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| 01:34 Uhr

Cottbuser Eigenheim-Vielfalt

Cottbus. Besonders gelungene Architektur zeigt sich in Cottbus nicht nur in alten Gebäuden wie etwa dem Altmarkt-Ensemble, sondern findet sich auch in den Eigenheimsiedlungen. Die RUNDSCHAU ist mit Architekt und Stadtplaner Harald Kühne auf eine kleine Entdeckungstour gegangen. Von Peggy Kompalla

“Die besonderen Häuser sind durch ihre Bauherren geprägt, nicht durch den Architekten„, sagt Harald Kühne. Denn ein Eigenheim sollte wie ein Maßanzug passen - also den Bedürfnissen der Bewohner entsprechen und die Möglichkeiten des Grundstücks ausnutzen.

Anders sei das mit den Häusern aus dem Katalog, die er aber nicht verteufeln will. “Viele Menschen sind damit zufrieden.„ Doch ein Architekt sei bei solchen Gebäuden selten im Spiel. “Das ist meist eine reine Ingenieurleistung„, so Kühne. “In Cottbus ist das Durcheinander groß.„

Denn in den größeren Siedlungen, so führt er weiter aus, sei jedes Haus von einem anderen Architekten oder Ingenieur geprägt. Dabei sei Vielfalt nicht unbedingt Ziel der Architekten, sagt er. “Sondern wir sind darauf bedacht, dass es einen Wiedererkennungswert gibt.„ Das bedeute nicht Monotonie, sondern eine gewisse Ordnung, sagt der Stadtplaner.

So heben sich die individuellen Eigenheime in der Stadt auch von ihren Nachbarhäusern stark ab. Wie etwa das Haus in der Puschkinpromenade, das im Gegensatz zu den repräsentativen Bauten daneben sehr schlicht gehalten ist. “Es fällt in diesem Ensemble durch seine Zurückhaltung auf„, so Kühne. “Es ist auf eine Raumwirkung ausgelegt, bietet viele Durchblicke und Transparenz und wirkt durch die Proportionen von Wand und Fenster.„ Ähnlich verhält es mit dem Haus in der Wohnsiedlung am Alten Schlachthof. “Während bei den Nachbarhäusern die Fenster alle gleichmäßig angebracht sind, erhält das Gebäude sein Gleichgewicht durch Asymmetrie„, so der Architekt. “Das ist hohe Kunst.„ Außerdem fällt auf, dass es hier weder Garagentor noch Zaun gibt. So wirkt das Haus offen.

Gebäude müssen aber nicht so offensichtlich anders sein, um dem Architekten ins Auge zu fallen. So greife das Eigenheim im Drosselweg einen ländlichen Baustil auf. “Der entsteht durch die Wölbungen an Fenstern und Türen. Zudem ist die Vielfalt nicht übertrieben, sondern alles harmoniert.„

An einem Eigenheim im Stieglitzweg ist das Raumgefüge von außen nicht ablesbar. “Das ist alles individuell geordnet.„ Zwei Häuser weiter, ebenfalls im Stieglitzweg, fällt schon der Vorgarten aus dem Rahmen. “Er bietet den Vordergrund für das Haus„, so Kühne. Den Rasen hat der Bauherr kurzerhand aufs Dach verlagert. “Hier fällt das Fensterband auf. Hier herrscht ebenfalls Asymmetrie, die das Gleichgewicht hält.„

An dem Haus in der Lieberoser Straße ist sogar die Vorliebe des Bauherrn ablesbar, denn er ist Holzkünstler. “Das zeigt sich in der Fassade, aber auch in den Schiebeläden. Sie haben eine klare Funktion, aber auch eine sehr gelungene ästhetische Form.„ Individualität, wie sie einem Architekten gefällt.