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| 17:10 Uhr

Großbaustelle
Cottbuser Bahnhofs-Baustelle kurz vorm Ziel

Der Cottbuser Bahnhof verwandelt sich bis Mitte 2019 in einen Verkehrsknoten. Straßenbahnen und Busse werden künftig direkt vor den Bahnhof vorfahren.
Der Cottbuser Bahnhof verwandelt sich bis Mitte 2019 in einen Verkehrsknoten. Straßenbahnen und Busse werden künftig direkt vor den Bahnhof vorfahren. FOTO: umbau-bahnhof-cottbus.de / Bahnhof Umbau Cottbus
Cottbus. In den neuen Südbrandenburger Verkehrsknoten investieren Stadt, Land und Bahn 50 Millionen Euro. Im nächsten Jahr soll er in Betrieb gehen. Von Peggy Kompalla

Den Cottbusern geht es auf der Bahnhofsbaustelle oft nicht schnell genug. Trotzdem versichern alle Beteiligten immer wieder, dass die Arbeiten im Zeitplan liegen. Das ist nicht selbstverständlich, schließlich handelt es sich um das größte Infrastrukturprojekt Südbrandenburgs. Daran beteiligen sich Deutsche Bahn, Stadt und Cottbusverkehr gemeinsam. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf rund 50 Millionen Euro – 18 Millionen Euro davon sind Fördergeld, 30 Millionen gibt die Bahn für die Modernisierung der Bahnsteige aus. Nach dem Baustart im Jahr 2016 geht der Verkehrsknoten im nächsten Jahr in Betrieb. Auch die Bahn will bis Ende des Jahres fertig sein.

Am Mittwochabend ist der durchgehende Tunnel unter großer Anteilnahme der Cottbuser freigegeben worden. Der Bau markiert eine wichtige Etappe auf der Großbaustelle, aber ist viel mehr eine echte Errungenschaft für Fahrgäste und Cottbus-Besucher. Sie gelangen nun binnen drei Minuten bequem vom Bahnhofsgebäude zum Ausgang Innenstadt. Die Reaktionen der Cottbuser bei ihren ersten Inspektionen sind überwältigend positiv. Edith Pötschke schwärmt: „Herrlich sieht das aus. Freundlich und hell. Das ist alles sehr schick. Und überall gibt es Fahrstühle.“ Ihr Mann Hans-Dieter Pötschke sagt trocken: „Das ist nicht mehr mein Bahnhof.“ Der 85-Jährige schiebt mit einem Lächeln nach: „Aber das hat sich schon gelohnt.“ Sagt’s und testet den Fahrstuhl am neuen Tunnelausgang. Andreas Lehmann erklärt kurz und knapp: „Top.“ Er und seine Kollegen vom Bahnwerk Cottbus hatten die Unterschriftenaktion von Joachim Schreck unterstützt, die einen wesentlichen Anstoß für den Bau des durchgehenden Tunnels gab. Das war im Jahr 2012. Damals wurde noch geplant und umgeplant.

Der neue Tunnel ist ein echtes Novum. Das wird nicht das Einzige. Da sind zunächst die Bahnsteige. Welchen Zeitensprung die modernisierten Anlagen bedeuten, können Fahrgäste längst testen. Denn die Bahnsteige 9/10, 7/8 und 2/3 sind bereits auf neuestem Stand. Sie sind komplett barrierefrei. Es ist also kein Riesenschritt mehr in den Zug nötig. Und zu den Steigen geht es per Aufzug. Die Dächer, Anzeigen und Ausstattung wurden in dem Zuge ebenfalls auf Vordermann gebracht. Derzeit sind die Bauarbeiter am Bahnsteig 4/5 zugange. Im nächsten Jahr folgen noch die Bahnsteige 6 und 1.

Die Deutsche Bahn modernisiert in Cottbus alle Bahnsteige. Der Großteil ist bereits fertiggestellt, wie der Bahnsteig 9 / 10 auf dem Bild.
Die Deutsche Bahn modernisiert in Cottbus alle Bahnsteige. Der Großteil ist bereits fertiggestellt, wie der Bahnsteig 9 / 10 auf dem Bild. FOTO: Frank Hilbert

Aber auch vor dem eigentlichen Bahnhof passiert eine Menge. Dort entsteht unter Regie der Stadt Cottbus der eigentliche Verkehrsknoten. Wo einst Autos parkten, fährt ab Mitte 2019 die Straßenbahn vor. Auch der Busbahnhof wird direkt vor das Bahnhofsgebäude verlegt (siehe Grafik). Damit können Fahrgäste künftig bequem zwischen Straßenbahn, Bus, Taxi, Auto, Fahrrad und Zug umsteigen. Das ist ein Meilenstein für die gesamte Region, schließlich wird der Cottbuser Bahnhof täglich von 12 000 Menschen genutzt – ein Großteil sind Pendler.

Neben all der Freude über die Neuerungen gibt es auch Kritik. So hat der ökologische Verkehrsclub VCD jüngst gelbe Karten verteilt. Der Hinweis richtet sich an die Stadt. Aus Sicht des Verkehrsclubs sind viel zu wenige Fahrradständer rund um den Bahnhof geplant. In Summe sind es gerade einmal 360. „Die reichen bei weitem nicht aus, reservierte Plätze für Bike- und Carsharing sind gar nicht erst eingeplant“, kritisiert der VCD. Viele Cottbuser haben sich zudem Fahrradschienen an den Treppen zu den Bahnsteigen gewünscht, um ihre Gefährte bequem hochschieben zu können. Auch die gibt es nicht.

Selbst mit der Inbetriebnahme des Verkehrsknotens im nächsten Jahr sind die Arbeiten rund um den Bahnhof nicht abgeschlossen. Auf die Stadt wartet weitere Entwicklungsarbeit. Insbesondere am neuen Tunnelausgang im Norden gilt es das Umfeld so zu gestalten, dass die Fahrgäste nicht nur bequem zu den Bahnsteigen gelangen. Sie müssen überhaupt erst einmal den neuen Zugang finden.

Derzeit werden für den neuen Verkehrsknoten die Träger für das Haltestellendach errichtet. Darunter halten künftig Straßenbahnen und Busse.
Derzeit werden für den neuen Verkehrsknoten die Träger für das Haltestellendach errichtet. Darunter halten künftig Straßenbahnen und Busse. FOTO: Peggy Kompalla

In einer früheren Version dieses Textes hieß es, dass das Land Brandenburg 18 Millionen Euro Fördergeld für den Umbau des Bahnhofs beisteuert. Das ist nicht korrekt. 18 Millionen Euro werden gemeinsam von Bund, Land, der Stadt Cottbus und Cottbusverkehr aufgebracht.