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Cottbuser demonstrieren für bessere Bildung

Bildungsdemo in Cottbus
Bildungsdemo in Cottbus FOTO: Michael Helbig (DC, Helbig )
Cottbus. Mehrere tausend Schüler und Studenten haben am Mittwoch in Brandenburg und Berlin für ein besseres Bildungssystem demonstriert. In Cottbus zogen mehrere hundert Studenten durch die Innenstadt. Auch Schüler des Cottbuser Pückler-Gymnasiums streikten für bessere Ausstattung, kleinere Klassen und 13 Schuljahre. Stefanie Hanus/boc

Die Studierenden der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) forderten in lauten Sprechchören während ihres Demonstrationszug vom BTU-Campus zum Cottbuser Altmarkt Bildungschancen für alle, bessere Studien- und Lernbedingungen und mehr Geld für die Bildung sowie die Abschaffung von Studiengebühren.

Mittwochmittag. Um diese Uhrzeit sollten Olivia und Felicitas eigentlich im Mathe- oder Erdkundeunterricht sitzen. Stattdessen recken die Siebtklässlerinnen gemeinsam mit ihren Mitschülern Plakate in die Höhe: „Keine Samstagsschule“, „Artgerechte Haltung für Schüler“ fordern sie, fragen „Müssen wir Opel heißen, um unterstützt zu werden?“. Auf Bettlaken und Plakate haben die Schülerinnen und Schüler des Pückler-Gymnasiums geschrieben, was sie am Schulsystem und der deutschen Bildungslandschaft stört. Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche an Schulen und Universitäten unter dem Motto „Bildungsstreik“ stehen die Gymnasiasten von 12 bis 14 Uhr auf dem Pausenhof.

Trillerpfeifen und Applaus begleiten die Ansprache von Schülersprecher Johannes Böhle. „Wir wollen gleiche Bildungschancen für alle“, bringt der 18-Jährige die umfangreiche Anklageschrift auf den Punkt: „Turbo-Abitur“ nach 12 Jahren, Lehrerversetzungen, nicht ausreichende oder veraltete Lehrmittel, gestrichene Fördermittel. „Kleinere Kurse“ hat Markus (18) auf sein Plakat geschrieben. Schade findet er, dass der eigentlich geplante Demonstrationszug zum Schulamt nicht genehmigt wurde. „Hier auf dem Schulhof sehen die Leute, an die sich die Aktion wendet, ja nichts davon“, sagt auch Mitschülerin Claudia (18). Nachdem der Schülerrat die Streikpläne am Montag der Schulleitung vorgelegt hatte, folgte zunächst ein Verbot der Aktion. „Nicht wegen der Absicht, sondern weil die Organisation unzureichend war“, so Schulleiter Wolfgang Friedemann. Die Schüler besserten nach, verschoben den Start von 10 auf 12 Uhr und bekamen die vierte Unterrichtsstunde zur Vorbereitung. Auf dem Rasen liegen derweil die ersten „Bildungsleichen“, sorgsam bedeckt mit Mutters altem Bett- oder Tischtuch, dazwischen sitzen die „Bildungskämpfaah“ mit eigens bemalten Stirnbändern. „Es ist toll, wie viele sich in die Aktion eingebracht haben“, sagt Annemarie (16), die Mitglied im Schülerrat ist. „So zeigen sie ihren Frust.“

Unterstützung erhalten die Schüler aus den Reihen der Lehrerschaft. „Der Streik ist notwendig und muss lautstark sein“, sagt Sabine Weinreich, die Deutsch und Musik unterrichtet. Lehrpläne müssten entrümpelt werden und auch der Fachlehrermangel sei unübersehbar, sagt Kollegin Christina Bolze. „Von 140 Lehrern, die hier anfangs unterrichtet haben, sind 96 übrig. 20 davon gehen in der nächsten Zeit.“

Am kommenden Montag erwartet das Pückler-Gymnasium Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD). Im Rahmen des Konjunkturpakets erhalte die Schule Fördergeld in Höhe von rund 450 000 Euro für die Gestaltung der Außenanlagen, sagt Wolfgang Friedemann. Nötig seien die Mittel allemal, so Lehrerin Sabine Weinreich. Nur: „Für die Bildungsinhalte ist damit noch nichts getan.“ Am Nachmittag setzt sich ein Demonstrationszug mit mehr als 200 Studierenden der BTU in Richtung Altmarkt in Bewegung.