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Amateurfilmclub des TKC
Kamerablick auf Cottbuser Geschichte

Amateurfilmclub des TKC
Amateurfilmclub des TKC FOTO: Ulrike Elsner / LR
Cottbus. Spannenden Rückschau auf die Arbeit des Amateurfilmstudios desTextilkombinates Cottbus im Lernzentrum. Von Ulrike Elsner

Wie war das Leben in in der DDR wirklich? Diese Frage stößt mit wachsendem zeitlichem Abstand auf immer größeres Interesse.  So sahen sich die Protagonisten der kürzlichen Diskussionsrunde zur Geschichte des Amateurfilmstudios im Textilkombinat  Cottbus (TKC) einem dicht gedrängt sitzenden Publikum im Cottbuser Lernzentrum gegenüber. Denn Amateurfilme aus der DDR-Zeit erleben derzeit eine Renaissance — nicht nur, aber auch in Cottbus. Regt doch der weniger offizielle und oft satirisch gefärbte Blick auf politische Verhältnisse und den Alltag in der DDR Erinnerung und Gedankenaustausch an. Am Ende fanden sich gar ehemalige Mitarbeiterinnen des Kombinates, in dem einst 4000 Beschäftigte — 75 Prozent von ihnen Frauen — Bekleidung aus Präsent-20-Stoffen und synthetische Garne für die Teppichindustrie produzierten, zu kleinen Gesprächsgruppen zusammen.

 Zum Auftakt flimmerte mit  „He, junge Mutti“ eine sensibel erzählte Alltagsgeschichte von Ingrid Hoberg über die Leinwand. Die Cottbuser Journalistin, die in den 80er-Jahren  Mitglied des  Amateurfilmstudio war,  hat den gleichnamigen Song des Blues-Sängers Jürgen Kerth aufgegriffen und einfühlsam bebildert. „16 Uhr, da kommst du aus dem Tor, du willst zum Kindergarten. He, junge Mutti, warum schlägst du denn dein Kind?“, heißt es im Text. Der Film beweist: Auch eine kritische Sicht auf den Alltag im Land DDR war  möglich. Zudem ist der Streifen noch so gut gemacht, dass er es im Jahr 2012 sogar ins Programm des Cottbuser Filmfestivals geschafft hat.  Wie die Autorin berichtete, reichte das Echo bei den Cottbusern von „In diesen Kindergarten ist mein Kind auch gegangen.“ bis „So sah die Sprem damals aus.“

Ex-Volkshochschulchef Peter Rahmfeld ließ die Geschichte des einstigen preisgekrönten Volkskunstkollektivs Revue passieren: 1973 unter Leitung von Hubert Andörfer mit drei Mitgliedern gegründet und bis 1980 auf zehn Mitglieder angewachsen, hat die Gruppe bis zu ihrer Auflösung nach der Umwandlung des TKC in eine GmbH im Jahr 1990 insgesamt 24 Filmprojekte in Angriff genommen. 18 davon wurden fertiggestellt. Der größte Teil konnte bewahrt und dem Filmmuseum Potsdam übergeben werden. Dort werden die Originale unter idealen Bedingungen gelagert und damit für die Nachwelt erhalten. Die den Filmemachern im Gegenzug versprochenen professionell hergestellten Kopien lassen allerdings noch auf sich warten. Der Tatsache, dass Hubert Andörfer auf das derzeit Vorhandene zurückgreifen musste, verdankte die Veranstaltung auch ihren Titel:  „Als der Film noch knisterte...“. Doch das Knistern störte niemanden. Besonders „Eine wahre Begebenheit aus dem Leben der Ziege Elvira“ fand beim Publikum wegen ihres Witzes großen Anklang.

Das Amateurfilmstudio verdanke seine Existenz einem Betriebsausflug, berichtete Hubert Andörfer, der seit dem Jahr 1971 als Elektriker im TKC tätig war. Später folgten Filme über betriebliche Themen. Eine Dokumentation über die Kampfgruppe des Kombinats wurde nie vollendet. Dafür aber „Präsent“, ein Firmenporträt des TKC, das, wie Donald Saischowa betont, selbst heutigen Maßstäben für einen Werbefilm vollauf gerecht wird. Der einstige Amateur, der mit zwölf Jahren seinen ersten Sportfilm drehte, und spätere erfolgreiche Dokumentarfilmer steuerte ein Porträt des legendären  Jugendklubs „Forum k“ zur Filmschau im Lernzentrum bei. Der Cottbuser, der sich vor allem durch seine Arbeiten für die TV-Reihe „Schätze der Welt — Erbe der Menschheit“ einen Namen gemacht hat, appellierte an die Hobbyfilmer im Publikum, ihre Schätze zu bewahren. „Amateurfilme sind wertvolle Zeitdokumente“, pflichtete ihm Ingrid Hoberg bei.

„Jeden Dienstag war Studiotag“, erinnerte sich Hubert Andörfer. Eine Freistellung von der Arbeit erhielten die Amateurfilmer vom TKC allerdings nur in Ausnahmefällen. Dafür aber durchaus großzügige finanzielle Unterstützung. Und kurz vor der Wende — ein Coup des damals im Bezirkskabinett für den Amateurfilm zuständigen Donald Saischowa — sogar eine teure Videokamera aus dem Westen. Die gehörte neben weiteren Geräten zur Kulisse des Abends im Lernzentrum.