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Geologie
Cottbuser Blick auf Erdgeschichte

Ursula Striegler gibt Einblick in die Tonplatten mit fossilen Blättern, die zum Fundus der Städtischen Sammlungen gehören.
Ursula Striegler gibt Einblick in die Tonplatten mit fossilen Blättern, die zum Fundus der Städtischen Sammlungen gehören. FOTO: Elsner
Cottbus. Die Geologin Ursula Striegler hat fossile Baumarten entdeckt und beschrieben. Der Tertiärwald gibt dazu den Anschauungsunterricht. Ulrike Elsner

Die Cottbuser Geologin Ursula Striegler hat zwei fossile Baumarten entdeckt und erstmals beschrieben. Es handelt sich um die Eiche Quercus wischgrundensis, benannt nach dem Fundort, der Blättertongrube Wischgrund bei Lauchhammer, und die Birne Pyrus wischneideri, benannt nach dem bekannten Paläobotaniker Wilfrid Schneider. Das Senckenberg-Museum für Naturkunde Görlitz hat jetzt die wissenschaftliche Arbeit der Cottbuserin in seiner Reihe Peckiana herausgegeben. In beiden Fällen handelt es sich um fossile Arten, die vor rund zehn Millionen Jahren auf dem Gebiet der Ur-Elbe in der heutigen Niederlausitz gewachsen sind.

Vorausgegangen war jahrzehntelange akribische wissenschaftliche Arbeit. So hat die Geologin mit dem besonderen Faible für die Pflanzenwelt, gemeinsam mit ihrem Ehemann und Kollegen Rolf Striegler, im Jahr 1974 mit den Grabungen begonnen. 1985 folgte die erste Publikation. Insgesamt hat Ursula Striegler 11 369 Tonplatten mit 16 535 fossilen Blättern oder Blattresten untersucht. Dabei ist es ihr gelungen, 78 fossile Arten zu bestimmen.

Der Titel ihrer Publikation, die sich an ein Fachpublikum wendet, lautet "Die obermiozäne Flora des Blättertons von Wischgrund und anderer gleichaltriger Fundstellen der Klettwitzer Hochfläche". Nach der Bedeutung ihrer Erkenntnisse gefragt, antwortet die ebenso erfolgreiche wie bescheidene Wissenschaftlerin: "Das ist Grundlagenforschung." Ihre Arbeit liefere "einen Baustein, der Vergleiche mit anderen Regionen ermöglicht". Außerdem könnten aus der geologischen Schichtenfolge Rückschlüsse auf die Erdgeschichte gezogen werden.

Auch naturwissenschaftlich interessierte Laien können in Cottbus Entdeckungen zur Erdgeschichte machen. So veranschaulicht der Tertiärwald die europaweit einzigartige Nachbildung einer Flusslandschaft ähnlich dem Mississippi, wie sie in der Niederlausitz vor zehn Millionen Jahren existiert hat. Möglich wurde das durch Anpflanzung von Gehölzen, die mit den damaligen Arten verwandt sind.

So werden aufmerksame Spaziergänger die Holz-Birne, die Pyrus wischneideri ähnelt, entdecken. "Sie steht als kleiner Baum oder Strauch mit einigen Exemplaren im Tertiärwald, als Unterwuchs im Bereich des Hartholz-Auwaldes", verrät Ursula Striegler. Ein Exemplar jedoch ist Opfer des kürzlichen Sturms geworden. Der Stamm eines gesplitterten Baums hat die Birne umgeknickt.

Das Pendant der Quercus wischgrundensis, die Japanische Blau-Eiche, konnte nicht angesiedelt werden. Sie ist nicht winterhart.

Veröffentlicht in der Reihe Peckiana 12/2017, ISSN Nr. 1618-1735

Diese Holz-Birne im Tertiärwald erinnert an die Pyrus wischneideri, die hier vor rund zehn Millionen Jahren gewachsen ist.
Diese Holz-Birne im Tertiärwald erinnert an die Pyrus wischneideri, die hier vor rund zehn Millionen Jahren gewachsen ist. FOTO: Striegler