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| 01:02 Uhr

Cottbuser Festbier wird in Drebkau gebraut

Die Historie ist lang, die Gegenwart aber eher schal wie das „Cottbuser Pils“ der 1980er-Jahre. Jetzt schickt sich die Drebkauer Kirchers-Brauerei an, eine Cottbuser Biertradition wieder aufleben zu lassen. Zur 850-Jahr-Feier 2006 gibt es ein Jubiläumsbier, für das gestern die Hopfenwürze beigegeben wurde. Feinschliff für das offiziell so betitelte „Cottbus Jubiläumspils“ . Von Jan Gloßmann

Seit 1385 wurde in Cottbus Bier gebraut, zunächst für den Hausbedarf, später mit wachsender wirtschaftlicher Bedeutung. „Bier brauen ist nicht wie Schnitzel braten, Bier brauen ist eine handwerkliche Herausforderung, wenn nicht gar eine Kunst“ , sagt Thomas Kircher, der mit seinem Bruder Andreas in Drebkau braut. Die Zwillinge führen damit eine 1898 in Cottbus begonnene Tradition weiter, die Anton Kircher, der Urgroßvater, begründete, als er die Brauerei in der Taubenstraße kaufte. Das Jubiläumsbier werde sich von den anderen Kirchers-Sorten unterscheiden. „Das Bier orientiert sich an Großvaters Rezept und wird eine feinherb-feinwürzige Note erhalten. Damit wird es ein typisch Cottbuser Bier“ , so Kircher.
Gestern gaben Andreas Kircher und der Cottbuser Postkutscher Hans-Joachim Schröpfer dem ersten Biersud die nötige Hopfen-Würze. Dadurch sei das Bier nicht nur etwas für Auge und Gaumen, sondern auch für die Nase. 2500 Liter sind im ersten Sud angesetzt. Ausgeliefert wird es in Flasche und Fass ab Anfang Dezember - und ist dann „nur im Jubiläumsjahr“ erhältlich. Thomas Kircher: „Jubiläumspils findet sich in allen Chroniken. Es war immer auch ein Dank an die Leute, die sich für ihre Stadt eingesetzt und etwas geschaffen haben.“ Schließlich gebe es auch erst dadurch „etwas zu feiern“ . Insofern sei auch gestern „ein Stück Cottbuser Bier-Geschichte“ geschrieben worden.
Das erste Fass Jubiläumsbier wird schon am 30. November nach Cottbus rollen - auf einer vierspännigen Kutsche. Gegen Mittag treffen sich genau ein Jahr vorm 850. Jahrestag der Ersterwähnung von Cottbus Postkutschen aus mehreren Bundesländern in der Stadt. Die Drebkauer karren das Jubiläumsbier zur Eröffnung einer Ausstellung über den Cottbuser Postkutscher ins Rathaus-Foyer, die bis zum Januar 2006 zu sehen sein wird.
Cottbus will sich mit dem Drebkauer Jubiläumsbier schmücken. Wolfgang Heym, Tourismusmanager bei der Congress, Messe und Touristik (CMT) GmbH, kennt aus diversen Treffs und Konferenzen die abendliche Frage in Gaststätten nach heimischem Bier. Cottbus müsse dann immer bedauernd verneinen. Es gibt keine aktive Brauerei mehr in der Stadt.

Hintergrund Bier-Geschichte
 Nach der Ersterwähnung Cottbuser Brautums 1385 hatte die Stadt 1501 eine Biermeile. Das ist jedoch kein Altmarkt voller Bierkneipen, sondern ein Gürtel um die Stadt, in dessen Begrenzung nur Cottbuser Bier ausgeschenkt werden durfte. Die entsprechenden Steuern kamen der Stadt zugute.
Größte Brauerei des vergangenen Jahrhunderts war die Merkur-Brauerei in der Bautzener Straße, die seit 1918 als Vereins-Brauerei, ab 1925 als Kurmärkische und später als Merkur-Brauerei geführt wurde.
1898 begründete Anton Kircher die jetzt in Drebkau beheimatete Kircher-Brauerei. 1901 wurde der Familienbetrieb Gustav Schulze und Söhne gegründet, dessen Biertradition von der Landskron-Brauerei im früheren Brauhaus Bahnhofstraße (heute Kupferkessel) wieder aufgenommen wurde.