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| 14:28 Uhr

Apotheken-Geschichte
Geschichte, die man riechen kann

 Annette Schiffner, Dagmar Braun, Sabine Bernert und Yvonne Rinza vom Apothekenmuseum führen durch die Fontane-Ausstellung.
Annette Schiffner, Dagmar Braun, Sabine Bernert und Yvonne Rinza vom Apothekenmuseum führen durch die Fontane-Ausstellung. FOTO: LR / Julian Münz
Cottbus. Das Apothekenmuseum in Cottbus genießt einen exzellenten Ruf über die Stadtgrenzen hinaus. Mit einer Feierstunde wird das 30-jährige Bestehen der Landeseinrichtung gewürdigt. Von Michael Helbig

 Als Vorsitzende des Fördervereins Brandenburgisches Apothekenmuseum erinnert Karen Pank an den langen Weg von der Gründung der „Löwenapotheke“ im Jahr 1573  bis zur Verstaatlichung 1951, in der die Besitzer neunzehnmal wechselten. 1980 ist das gesamte Bau-Ensemble am Cottbuser Altmarkt unter Denkmalschutz gestellt worden und 1982 die Entscheidung gefallen, in der Löwenapotheke ein Museum einzurichten. Nach der Umbaupause von 1984 bis 1989 wurde am 1. Juni 1989 das Niederlausitzer Apothekenmuseum gegründet.

Das Apothekenmuseum gilt als Perle in der vielfältigen Kulturlandschaft der Stadt Cottbus, wie Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) betont. Es genießt einen exzellenten Ruf, der weit über die Stadt- und Landesgrenze hinaus reicht. Schon beim Betreten des Museums steige der traditionelle Apothekengeruch förmlich durch die Nase, so Kelch. Das sei Geschichte, die man riechen könne. Auch beim Anblick der alten Apothekeneinrichtungen fühle er sich schlagartig in die Vergangenheit zurückversetzt.

Kelch versichert, dass die Stadt Cottbus auch weiterhin das Brandenburgische Landesapothekenmuseum Cottbus „mit Leidenschaft“ unterstützen werden, beispielsweise bei den Kosten für Miete, Strom und Heizung. Mittlerweile ist die einstige Löwenapotheke auch Bestandteil des Cottbuser Stadträtsels, bei dem vor allem junge Leute durch die Stadt streifen, um markante Punkte zu erkunden.

Ein Plädoyer für den mehr als 800 Jahre alten Berufsstand der Apotheker hält Jens Dobbert, Vorsitzender der Brandenburgischen Landesapothekenkammer. Sein Berufsstand habe keine Angst vor Veränderungen, erwarte jedoch von der Politik Rahmenbedingungen, die die Apotheker fair behandeln.

Das Bild des Apothekers werde sich in Zukunft verändern, prognostiziert Dobbert. Doch selbst Künstliche Intelligenz werde den Apotheker nicht überflüssig machen. „Denn nur wir Menschen können empathisch fühlen, wenn uns die Menschen gegenüberstehen“, begründet er. Er sei gespannt, wie sich diese Entwicklung auch im Brandenburgischen Landesapothekenmuseum Cottbus widerspiegeln wird.

An Oberbürgermeister Holger Kelch gewandt, erinnert er daran, dass in den nächsten zehn Jahren 300 Inhaber von Apotheken in den Ruhestand gehen und ihre Apotheken nicht verkaufen können, weil der Nachwuchs fehlt. Anlehnend an die Diskussionen über einen Medizinstudiengang an der BTU Cottbus-Senftenberg bringt er die Einrichtung eines Pharmaziestudiengangs ins Gespräch. Auch das könne ein Beitrag zum Erhalt der inhabergeführten Apotheke und zum Wissenschaftsstandort Cottbus sein, begründet Dobbert.

Für ihre Verdienste um das Brandenburgische Landesapothekenmuseum werden Gründungsvater Ulrich Gerasch und die aktuelle Leiterin Annette Schiffner mit der Herrmann-Hager-Medaille ausgezeichnet. „Ohne unser gesamtes Team wäre das Museum heute nicht das, was es ist“, sagt Schiffner.

Abgerundet wird die Feierstunde mit den Vorträgen „Der Apotheker Theodor Fontane“ und „Aus den Revisionsprotokollen zu Fontanes Zeiten“, dem Defa-Film „Effi Briest“ und einem Image-Video.

 Annette Schiffner, Dagmar Braun, Sabine Bernert und Yvonne Rinza (v.l.n.r.) vom Apothekenmuseum führen durch die Fontane-Ausstellung.
Annette Schiffner, Dagmar Braun, Sabine Bernert und Yvonne Rinza (v.l.n.r.) vom Apothekenmuseum führen durch die Fontane-Ausstellung. FOTO: LR / Julian Münz