Feuerwehr unterstützt die Stadt beim Bewässern der Bäume. An 28 Standorten erhalten die Bäume einmal in der Woche 100 Liter Wasser.
Löscheinsatz an der Lieberoser Straße. Die Feuerwehr unterstützt die Stadt beim Bewässern der Bäume. An 28 Standorten erhalten die Bäume einmal in der Woche 100 Liter Wasser. FOTO: LR / Peggy Kompalla
Cottbus. Das bisschen Regen hat nichts genutzt. Die Bäume in Cottbus leiden unter der Trockenheit. Die Firmen kommen mit dem Wässern kaum hinterher. Die Stadt kann das Ausmaß der Schäden noch nicht abschätzen. Es gibt längst Verluste. Von Peggy Kompalla

Obwohl gerade erst der August begonnen hat, sieht es an manchen Stellen in Cottbus schon nach Herbst aus. Aufgrund der extremen Trockenheit haben einzelne Bäume bereits ihre Blätter gelb verfärbt oder das Laub sogar abgeworfen. Die Stadt und die Pückler Stiftung in Branitz warnen vor Trockenbrüchen. Bei diesem Phänomen brechen selbst von vitalen Bäumen ganze Äste ab. Vor gut vier Wochen ist ein junger Mann am Amtsteich durch einen herabstürzenden Ast verletzt worden. Die Stadt kommt derweil mit dem Bewässern kaum hinterher und setzt bereits auf die schnelle Hilfe der Feuerwehr.

Ausmaß der Schäden erst im Herbst sichtbar

Baumpfleger Eberhard Kirchbach vom städtischen Eigenbetrieb Grün- und Parkanlagen sagt: „Alle Bäume haben derzeit zu kämpfen. Besonders schlecht geht es den Birken und Buchen. Doch das wirkliche Ausmaß der Schäden wird sich erst im Herbst oder Frühjahr zeigen.“ Der Vorarbeiter ist mit seinen Männern gerade an der Willy-Brandt-Straße mit einem Pflegeschnitt zu Gange. Die beiden CDU-Abgeordneten Michael Schierack und Wolfgang Bialas interessieren sich für die Arbeit des Eigenbetriebs, informieren sich auf ihrer Sommertour über die aktuellen Probleme. Der Pflegeschnitt helfe den Bäumen, erklärt der Baumpfleger. Denn dadurch könnten die Bäume ihre Energie auf die vitalen Äste konzentrieren.

Wasser wird zur teuren Ressource

Werkleiter Normen Kothe sieht sich als Dienstleister für die Stadt immer mehr mit einem Ressourcenproblem konfrontiert. „Dabei geht es nicht um Mensch oder Maschine, sondern um Wasser.“ Es stelle sich perspektivisch schlicht die Frage, wo kommt das Wasser her oder wer bezahlt dafür? Schließlich darf derzeit kein Wasser aus den Fließgewässern entnommen werden. Bei dem Landtagsabgeordneten und Stadtverordneten kommt der Hinweis an. Der langjährige Umweltausschussvorsitzende Bialas sagt vorsichtig: „Dann sind künftig wohl im Haushalt Verschiebungen zugunsten der Grünpflege nötig. Dann müssen eben 100 000 Euro mehr zur Verfügung gestellt werden.“

100 Liter Wasser pro Woche

Die Stadt hat nach Angaben von Sprecherin Madeleine Henning-Waniek vier Firmen mit der Bewässerung der Bäume auf öffentlichen Flächen und entlang der Straßen beauftragt. Da das nicht ausreicht, sind die Berufsfeuerwehr und die freiwilligen Feuerwehren der Stadt zusätzlich im Löscheinsatz. Sie bewässern 28 Standorte. Dabei sind einmal in der Woche 100 Liter pro Baum vorgesehen.

„Das erfolgt nach einer Prioritätenliste“, so die Stadtsprecherin. Diese beruhe auf den Erfahrungswerten aus dem vergangenen Jahr, in dem es bereits sehr trocken war. „Häufig sind es Neupflanzungen und Jungbäume, die zusätzlich bewässert werden“, erklärt Madeleine Henning-Waniek. „Aber auch Bäume an Extremstandorten, wo sie von befestigten Flächen umgeben sind, gehören dazu.“ In Absprache mit der LWG Lausitzer Wasser GmbH nutze die Feuerwehr Wasser aus Hydranten. Auf Antrag entscheide zudem die Untere Wasserbehörde über Ausnahmegenehmigungen für die Entnahme von Oberflächenwasser für die Bewässerung des Stadtgrüns.

 Die CDU-Abgeordneten Michael Schierack und Wolgang Bialas unterhalten sich mit Baumpfleger Eberhard Kirchbach.
Die CDU-Abgeordneten Michael Schierack und Wolgang Bialas unterhalten sich mit Baumpfleger Eberhard Kirchbach. FOTO: LR / Peggy Kompalla

Stadtverordneter: Rasen kommt immer wieder

Cottbus sei eine grüne Stadt und lege trotz der extremen Trockenheit weiterhin Wert darauf. Deshalb hat Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) die Einwohner aufgerufen, die Stadt dabei zu unterstützen und die Bäume vor der eigenen Haustür regelmäßig zu gießen. Der Cottbuser Gottfried Schneider schließt sich dem an und weist auf zwei besonders gefährdete Jungbäume in seiner Nachbarschaft hin: „Nach langem Ringen hat die Stadtverwaltung auf dem Eichenplatz zwei Eichen gepflanzt. Leider kümmern sie in der Trockenheit. Ich rufe hiermit die Anlieger in der Humboldtstraße und der Eichenstraße auf, diesen Bäumen mit ein paar Eimern Wasser zu helfen. Ich selbst habe es schon getan.“

Für den Stadtverordneten Wolfgang Bialas haben die Großgehölze Vorrang. Normen Kothe weist darauf hin, dass dann auch die Naherholungsbereiche der Stadt, wie der Puschkinpark mit seinen beliebten Liegewiesen, extrem leiden würden. Wolfgang Bialas ist da ganz klar: „Rasen kommt immer wieder.“