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Cottbuser Friedhöfe
Cottbuser Friedhöfe schrumpfen

Der Cottbuser Südfriedhof bietet eigentlich Platz für die Gräber der gesamten Stadt.
Der Cottbuser Südfriedhof bietet eigentlich Platz für die Gräber der gesamten Stadt. FOTO: Friedhofsverwaltung Cottbus / Stadt Cottbus
Cottbus . Bis zum Jahr 2040 sollen Teile auf 14 der 20 Gottesäcker zu Grünanlagen umgewandelt werden.

Der demografische Wandel macht auch vor den letzten Ruhestätten der Cottbuser nicht halt. Die durchschnittliche Überkapazität der 20 Friedhöfe der Stadt liegt bei rund 30 Prozent. Neben der sinkenden Bevölkerungszahl sei das vor allem mit der veränderten Bestattungskultur zu begründen, ist von Friedhofsleiterin Diana Ziesche zu erfahren.

Wie im Friedhofsentwicklungskonzept festgehalten, sind von rund 495 000 Quadratmetern (oder 49,5 Hektar) eingefriedeter Friedhofsfläche langfristig rund 144 000 Quadratmeter (14,4 Hektar) „nicht betriebsnotwendig“. Sie sollen bis zum Jahr 2040 wegfallen.

„Eigentlich würde die Kapazität des Südfriedhofs für die gesamte Stadt ausreichen“, gibt Diana Ziesche zu bedenken. Doch in der Diskussion um ursprünglich geplante Schließungen in Madlow und Schmellwitz hat sich gezeigt, dass Friedhöfe identitätsstiftend sind und deshalb von den Menschen nicht so leicht aufgegeben werden. „Deswegen haben wir uns geeinigt, vorerst keine Schließungen vorzunehmen“, sagt die Friedhofschefin.

Folge dieser Entscheidung sind Flächenreduzierungen auf 14 der 20 Cottbuser Friedhöfe bis zum Jahr 2040. Die geplante Aufhebung des Kiekebuscher Friedhofs, über die die Stadtverordneten auf ihrer November-Tagung zu entscheiden haben, hat hingegen einen langen Vorlauf. Der Friedhof in der Turnstraße wurde bereits im Jahr 2001 geschlossen. Im vergangenen Jahr ist die Liegefrist des letzten Grabes abgelaufen. Jetzt soll aus dem Friedhof eine Grünanlage werden.

Mit rund 50 Prozent ist die künftige Überkapazität des Nordfriedhofs besonders groß.  Die Hälfte seiner Fläche soll bis 2040 ebenfalls in eine Grünanlage umgewandelt werden.

Mit rund 76 779 Quadratmetern muss der 253 681 Quadratmeter  große Südfriedhof die flächenmäßig größten Verluste hinnehmen. „Der südliche Teil soll zum Wald zurückgeführt werden“, erläutert Diana Ziesche. Es handelt sich um einen Anteil von rund 30 Prozent. Der Ströbitzer Friedhof soll bis 2040 rund 29 Prozent seiner derzeit 29 483 Quadratmeter einbüßen. Die Verluste in den ländlichen Ortsteilen allerdings sind mit durchschnittlich 18 Prozent nur halb so groß wie auf den drei städtischen Flächen Süd- und Nord- sowie Friedhof  Ströbitz.

Dennoch birgt die Debatte über geplante Veränderungen gerade in den Ortsteilen Konfliktpotenzial. In Kahren sollen beispielsweise von 6532 Quadratmetern eingefriedeter Friedhofsfläche bis 2040 rund 1648 Quadratmeter aufgegeben werden. „Der Friedhof ist in Eigenleistung  angelegt worden“, gab Bernd Perko von der Freiwilligen Feuerwehr beim jüngsten Ortsteilrundgang mit Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) zu bedenken.  „Das gibt einen Aufstand.“

Oberbürgermeister Kelch versprach, das Problem der AG Friedhöfe zur Klärung zu übermitteln. Allerdings sieht Sven Gehrmann vom Ortsbeirat die Situation heute längst nicht mehr so dramatisch. Dennoch gibt der Kahrener zu bedenken: „Wir müssen berücksichtigen, dass viele junge Leute aus ihrem Heimatort wegziehen. Deshalb müssen Lösungen her wie Urnengemeinschaftsanlagen, die ohne großen Pflegeaufwand auskommen.“

Solche Urnengemeinschaftsanlagen gibt es laut Stadtverwaltung bereits in Sielow, Schlichow, Dissenchen und Gallinchen sowie auf dem Südfriedhof. Dort sei diese Bestattungsform im Jahr 2015 insgesamt 83-mal und damit am weitaus häufigsten genutzt worden, berichtet Diana Ziesche, während es in Dissenchen und Schlichow 2015 keine derartige Bestattung gab.

Zwar wird eine Friedhofsfläche erst dann zum städtischen Grün, wenn auch für das letzte Grab die vorgeschriebene Ruhezeit abgelaufen ist. Dennoch können Diana Ziesche und ihre Mitarbeiter ein Problem nicht ausschließen. „Wir können in diesen Bereichen kein neues Nutzungsrecht für Grabstätten von Vorfahren oder Ehepartnern einräumen“, sagt die Friedhofschefin. Zwar solle dieses Thema nochmals erörtert werden. Doch es spreche einiges dagegen. „Wir können die Sicherheit  nicht mehr gewährleisten, wenn wir beispielsweise wie in Teilen des Südfriedhofs den Wald zurückholen“, so Diana Ziesche.