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Cottbuser Amtsgericht verurteilt Mittäter einer Diebesbande zu Geldstrafen

Cottbus. Zu viert hat eine Diebesbande jetzt auf der Anklagebank des Cottbuser Amtsgerichtes gesessen: Geld haben sie in einer Julinacht 2013 in der damaligen Kfz-Zulassungsstelle und einem Autohaus gesucht – bis sie auf frischer Tat gestoppt wurden. Verurteilt sind nun zwei. Für die anderen beiden Täter war der Trip nur eine unter vielen Straftaten. Annett Igel-Allzeit

In Handschellen wird Marcel O. aus dem Gewahrsam des Amtsgerichtes zum Verhandlungssaal gebracht. Mindestens anderthalb Jahre wird er noch inhaftiert sein, schätzt sein Verteidiger. O. teilt sich die Anklagebank mit Freunden. Zumindest waren sie das am 17. Juli 2013. Romy Z. und Steve M., noch heute ein Paar, sowie Chris B. wollten mit ihm nach dem Besuch der Spielothek "ein bisschen rumfahren". Romy Z., die einzige der Gruppe, die zu diesem Zeitpunkt Auto und Führerschein hatte, brachte sie zuerst zur damaligen Kfz-Zulassungsstelle. Einer wirft die Fensterscheibe ein, der andere klettert in das Büro und kommt mit einer Geldkassette wieder heraus. Doch in der Kassette liegen nur unnütze Papiere. Später wird die Stadt den Sachschaden auf 600 Euro beziffern. Die Tour geht weiter. In einem Autohaus in Gallinchen scheinen sie mehr Glück zu haben. Während sich Romy Z. und Steve M. im Auto verlustiert haben sollen, betreten Marcel O. und Chris B. das Autohaus. O. gelingt es, das Fach mit Bargeld in Höhe von rund 500 Euro aus der Registrierkasse zu ziehen - Videoaufnahmen bestätigen das. Doch ihr "Besuch" um Mitternacht löste Alarm aus. So kommt die Polizei - die Streife war auf dem Weg nach Spremberg - in dem Moment, als Romy Z. die drei Männer vom Parkplatz des Autohauses kutschieren will. Sie müssen ihre Personalausweise zücken, den Kofferraum öffnen. Die Schublade der Registrierkasse und ein Bolzenschneider kommen ebenso zum Vorschein wie kurze und lange Kuhfüße - eine Art Brecheisen, Spalthammer, Handschuhe.

Zunächst ist gegenüber Amtsrichterin und Staatsanwältin nur der 26-jährige Chris geständig. Die Verteidiger von Marcel O. und Steve M. beantragen, eine vorläufige Einstellung des Verfahrens ihrer Mandanten nach Paragraf 154 der Strafprozessordnung. Die Richterin befürwortet eine Abtrennung der Verfahren, wodurch O. und M. aber als Zeugen gehört werden können. Der 30-jährige O. nennt Chris B. als Steinewerfer und widerspricht seinen Aussagen gegenüber der Polizei frisch nach der Tat: "Ich hatte zu der Zeit Bewährung und habe versucht, meine eigene Haut zu schützen. Ich habe gelogen, was das Zeug hält." Der 29-jährige M. gibt dagegen den Ahnungslosen. Er habe in jener Nacht nur Augen für Romy Z. gehabt und kommentiert den Einbruch seiner Kumpels mit "Man denkt ja nichts Schlimmes." Also klicken bei O. wieder die Handschellen - sein Vorstrafenregister reicht von Erschleichen von Leistungen, Sachbeschädigung, Diebstahl, Betrug, Fahren ohne Fahrerlaubnis. M. dagegen wartet auf ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Chris B., der von der schiefen Bahn wieder zu einer geregelten Arbeit geschafft hat, beteuert, den Stein nicht geworfen zu haben. Nach dem Motto "Mitgehangen - mitgefangen" wird Romy Z. zu einer Geldstrafe von 15 Euro zu 120 Tagessätzen (1800 Euro) und Chris B. zu 30 Euro zu 120 Tagessätzen (3600 Euro) verurteilt.