ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:41 Uhr

Cottbuser Bier-Tradition wiederbelebt

So sieht das Etikett für das Alte Welt Ale aus. Olaf Wirths bei der Reinigung der Gärbottiche.
So sieht das Etikett für das Alte Welt Ale aus. Olaf Wirths bei der Reinigung der Gärbottiche. FOTO: Joe Kammer, Daniel Schneidar, Olaf Wirths
Cottbus. Cottbus hat wieder ein eigenes Bier. 1500 Flaschen des "Alte Welt Ale" sind in dieser Woche gebraut worden – zum Test erst einmal in Finsterwalde. Doch künftig soll es auch in Cottbus eine Brauerei geben. Sven Hering

Bier und Cottbus - das hat durchaus Tradition. "1385 wurde erstmals urkundlich Bier aus Cottbus erwähnt", sagt Olaf Wirths. Der gebürtige Rheinländer lebt seit gut zwei Jahren in der Stadt und möchte gemeinsam mit Mitstreitern das Bier zurück in die Lausitzmetropole holen.

Das Jahr 1385 sei nun zum Anlass genommen worden, ein Bier nach alter Brautradition zu kreieren. Sein Team bezeichnet Wirths als Gruppe kreativer, wagemutiger und bierbesessener Leute. Sie alle eint ein Ziel: Cottbus ein eigenes Bier zurückzubringen. Doch zunächst müssen sie dafür in die Nachbarschaft ausweichen. Weil es in der Stadt derzeit keine Brauerei gibt, haben sich die Cottbuser für die ersten eigenen Gehversuche in Finsterwalde eingemietet.

"Wir werden versuchen, das Bier von damals neu zu interpretieren", so der 44-jährige Wirths. Herausgekommen sei ein obergäriges Bier nach alter Brautradition. Etwas dunkel, dazu ganz leichte Raucharomen, die davon herrühren, dass das Malz über dem offenen Feuer gedarrt wurde.

So beschreibt der diplomierte Biersommelier die Kreation. Dazu kommen zwei Hopfensorten, welche einmal für das Bittere und für die Aromen zuständig sind. Früher sei Bier auch schon einmal mit dem ein oder anderen Kraut versehen worden, damit es fruchtiger schmeckt. Die bittere Note kam nicht immer vom Hopfen, sondern häufig durch die Zugabe von Eichenrinde. Die Gerbsäure machte das Bier länger haltbar. "Wir werden unser Bier natürlich nach dem Deutschen Reinheitsgebot brauen", verspricht Olaf Wirths. Das Bier soll ein gut gehopftes, spritziges, fruchtiges, aber auch angenehm süffiges Getränk werden.

Nach etwa vier Wochen Gär- und Reifeprozeß wird noch kurz vor Weihnachten das Edelbier in handbefüllten 0,75-Liter-Flaschen zu haben sein. Auf 1500 Flaschen limitiert, gibt es das Ale per Rampenverkauf und in Zusammenarbeit mit einem lokalen Gastronom.

Das "Alte Welt Ale" ist das erste von besonderen Bieren, die das Unternehmen LaBieratorium auf den Markt bringen wird. Die eigene Brauerei soll später folgen. Mit einer siebenstelligen Investitionssumme rechnet der Unternehmer.

"Das werden wir nicht gleich zu Beginn stemmen können", sagt Wirths, der daher auch Bierreisen und Bierverkostungen kommerziell anbietet, um das Brauerei-Geschäft damit anzukurbeln. Denkbar sei zudem eine Crowdfunding-Finanzierung. Dabei wird das benötigte Geld von vielen Einzelpersonen eingesammelt.

Am Ende entscheiden aber die Cottbuser über den Erfolg dieser Idee. Sie müssen ein eigenes Bier wollen - und es dann auch kaufe.