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Cottbuser Bahnfahrt im Rausch der Gefühle

Schüler der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Cottbus bei den Proben zum Musical "Linie 1", das ab 4. Juli im Glad House aufgeführt wird. Am Samstag werden Teile des Stücks auf einer Straßenbahn-Sonderfahrt vorgestellt.
Schüler der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Cottbus bei den Proben zum Musical "Linie 1", das ab 4. Juli im Glad House aufgeführt wird. Am Samstag werden Teile des Stücks auf einer Straßenbahn-Sonderfahrt vorgestellt. FOTO: Rüdiger Hofmann
Cottbus. Schüler der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Cottbus proben in diesen Tagen gemeinsam mit Musikstudenten der BTU Cottbus-Senftenberg das Kultmusical "Linie 1". Samstag gibt es Szenen daraus auf einer Sonderfahrt in einer historischen Straßenbahn durch die Cottbuser Innenstadt zu erleben. Aufgeführt wird das Stück dann ab 4. Juli im Glad House. Rüdiger Hofmann

"Mädels, seid ihr denn heute alle erkältet", ruft Musiklehrer und Regisseur Dirk Ibbeken zu den Schülern auf die Bühne. Gerade laufen in der Turnhalle der freien Waldorfschule in Cottbus die Proben für ein außergewöhnliches Stück, das Kultmusical "Linie 1". Seine Frage wirkt schroff, doch er meint es eher humorvoll. Ibbeken will die Zwölftklässler zu Höchstleistungen animieren. Szenen werden zweimal, dreimal wiederholt, bis Gesang und szenische Darstellung harmonieren. Begleitet wird die Klasse von Musikstudenten der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg. Es ist der Tag vor der ersten öffentlichen Darbietung. Einzelne Szenen des Stücks sollen am Samstag während einer Rundfahrt mit einer historischen Straßenbahn in Cottbus geladenen Gästen präsentiert werden. Kostümierte Darsteller an der einen oder anderen Haltestelle sind dann sicher keine Seltenheit.

"Wir planen seit einem Jahr mit dem Stück und sind etwa seit einem Monat in den szenischen Proben", sagt Ibbeken. Der Musiklehrer hat das Originalmusical von Volker Ludwig und Birger Heymann in den 80er Jahren mehrfach gesehen und war sofort begeistert. "Diese Begeisterung konnte ich nun auf meine Klasse übertragen", so Ibbeken.

Der Inhalt ist recht schnell erzählt: Es geht um ein verliebtes Mädchen aus dem Westen in den 80 er-Jahren, das ihr Herz an einen Sänger verloren hat. Dieser will sie aus der Provinz nach Berlin holen. Natürlich trifft sie ihn am Ende, doch bis dahin sind einige Irrungen und Wirrungen zu durchstehen. Herzschmerz und Emotionen garantiert! Auf dem Weg nach Berlin macht das junge Mädel allerlei Bekanntschaften mit den ausgefallensten Charakteren. Da ist der Obdachlose und der in Altersarmut lebende Typ, da sind Nazis und Spießbürger, da geht es um Drogensüchtige und kaputte Ehen. Die gesamte Palette der Gesellschaft. "Es könnte kaum aktueller zugehen", sagt Dirk Ibbeken.

Auf der Bühne werden derweil Toneinspielungen simuliert und typische Verhaltensmuster in einer Bahn nachgeahmt. Heute wird noch improvisiert, das sieht dann einen Tag später schon anders aus, wenn alles vom Band oder live ertönt. Alle Schüler haben sichtlich Freude bei den Vorbereitungen. "Für uns ist es absolut neu, dass wir ein Musical einstudieren und aufführen", sagt Jonas Kempe. Der Schüler hat soeben einige schwierige Bewegungsabläufe auf die Bühne gezaubert.

Clara Last spielt das Mädel aus der Provinz. Ihr gefällt vor allem die Mischung aus Gesang und Schauspiel. "Wir sind eine gesangsstarke Klasse, da macht es dann besonders viel Spaß", sagt die Zwölftklässlerin. Reizvoll sei auch das Aufeinandertreffen mit den unterschiedlichen Charakteren. Auch Judith Küchler mag diese Vielfalt und den Mix aus Choreografie, Gesang und Schauspiel. "Noch bin ich nicht aufgeregt, aber das wird sich bei der Fahrt mit der Straßenbahn und dann zur eigentlichen Aufführung sicher ändern", so die Schülerin.

Das Musical "Linie 1" unter der Leitung von Lutz Schulz wird dann vom 4. bis 7. Juli jeweils um 19 Uhr im Glad House aufgeführt. Karten gibt es unter anderem bei Cottbusverkehr im Vorverkauf für acht, an der Abendkasse für zehn Euro. Gefördert wird "Linie 1" von der Stiftung Lausitzer Braunkohle.