„Es gibt bessere Lösungen, aber wir sind nicht unzufrieden“ , sagte der Cottbuser Handwerksmeister Hans Schuft, einer der drei Kläger. Mit seinen Kollegen Diether Sack und Wilfried Reinsberg hatte Schuft die Vor-Projekte in Bedrängnis gebracht und letztlich zur Aufgabe gezwungen - mit einer Normenkontrollklage gegen das Zustandekommen und die Festlegungen des noch immer gültigen Bebauungsplanes für die Stadtpromenade. Der ist auch die rechtliche Grundlage für das „Blechen-Carré“ , das die Brieselanger Firma Gepro Bau ab Frühjahr für etwa 48 Millionen Euro errichten will.
Der Kompromiss sieht vor, dass das Gepro-Projekt auf 15 000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche begrenzt wird. Das wird vertraglich festgeschrieben und entspricht letztlich den Vorstellungen des Investors. Insgesamt wird der Bau zwischen Blechen-Schule und heutiger Mocca-Bar-Ruine aber knapp 17 000 Quadratmeter bieten, darunter auch für Gastronomie und Dienstleistungen. Das Center wird offen gestaltet, so dass die Verbindung zur Sprem und zur Altstadt hergestellt werden kann. Ob dafür auch ein baulicher Durchbruch zur Sprem nötig wird, ließen alle Seiten offen - niemand hat das jetzt zur Forderung erhoben.
Allerdings soll die Stadt mit der Gebäudewirtschaft Cottbus (GWC) prüfen, ob in den bestehenden Häusern am Heronplatz weiterer Handel angesiedelt werden kann. „Das wäre für uns eine tatsächliche Verbindung zwischen Center und Sprem. Wir wollen Handel mit Handel verbinden“ , erklärte Hans Schuft. Grundlage ist das Einzelhandelsgutachten, das die Leipziger Unternehmensberatung BBE vor gut einem Jahr vorgelegt hat. Ein in sich abgeschlossenes Center, so die Befürchtung, kapsele die Altstadt ab und lasse sie veröden.
Jetzt, so Schuft, sei nicht nur die Begrenzung der Handelsfläche gelungen. „Das neue Center ist nicht so hoch und insgesamt ein Drittel kleiner als das von ECE geplante Gebäude, also nicht so ein Riesenklotz.“ Der Abriss der Mocca-Bar sei nicht mehr zu verhindern gewesen. Künftig soll es auch ein abgestimmtes Marketing von Center und Sprem geben. René Becker: „Wir haben angeboten, dass unser Center-Manager für die Spremberger Straße mit tätig wird.“
Nach RUNDSCHAU-Informationen haben sich Investor und Stadt die Einigung mit den Händlern auch etwas kosten lassen. Schätzungen gehen von bis zu 80 000 Euro aus, die für Anwalts -, Gerichts- und andere Kosten gezahlt werden. Offiziell wird die Summe nicht bestätigt. Investor Becker sagte, der von seinem Unternehmen aufzubringende Löwenanteil an den Zahlungen liege im Bereich dessen, was als „Unwegbarkeiten“ geplant worden sei. Die Stadt beteiligt sich nach RUNDSCHAU-Informationen mit etwa 25 000 Euro. Offen ist darüber hinaus, ob es weitere finanzielle Belastungen für die Stadt gibt. In den ergänzenden Verträgen zum Projekt sei „der Leistungsumfang im Vergleich zu ECE deutlich reduziert“ . Klartext: Kosten für die Stadt, die damals noch der Investor übernommen hätte. Das Projekt soll daran aber nicht scheitern.

Hintergrund Cottbuser Premiere
 Mit der jetzt erzielten Einigung ist erstmals im Land Brandenburg ein so genannter Mediatoren-Termin im Baurecht absolviert worden. Das Resultat ähnelt einem außergerichtlichen Vergleich. Ende Januar soll nun der im Dezember von den Stadtverordneten beschlossene Kaufvertrag beurkundet werden. Bis Ende Februar will Investor Gepro den Bauantrag für das von den Cottbuser Architekten Richter, Altmann, Jyrch entworfene Center einreichen.