Gerhard Printschitsch von der Theaternative C sieht sich am Ende seiner Weisheit: "Die Schließung unseres Hauses steht im Raum." Denn sein Theater leidet besonders stark unter dem Kürzungspaket, das außer den Aktiven Unabhängigen Bürgern (AUB) alle großen Fraktionen der Stadtverwaltung befürworten. Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) fasst das Dilemma zusammen: "Die Haushaltslage lässt uns keinen Spielraum - und alle diese Vorschläge fallen uns sehr schwer." Eng wird es an allen Ecken:
26 700 Euro weniger für das Stadtmarketing und den Tourismusverband. So bleiben 115 000 Euro für das Jahr 2011.?50 000 Euro weniger für das Konservatorium. Es bleiben 1,34 Millionen Euro.?19 300 Euro weniger im Rahmen der Kulturförderung für die Vereine, für Fanfarondade und Karnevalsumzug - ausgenommen das Festival des Osteuropäischen Films. Bleiben insgesamt 215 000 Euro.?7000 Euro weniger für die Leistungen die den Cottbus-Pass ersetzen sollen. Bleiben 27 000 Euro.?5000 Euro weniger für das Stadtmuseum. Bleiben 827 000 Euro. Bis zum Sommer 2011 stellt die Stadt ein Konzept für die Museen vor.?19 000 Euro weniger für die Theaternative C. Ihr bleiben 50 000 Euro.10 000 Euro weniger für die Stadt- und Regionalbibliothek. Bleiben 1,5 Millionen Euro.?10 000 Euro weniger für den Tierpark. Ihm bleiben 1,4 Millionen Euro.?3000 Euro weniger für das Planetarium. Bleiben 51 000 Euro.?5000 Euro weniger für die Volkshochschule. Bleiben 134 000 Euro.?10 000 Euro weniger für das Glad-House. Bleiben 467 000 Euro.?15 000 Euro weniger für die Sportförderung. Bleiben 328 000 Euro.?10 000 Euro weniger für das Fürst-Pückler-Museum und den Park Branitz. Beiden bleiben 1,2 Millionen Euro.Diese Einschnitte zeigen zwar, wohin die Reise geht - aber offen bleibt, wann die Stadt am Ziel eintrifft. Selbst wenn sie alle ihre freiwilligen Leistungen - immerhin noch 22 Millionen Euro - kürzen würde, könnte sie ihr Defizit nicht einmal um die Hälfte verringern. "Dabei kämen wir ohne neue Kredite aus, wenn uns jemand die Aufgaben abnähme, die uns das Land und der Bund übertragen", sagt Oberbürgermeister Szymanski. Mehr als 40 Millionen Euro beträgt dieser Posten, den auch die Cottbuser Fraktionschefs als ungerecht empfinden. Deshalb erwägt Cottbus neben anderen Städten Brandenburgs eine Klage vor dem Landesverfassungsgericht. "Wir sind unverschuldet in diese Lage geraten", sagt der Oberbürgermeister.

Der Fraktionschef der Cottbuser Linken, André Kaun, ahnt, dass den Parteien beträchtlicher Imageschaden bevorsteht. "Wir kürzen, obwohl wir versprochen haben, es zu unterlassen", erklärt er. "Aber die Auflage der Kommunalaufsicht lässt uns keine andere Wahl." Nur so, gibt er zu bedenken, erhalte Cottbus 13,4 Millionen Euro an Liquiditätshilfe vom Land.

Dabei geht das Kürzungspaket noch weiter. Die Congress, Messe & Touristik GmbH (CMT) erhält eine neue Struktur. Die Stadt schreibt ihre Jugendherberge zur Verpachtung aus. In der Verwaltung darf nur noch jede fünfte frei werdende Stelle besetzt werden.

Wie tief der politische Graben in Cottbus schon jetzt die Parteien spaltet, zeigt sich an der Gewerbesteuer, deren Hebesatz von 380 auf 400 Punkte steigt: Am Mittwoch stimmten 16 Stadtverordnete gegen diesen Beschluss, einer enthielt sich. Zwar erhofft sich der Oberbürgermeister nun 1,5 Millionen Euro mehr Einnahmen - doch zugleich stellt er fest: "Wir verringern unsere Wettbewerbschancen und unsere Attraktivität."

1400 Euro pro Einwohner: So hoch sind schon jetzt die Schulden der kreisfreien Städte.