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| 19:17 Uhr

Cottbus
Cottbuser Feuerwehr baut sich um

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feuerwehrcottbus_4c FOTO: LR
Cottbus. Vier kleine freiwillige Wehren sollen zu einer schlagkräftigen neuen Einheit zusammengelegt werden. Im Süden entsteht deshalb ein neues Gerätehaus. Das ist nur der Anfang. Von Peggy Kompalla

Auf dem Papier existiert es bereits und steht an der Gaglower Landstraße. Das neue Gerätehaus Süd soll künftig die vier Standorte der Freiwilligen Feuerwehr in Groß Gaglow, Gallinchen, Kiekebusch und Madlow ersetzen. Ende 2019 soll es in Betrieb gehen. Das ist nur der Anfang. Das kündigt der Cottbuser Feuerwehrchef Jörg Specht bei der Vorstellung des aktuellen Gefahrenabwehrbedarfsplans an – der Feuerwehr-Bibel. Der Plan definiert nicht nur die Schutzziele für die Stadt, sondern schreibt auch fest, wie diese personell und materiell erreicht werden. Demnach wird ab dem Jahr 2023 auch über Zusammenlegungen von Wehren im Norden und Osten der Stadt diskutiert werden müssen.

Jörg Specht stellt voran: Die Freiwilligen Feuerwehren machen guten Job. „Die Freiwillig Feuerwehr ist an einer Belastungsgrenze angelangt.“ Das Problem ist die Besetzung. Die Anzahl der Einsatzkräfte sinkt der Statistik zufolge stetig. Im Jahr 2012 zählten die 16 Wehren der Stadt 441 Männer und Frauen. Derzeit kommen noch 383 aktive Feuerwehrleute zusammen. Von denen stehen allerdings nur 222 jederzeit zur Verfügung. „Aufgrund der fehlenden Einsatzkräfte wird es immer schwieriger, taktische Einheiten zusammenzubekommen“, betont Jörg Specht. Die sind aber nötig, damit ein Trupp ein Fahrzeug besetzen und zum Einsatz fahren kann.

Die Zahlen werden nicht besser – trotz großer Anstrengungen bei der Mitgliederwerbung und einer modernisierten Ausbildung. „Vor allem die Einsatzbereitschaft von Atemschutzgeräteträgern ist für die Gefahrenabwehr von essentieller Bedeutung“, sagt der Feuerwehrchef. Auch deren Anzahl stagniere seit Jahren – allen Bemühungen zum Trotz.

Abhilfe sollen deshalb vergrößerte Einheiten bringen. Den Anfang macht der Süden. „Dort haben wir eine starke Konzentration von Wehren und damit eine Überschneidung der Einsatzgebiete“, so Specht. Der erste Spatenstich für das Gerätehaus Süd an der Gaglower Landstraße wird demnach im September gesetzt. Das Haus kostet rund 2,2 Millionen Euro. Das Land beteiligt sich daran mit 60 Prozent. „Wir brauchen ein ordentliches Haus, um möglichst viele Kräfte motivieren zu können“, sagt der Feuerwehrchef. Der Gedanke bestehe, dass künftig auch die Freiwillige Feuerwehr Sachsendorf an dem Standort miteinbezogen wird.

Ein weiteres Argument für die Investition in größere Einheiten ist der Zustand der Gerätehäuser. „Wir haben mit Ausnahme von Kahren und Branitz einen erheblichen Investitionsbedarf“, konstatiert Specht. Darüber hinaus werden die Fahrzeuge laut DIN-Norm immer größer. „Die bekommen wir nicht mehr in die Häuser rein. Da fehlen manchmal Zentimeter.“

Für die Groß Gaglower, Kiekebuscher, Gallinchener und Madlower bedeutet der Feuerwehr-Umbau große Veränderungen in der Organisation des gesellschaftlichen Lebens. Für alle vier Gerätehäuser – die das Herz der Ortsteile bilden – gebe es Nachnutzungskonzepte. Sie sollen zumeist zu neuen Bürgerzentren umgewandelt werden. „Nur in Madlow haben wir ein Problem. Das ist ein großes Haus, es gibt keine weiteren Vereine und das Brandschutzkabinett ist dort untergebracht“, sagt Jörg Specht und versichert im nächsten Atemzug: „Aber auch da werden wir eine Lösung finden.“

Was im Süden beginnt, wird sich im Osten fortsetzen. Davon ist die Feuerwehr überzeugt. So steht im Gefahrenabwehrbedarfsplan: „Mit dem Ostsee werden sich die Rahmenbedingungen sowie die Infrastruktur insbesondere in den Ortsteile Dissenchen, Schlichow und Merzdorf gravierend ändern.“ Unter den gleichen taktischen Zwängen wie im Süden der Stadt Cottbus müsse auch im Osten ein zentraler Standort geprüft werden. „Mittelfristig ist auch eine Zusammenführung der Freiwilligen Feuerwehren Schmellwitz, Döbbrick und Saspow zu planen“, heißt es in dem Papier.