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Cottbuser Brennpunkt im Visier der Polizei

Mit verstärkter Präsenz reagiert die Polizei auf Konflikte zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen in der Innenstadt.
Mit verstärkter Präsenz reagiert die Polizei auf Konflikte zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen in der Innenstadt. FOTO: mih1
Cottbus. Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke liebt klare Signale: Cottbus hat sich in den vergangenen Monaten zu einem Brennpunkt unterschiedlichster Problemlagen entwickelt, jetzt wird mit verstärkter Polizeipräsenz, Ermittlungsgruppen und "mit aller Konsequenz" reagiert. Besonders im Blickpunkt der Öffentlichkeit: die Auseinandersetzungen zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen rund um Stadthallenvorplatz und Puschkinpark. Andrea Hilscher

Hier hat die Polizei seit Januar 35 Strafverfahren eingeleitet, die die Bereiche Körperverletzung, Beleidigung oder Bedrohung umfassen. 167 sogenannte Gefährderansprachen betrafen deutsche Jugendliche, oft aus dem Trinkermilieu, 117 Mal waren ausländische Jugendliche betroffen.

Mörke: "Insgesamt ist die Zahl der Straftaten in Cottbus im ersten Quartal um 20 Prozent gesunken, die der politisch motivierten Straftaten sogar um 60 Prozent." Dennoch nehme man die Situation in der Innenstadt sehr ernst. "Wir dulden keinen rechtsfreien Raum." Der Polizeiinspektion Süd steht - zunächst bis Ende Juni - eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei zur Verfügung, die je nach Bedarf eingesetzt werden kann. Mindesten zehn Beamte sollen täglich am Abend und in der ersten Nachthälfte in der Innenstadt präsent sein. Eine zusätzliche Streife wurde eingerichtet, in der Ermittlungsgruppe "Innenstadt" kümmern sich drei Mitarbeiter ausschließlich um die Bearbeitung von Fällen im Brennpunktbereich.

Flankierend dazu wird die Stadt eine Allgemeinverordnung erlassen, die ab 1. Juni Alkohol im Bereich Stadthallenvorplatz, Puschkinpark, Strandpromenade und Schillerplatz verbietet. Ordnungsdezernent Thomas Bergner (CDU): "Davon ausgenommen sind natürlich konzessionierte Ausschankbetriebe." Er gehe davon aus, dass das vorübergehende Alkoholverbot juristisch auf sicheren Füßen steht: "Ähnlich wie wir haben bundesweit über 30 Städte ein derartiges Verbot."

Schon jetzt ist der Stadthallenvorplatz nachts heller als sonst erleuchtet, die Eingänge zur Stadthalle sind mit Bewegungsmeldern ausgestattet, sodass auch hier ein Rückzug in dunkle Ecken verhindert wird. Aus diesem Grund wurde auch das Grün im Puschkinpark zurückgeschnitten. Bergner: "So ist das Gelände besser einsehbar."

Die Polizei will schnellstmöglich Videokameras vor der Stadthalle installieren, so die Verfolgung von Straftaten erleichtern. Thomas Bergner: "Uns ist klar, dass wir mit unseren Maßnahmen die Menschen erstmal nur von bestimmten Plätzen verdrängen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, ihnen auch entsprechende Ausweichplätze anbieten zu können."

Neben der Innenstadt hat die Polizei die Fanszene von Energie Cottbus im Blick. Hans-Jürgen Mörke: "Die Gruppierung Inferno hat sich auf Facebook aufgelöst, das Problem aber existiert weiter." Zu Inferno gehören aktuell etwa 60 Personen, zu deren Nachwuchsorganisation "Unbequeme Jugend" 20 bis 30. Mörke: "Die machen die Drecksarbeit, so dienen sie sich hoch."

Im Umfeld des FCE gebe es etwa 60 C-Fans, die als ausgesprochen gewaltbereit gelten, sowie 155 B-Fans, die einer Schlägerei nicht abgeneigt sind. Insgesamt gibt es 47 bundesweite Stadionverbote für Cottbuser Fans. Die Fanszene überschneidet sich teilweise mit dem Kickboxer-Milieu und den verbotenen Gruppen "Widerstand Südbrandenburg" und "Spreelichter". Auch die rechte Gruppe "Zukunft Heimat" aus dem Spreewald sei in Cottbus aktiv, habe für die kommende Woche hier eine Veranstaltung angemeldet. Hans-Jürgen Mörke: "Wir gehen repressiv gegen diese Gruppen vor, verfolgen jede Straftat."