ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:33 Uhr

Rundgang über die Bahnhof-Baustelle
Cottbuser als Baustellenprüfer

So wie an den Gleisen 9 und 10 werden künftig alle Bahnsteige am Cottbuser Bahnhof aussehen. Sie werden auf 55 Zentimeter angehoben, um das Einsteigen in die Züge zu erleichtern. Außerdem werden sie alle mit einem Fahrstuhl ausgestattet. Obendrauf gibt es neue Dächer.
So wie an den Gleisen 9 und 10 werden künftig alle Bahnsteige am Cottbuser Bahnhof aussehen. Sie werden auf 55 Zentimeter angehoben, um das Einsteigen in die Züge zu erleichtern. Außerdem werden sie alle mit einem Fahrstuhl ausgestattet. Obendrauf gibt es neue Dächer. FOTO: Helbig
Cottbus. Fast 200 Cottbuser sind am Donnerstagabend zum Rundgang über die Bahnhof-Baustelle gekommen. Sie erweisen sich als aufmerksame und interessierte Inspizienten und erfahren, was noch alles auf sie zukommt. Peggy Kompalla

Die Sonne brennt am frühen Donnerstagabend auf die Baustelle. Davon unbeeindruckt drängeln sich die Besucher und lassen sich die verschiedenen Baustellen am Bahnhof aufs Genaueste erläutern. Sie fragen nach Regenwasserabflüssen, Bahnsteighöhen und schiefen Fahrleitungsmasten. Dabei nehmen sie auch ein erstes fast fertiges Stück Bahnhof ab: Der Bahnsteig 9 / 10 ist bis auf den Fahrstuhl fix und fertig mit neuem Dach und auf 55 Zentimeter angehobener Bahnsteigkante. Alles ist in elegantem Dunkelgrau gehalten, wie manche Frau anerkennend bemerkt.

Derweil sind die Bauleute auf den Bahnsteig 7 / 8 gewechselt. Vom alten Dach ist nur noch ein Gerippe übrig. Schutthügel und Baugerät drängeln sich. Spundwände sind in den Boden gerammt. Dort wird die Erde für die Verlängerung des Tunnels ausgehoben. Gesamtprojektleiter Jürgen Härtner von der Deutschen Bahn erklärt die Schwierigkeit: "Wir bauen hier unter dem rollenden Rad. Deshalb können wir pro Halbjahr nur ein Gleis außer Betrieb nehmen. Das ist ein großer logistischer Aufwand. Deshalb dauert das auch so lange." Baumaterial und Bauschutt können nur über die beiden stillgelegten Gleise bewegt werden.

Bis zum Jahr 2019 wird der Bahnhof modernisiert. Die Bahn investiert rund 30 Millionen Euro. Die Stadt legt noch einmal 18 Millionen Euro obendrauf, um den Bahnhof zu einem echten Verkehrsknoten für Zug, Straßenbahn, Bus und Auto zu machen. Das ist das größte Infrastrukturprojekt der Region. Und es liegt voll im Zeit- und Kostenplan. Das versichern beide Bauherren - Stadt und Bahn unisono. Die Baustellen-Inspizienten nehmen ihnen das ab. Dafür gibt es sogar Applaus.

Der Tunnel von städtischer Seite - also von Norden - sieht schon ziemlich fertig aus. 300 Tonnen Stahl und 1500 Kubikmeter Beton wurden in dem Abschnitt verbaut. Am 6. März gab es den Durchbruch. Auf dem staubigen Platz vor dem neuen Tunneleingang lässt Projektleiter Maik Hauzenberger von der Stadt in der Fantasie der Cottbuser das Gesamtensemble entstehen: "Die alten Hallen werden mit Klinkermauerwerk versehen. Ein Glasdach kommt obendrüber. In den Boden wird ein Lichtband eingelassen, um die Besucher zu führen. Es wird überdachte Fahrradständer geben und eine Sitzecke mit Bäumen. Das wird eine schöne Ecke." Die Leute nicken. Im Herbst 2018 soll der neue Tunnel in Betrieb gehen.

Während die Arbeiten im Norden kaum stören, bereitet Hauzenberger die Cottbuser auf erhebliche Einschränkungen vor. Bis September wird eine neue Weiche auf dem Stadtring eingebaut. Das bekommen die Autofahrer derzeit schon zu spüren. Danach rückt die Baustelle auf den Bahnhofsberg und auf die Vetschauer Straße raus. Dann werden sämtliche Straßenanschlüsse gemacht. Das wird ein Jahr dauern. Bei der Botschaft ist kein Murren zu hören. Vielmehr ist die Sorge da, dass die Straßenbahngleise tatsächlich passen. Denn bislang kommen sie für die Baustellen-Besucher etwa auf Bauchnabelhöhe an der Bahnhofstraße an. Der Projektleiter versichert: "Das passt. Der ganze Bereich wird angehoben." Dabei lässt er seinen Arm in Richtung Bahnhofkreuzung und Vetschauer Straße schweifen. "Wen es beruhigt: Die unterirdischen Leitungen haben alle Anschluss gefunden."