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| 19:10 Uhr

Kultur
Galerie-Türen im Haus 23 schließen

 Rita und Dieter Mohaupt hielten 29 Jahre lang der Galerie Haus 23 in der Marienstraße die Treue. Als Dankeschön gab es nun zum Abschied eine Druckgrafik von Matthias Körner.
Rita und Dieter Mohaupt hielten 29 Jahre lang der Galerie Haus 23 in der Marienstraße die Treue. Als Dankeschön gab es nun zum Abschied eine Druckgrafik von Matthias Körner. FOTO: Ingrid Hoberg
Cottbus. Die Finissage der letzten Ausstellung ist gleichzeitig das Abschlussfest für eine eigentlich unverzichtbare Initiative der freien Kunstszene in Cottbus geworden.

Beim Abschlussfest darf geweint werden – so hatte es Jörg Sperling bei der Eröffnung der „180. und letzten Ausstellung“ in der Galerie Haus 23 Anfang Juli verkündet. Die letzte Vernissage sollte nicht von melancholischen Gedanken überschattet werden. Nun war am Wochenende der endgültige Abschied da, wie geplant, aber gefühlt doch schneller als gedacht. Die Stimmung an diesem sonnigen, warmen Herbstwochenende ließ bei aller Rückschau keinen Platz für Tränen (und wenn, dann ganz im Geheimen).

Während sich am Samstag Künstler und Mitglieder des Kunst- und Kulturfördervereins Cottbus in einer Runde trafen und feierten, sind ab Sonntagvormittag Freunde, Kunstförderer, Gäste im Garten willkommen. Die ersten Kunstwerke sind schon abgehängt, doch alle wollen noch einmal durch die Räume auf den beiden Etagen gehen und die Werkstattatmosphäre einatmen, die diese Galerie von allen anderen unterschied. Manfred Reuter, dem zu verdanken ist, dass die Galerie zur runden Zahl „30 Jahre“ zu Ende geht, freut sich jedenfalls über die „koreanische Begrüßung“ - viel Applaus von den Gästen – zu seinem „Willkommen!“ Gemeinsam mit Jörg Sperling und Matthias Körner verabschiedet er sich nun von allen, die noch einmal dabei sein wollen.

Galerie lebte von den Besuchern

Einen schattigen Platz haben sich rechtzeitig Rita und Dieter Mohaupt gesucht, um das Geschehen im Blick zu behalten. Doch auf einmal sind sie selbst Teil des Abschiednehmens. Das Vereinsdreigestirn überreicht beiden ein Geschenk, eine nummerierte Druckgrafik von Matthias Körner. „Eine Galerie lebt von den Besuchern“, sagt er. „Es gab Ausstellungseröffnungen, da waren 150 Leute gekommen und zwei, die immer da waren. Manchmal kamen nur 14 Leute und zwei, die immer da waren. Einmal waren wir ganz unter uns und zwei …“ Als Danke­schön können Rita und Dieter Mohaupt ein Stück Galerie mit nach Hause nehmen.

„Wir haben erst 29 Jahre Kontakt zur Galerie!“, korrigiert Dieter Mohaupt. Elke Dieminger lud sie damals zu einer Ausstellungseröffnung ein. Die Ladenbesitzerin hatte gemeinsam mit den befreundeten Bildhauern Thomas Herrmann (1963 – 1992) und Manfred Reuter sowie Jörg Sperling 1989 eine private Galerie gegründet. Mohaupts sind bis zum letzten Tag treue Besucher geblieben. „Es war eine schöne, eine interessante Zeit“, sagt Dieter Mohaupt und dankt dafür, dass er und seine Frau daran teilhaben durften. „Nun geht es hier zu Ende und ein bisschen Cottbuser Identität geht verloren“, stellt er fest. Eine lebendige Kunstszene sei hier zu erleben gewesen.

Kataloge gefragt

Wer ein paar Erinnerungen mit nach Hause nehmen wollte, hat bei den Katalogen von vergangenen Ausstellungen zugegriffen – und bei der aktuellen, letzten Publikation, die anlässlich von 30 Jahre Galerie Haus 23 erschienen ist. Vom 5. Juli bis 15. September haben 33 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten gezeigt und damit einen Endpunkt unter die Galeriearbeit gesetzt. „Wenn die Galerietür des ,Hauses 23‘ schließt, dann endet weniger eine ,Erfolgsgeschichte‘, sondern in der Kreuzung von Kunstgeschichten und Lebenswegen existierte ein weitverzweigtes Spannungsfeld. Und womöglich erwächst aus diesem ,Kunsthumus‘ etwas ganz anderes …“, schreibt Jörg Sperling im Vorwort. Die Sparkasse Spree-Neiße und das Kulturamt der Stadt Cottbus hatten die Veröffentlichung unterstützt. Weitere Förderer habe es schon seit einiger Zeit nicht mehr gegeben, so Sperling.

Visionen bleiben

Manfred Reuter, der in Berlin lebende Bildhauer, hatte im Herbst 2016 den Vereinsvorsitz übernommen, und stellt fest: „Das war’s. Und nun?“ Er entwickelt einige Visionen – vom Überseeschiffscontainer, der auf Zeit im Cottbuser Stadtzentrum platziert werden könnte, bis zum Traum von der „wiedererrichteten Mocca-Milch-Eisbar“  und der „auferstandenen Fußgängerbrücke“.  Beim Abschlussfest auf dem weinumrankten Hof des Hauses 23 haben sich vielleicht schon neue Ideen angebahnt. Wer weiß.

Konzerte und literarische Lesungen gehörten traditionell zum Programm der Galerie.  Katharina Frank setzt mit ihrem Solokonzert den musikalischen Schlusspunkt.