„Stellen Sie sich vor, Sie wachen jeden Morgen auf und gehen jeden Abend zu Bett in einem acht Quadratmeter großen, notdürftig eingerichteten Zimmer, dessen einziges kleines Fenster vergittert ist. Der Ablauf der Tage wiederholt sich. Die Kontakte nach draußen sind abgebrochen, niemand schreibt, keiner kommt Sie besuchen oder gratuliert ihnen zum Geburtstag. Sie sehen jeden Tag ein und dieselben Menschen.“ So beschreibt Christina Slabik den Alltag von Strafgefangenen. Die junge Frau koordiniert die Straffälligenhilfe der Cottbuser Caritas und bemüht sich, Ehrenamtliche zu gewinnen, die Häftlingen, die in den JVAs Cottbus, Duben und Spremberg einsitzen, ein Stück menschlichen Kontakt zurückgeben. „Die Idee ist, dass Ehrenamtliche über Briefe oder Besuche Kontakt zu Strafgefangenen aufnehmen, sie gegebenenfalls bei auch Ausgängen begleiten und sie bei der Wiedereingliederung unterstützen. Unsere Initiative wird vom Justizministerium gefördert“, erklärt Christina Slabik.

„2008 haben wir bei Null angefangen“, erinnert sie sich. „Ich war damals selbst überrascht davon, wie viele Menschen zu unserer ersten Infoveranstaltung gekommen sind. Inzwischen weiß ich, dass es tatsächlich viele Menschen gibt, die sich freiwillig in der Straffälligenhilfe engagieren wollen“, sagt sie. 25 Frauen und Männer unterschiedlichsten Alters, mit ganz verschiedenem beruflichen und sozialen Hintergrund, seien inzwischen in der Straffälligenhilfe der Caritas aktiv. Die Ehrenamtler kommen aus Cottbus und der ganzen Region. „Sie alle haben einen unserer Vorbereitungskurse durchlaufen. Dabei geht es unter anderem um die besondere Situation oder die Rechte Strafgefangener. Ein wichtiges Thema ist auch die Balance zwischen Nähe und Distanz“, erläutert Christina Slabik.

Denn gerade wenn ein Häftling sonst kaum soziale Kontakte habe, könne die Erwartungshaltung an den Briefpartner oder den Besucher leicht zu groß werden. „Der Inhaftierte kennt nur den Namen seiner Kontaktperson. Alle anderen Daten bleiben außen vor. Die Briefe aus dem Gefängnis gehen nicht zu den Ehrenamtlichen nach Hause, sondern werden von der Caritas weitergeleitet“, erklärt Christina Slabik.

Und auch wenn nicht das Strafmaß entscheide, welcher Gefangene eine ehrenamtliche Kontaktperson bekommt, so werde es doch der Einschätzung der Haftanstalt überlassen, welcher Straffällige für das Programm geeignet ist.