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| 14:08 Uhr

Cottbus
Männerwirtschaft am Herd

FOTO: 1. Cottbuser MännerkochClub
Cottbus. Der erste Cottbuser Männerkochclub setzt auf gutes Essen, Regionalität und soziales Engagement. Von Stephan Meyer

Männer können nicht kochen lautet, ein gängiges Klischee. Dass das nicht stimmt, belegen nicht nur die zahlreichen Herren, die in Restaurants die Kochlöffel schwingen, sondern auch eine wachsende Gemeinschaft an männlichen Hobbyköchen. 2013 haben sich sieben Cottbuser Kochenthusiasten zusammengefunden, um einen Männer-Kochclub zu gründen. Als Vorbild dienen traditionelle baskische Kochvereine, in denen nur Männer an den Herden stehen, erklärt Clubgründer Volker Hecht.

„Die Idee kam bei einem Urlaub mit meiner Frau in San Sebastián“, erinnert sich Hecht. Innerhalb des Cottbuser Clubs ist er das einzige Mitglied mit Gastronomieerfahrung. Er betreibt eine Kochschule und einen Catering Service. Mit seiner Ehefrau durfte er in der spanischen Stadt bei einem der dortigen Clubs einen Abend zu Gast sein. Hecht war sofort begeistert, wie gemeinsames Kochen dort gelebt wird.

Er ist überzeugt, dass Kochen Menschen verbindet und zur Kommunikation anregt. Mit diesem Ansatz hat der Koch und Caterer vor vier Jahren den Cottbuser Verein ins Leben gerufen. „Hier können wir unseren Spleen ausleben und neue Sachen ausprobieren“, erklärt Christoph Schulze seine Begeisterung für den Verein. So haben die Mitglieder beispielsweise schon mal ein Schwein in einer Grube gegart. „Das sind Dinge die nicht jeder zu Hause machen kann“, sagt der Architekt. Für solche Experimente hätte auch nicht jede Ehefrau oder Freundin unbedingt Verständnis, ergänzt er vorsichtig. Im Vereinsleben fänden Versuche dieser Art eher Platz.

Kritik, dass der Club nur Männern offen steht, habe es noch nicht gegeben. „Eher im Gegenteil“, schildert Stefan Blasius seine Erfahrung. „Die Frauen sind meist überrascht und freuen sich, wenn sie mitbekommen, dass Männer kochen.“ Doch die Herren bleiben nicht ausschließlich unter sich. Gemeinsame Koch­abende mit ihren Familien seien keine Seltenheit.

Die ersten Vereinsmitglieder rekrutierte Hecht aus dem Freundeskreis oder fand sie unter Teilnehmern seiner Kochkurse. Momentan sind die Männer zu zehnt. Doch es stehen noch Kandidaten auf einer Warteliste. Ganz nach den baskischen Vorbildern kann nur derjenige zum Club hinzustoßen, der von einem anderen Mitglied empfohlen wird. Über die Aufnahme wird anschließend abgestimmt. Die Wahl muss einstimmig erfolgen. „Kochen ist etwas Intimes“, erklärt Hecht die strikten Aufnahmeregeln. Wer sich von jemand anderem etwas zubereiten lässt, müsse demjenigen sein vollstes Vertrauen entgegenbringen. Das gelte übrigens auch für jeden Restaurantbesuch. Das Kochniveau potenzieller Bewerber spiele jedoch eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sei das Interesse am Kochen und an guten regionalen Produkten. Alles andere ergebe sich dann im Vereinsleben. „Ich gebe mein Knowhow und meine Erfahrungen gerne an die Mitglieder weiter“, sagt Hecht. So habe er den Männern zum Beispiel gezeigt wie man Petersilienöl mit Hilfe eines Siphon-Flasche selbst herstellt oder Pfifferlinge mit Chili oder Vanille verfeinert. Viele Mitglieder hätten inzwischen schon enorme Fortschritte gemacht und seien routinierter in den Abläufen geworden.

2017 haben sich die Männer fünf bis sechs Mal zu Vereinsabenden getroffen. Gekocht wurde in Wohnungen der Mitglieder oder in der Kochschule von Hecht. Gerne würden sie sich öfter sehen. Wenn es klappt, einmal im Monat. „Wir sind alle beruflich sehr eingebunden, da gestaltet sich die Terminfindung mit zehn Leuten manchmal schwierig“, weiß Schulze. Auch in der Küche werde es mitunter eng. Momentan arbeite der Verein daran einen Ort zu finden, der mehr Mitglieder zulässt. Eine eigene Clubküche ist das langfristige Ziel. Darüber hinaus werden private Kocherfahrungen in einem Whatsapp-Chat ausgetauscht.

Heimatverbundenheit spielt bei den Hobbyköchen ebenfalls ein große Rolle. Die Lebensmittel für die Menüs stammen nahezu immer aus der Region. Hecht ist aufgrund seiner Kochschule gut vernetzt mit Produzenten vor Ort. Diese Kontakte nutze er auch für den Club.

Zum Vereinsleben gehöre aber nicht nur das Kochen an sich. „Wir gehen auch mal direkt zu den Herstellern“, erklärt Hecht. „Wir wollen uns das aber nicht nur zeigen lassen, sondern dort auch mal einen Tag mitarbeiten“, so die Vision des Kochs. Auf dem Plan steht unter anderem, die Winzer des Weinbergs Wolkenberg bei der Weinlese zu unterstützen. Ein Ausflug zum Biohof Auguste haben die Hobbyköche ebenfalls vor. Doch der Verein hat sich nicht nur Regionalität auf die Agenda geschrieben, sondern möchte auch etwas zum Gemeinwohl beitragen. „Soziale Aspekte sind uns wichtig“, erläutert Schulze. Deswegen haben die Männer bei einem Sommerfest in der Cottbuser Betreuungseinrichtung Pewobe für geistig Behinderte gekocht. Auch die Cottbuser Tafel profitierte bereits von ihren Kochkünsten. Bei der Nacht der kreativen Köpfe 2017 kochten sie ein kleines Menü, das sie im Stadthaus den Gästen anboten. Die Zutaten wurden von einem lokalen Lebensmittelhändler beigesteuert und die Erlöse aus dem Verkauf der Menüs gingen an die Tafel.

Die Köche haben ihren Reiz daran gefunden auch mal für mehr Menschen zu kochen, als nur für die eigenen Familien oder für den Vereinsabend. „Für ein Gericht für 60 Kinder eine Mehlschwitze zuzubereiten ist schon eine Herausforderung“, gesteht Clubmitglied Peter Nitschke. „Da tut einem der Arm schon mal weh.“ Die Cottbuser sind mit ihrem Männerkochclub nicht alleine, wie sie inzwischen feststellen durften. In dem Potsdamer Verein „Man(n) nehme“ haben sie Gleichgesinnte gefunden. Ein Treffen steht dieses Jahr an. Auch in Guben gebe es Männer, die gemeinsam ihre Leidenschaft zum Kochen ausleben.