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| 01:06 Uhr

Cottbuser Bahnhofstraße wird Knackpunkt der Verkehrsentwicklung

Cottbus.. An der grauen Messstation des Landesumweltamtes in der Bahnhofstraße – sie steht zwischen Hotel am Theater und Stadtmuseum – fahren Autofahrer zumeist achtlos vorbei. Ronald Ufer

Zu Unrecht, denn dem mehr als mannshohen Kasten kommt bald eine Schlüsselrolle bei den anstehenden Verkehrsplanungen der Stadt zu.
An mehr als 35 Tagen signalisierten die empfindlichen Geräte der Messstation im Jahr 2003 zu hohe Feinststaubwerte in der einzigen durchgehenden Nord-Süd-Verbindung über Karl-Marx-Straße, Bahnhofstraße und Thiemstraße. Überschreitungen gab es auch im Bereich der Straße der Jugend. Die besonders kleinen Feinststaubteilchen dringen sehr tief in Lungengewebe ein und gelten als ein Auslöser für Lungenkrebs und andere Atemwegserkrankungen. Die neue EU-Luftgüteverordnung legt strenge Grenzwerte fest, die über das Bundes-Immissionsschutzgesetz auch in deutsches Recht umgesetzt wurden. Die häufigen Überschreitungen in Cottbus und ab 2005 geltenden niedrigeren Grenzwerte riefen die EU-Kommission auf den Plan.
Bei der Landesregierung und im Rathaus in Cottbus gingen Brüssler Mahnbriefe ein, die die Aufstellung eines Luftreinhalteplanes forderten.
Als Ziele wurden die zügige Senkung der Feinststaubbelastung und eine insgesamt verbesserte Luftqualität gefordert. Wird dies nicht umgesetzt, drohen schlimmstenfalls Fahrverbote in der Stadt und andere Einschränkungen.
„Wir werden mit dem insgesamt in Brandenburg federführenden Landesumweltamt ein Lufreinhaltungskonzept erarbeiten. Das Ingenieurbüro für Stadt- und Verkehrsplanung Aachen erhielt den Auftrag, dafür stadt- und verkehrsplanerische Lösungen aus Sicht des Immissionsschutzes zu erarbeiten“ , sagt die zuständige Sachbearbeiterin im Rathaus, Gisela Gräser. Die Vorschläge sollen bis Ende 2005 umsetzungsreif sein.
Die größte Entlastungsmaßnahme, der Bau der Umgehungsstraße vom Nordring über die Pappelallee und die Waisenstraße und somit die weitgehende Komplettierung des Stadtringes wird voraussichtlich erst 2007 verkehrswirksam.
Allgemeine Vorschläge des Gesetzgebers wie besserer Straßenbelag, Verkehrslenkung, gebietsweise Fahrverbote für bestimmte Fahrzeuge, Verkehrsverlagerung oder Einrichtung einer Einbahnstraße scheinen für die Bahnhofstraße kurzfristig kaum möglich. Dann würden in anderen Bereichen der Stadt die Belastungen unzulässig ansteigen.
Von den allgemeinen Vorschlägen scheinen nur eine bessere und häufigere Straßenreinigung und Anreize für den Umstieg auf den öffentlichen Personennahverkehr mittelfristig durchsetzbar. Das Ingenieurbüro soll auch nach Möglichkeiten suchen, die häufigen Staus mit ihren hohen Umweltbelastungen zu reduzieren.
Die Wiedereinführung der in der Bahnhofstraße schon einmal praktizierten „grünen Welle“ an den Ampeln, die einen zügigeren Fahrzeugfluss ermöglichen würde, soll dabei in Betracht gezogen werden. Derzeit hat der öffentliche Nahverkehr in der Bahnhofstraße durch eine „Vorrang-Schaltung“ Vorfahrt. Dadurch kommt es an vielen Ampeln zu Wartezeiten - auch an der Kreuzung Bahnhofstraße/Karl-Liebknecht-Straße, in deren Nähe die Messstation steht.