Markig klingt der aktuelle Werbespruch von Cottbusverkehr. „Wir können nur fahren, wenn Sie einsteigen“, verkündet das Unternehmen auf Plakatwänden. Wenn Dieter Deichsel diesen Slogan jedoch auf seine persönlichen Erfahrungen ummünzt, lautet die Botschaft: „Ich kann nur einsteigen, wenn Sie anhalten.“

Denn der schwerbehinderte Cottbuser, der nach eigenen Worten auf die zuverlässige Beförderung durch öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, fühlt sich von Cottbusverkehr im Stich gelassen. „Ich habe es in diesem Jahr drei Mal erlebt, dass die Haltestelle an der Görlitzer Straße in Richtung Jessener Straße nicht angefahren wurde.“ Er habe jeweils in den Abendstunden pünktlich an der Station gestanden, für den Busfahrer der Linie N2 gut sichtbar, habe sich bemerkbar gemacht – und sei trotzdem ignoriert worden. „Beim zweiten Mal habe ich mich bei Cottbusverkehr beschwert und eine schriftliche Entschuldigung bekommen.“ Doch am 8. Juli um 22.34 Uhr sei erneut ein Bus an der Haltestelle vorbeigefahren. Für Cottbusverkehr-Chef Ulrich Thomsch ist das Verhalten der Busfahrer Grund, die Mitarbeiter über ihre Pflichten zu belehren. „So etwas darf einfach nicht passieren.“ Er könne sich die Vorfälle nur auf eine Weise erklären: „Wenn ein Bus aus der Straße der Jugend in Richtung Süden fährt und zum Stadtring abbiegt, muss er in die Gleisanlage wechseln, um die Haltestelle zu erreichen.“ Offenbar hätten die Busfahrer die Gleiseinfahrt verpasst. „Doch auch dann muss der Passagier die Möglichkeit erhalten, in den Bus zu steigen.“

Dieter Deichsel, der ignorierte Passagier, hofft nun, dass die Belehrung der Busfahrer Früchte trägt: „Noch einmal möchte ich es nicht erleben, dass der Bus vorbeibraust und ich ewig warten muss.“ René Wappler