Von Nils Ohl

Wer heute das Verwaltungsgebäude von Kunella  betritt, schreitet durch eine Tür, über der das  altertümliche Wort „Contor“ prangt. Ein Hinweis auf die lange Tradition des Unternehmens an seinem Standort in der Briesener Straße von Cottbus.

Zunächst expandierte Kunella in der Region

Als Anna und Ludwig Kunert 1894 die Firma Kunella gründeten, konnten sie nicht ahnen, dass diese Marke 125 Jahre später weltweit für Speiseöle und Feinkostartikel aus Cottbus steht. Doch bis dahin war es ein langer und verschlungener Weg. Zunächst expandierte Kunella in der Region. Bis 1945 gehörten 38 Filialen – vor allem in Brandenburg, Schlesien und Sachsen – zu dem Cottbuser Unternehmen, alles unter der Marke „Kunella“.

„Nach dem Krieg war die Marke Kunella weg“, erklärt Lothar Parnitze, der heutige Geschäftsführer der Kunella Feinkost GmbH.Zwar hatten die Söhne der Firmengründer das Geschäft weitergeführt, aber die Produkte wurden ohne Markenbezeichnung vertrieben. Es gab nur eine Adress-Firmierung als „Gebrüder Kunert“.

1972 wurde der Betrieb verstaatlicht und hieß nun „VEB Feinkost Cottbus“. Lothar Parnitzke, damals schon in der Leitung des Betriebes, erinnert sich, dass die Verkaufsgebiete in der Planwirtschaft genau eingeteilt waren: „Wir haben Frankfurt (Oder), Königs Wusterhausen und alles südlich von Berlin beliefert. Nach Berlin oder Dresden durften wir nichts verkaufen.“

Auch das lief alles ohne Markennamen, der ja als Verkaufsargument nicht notwendig war, nur mit der Absender-Firmierung „VEB Feinkost Cottbus“.

Die älteren Mitarbeiter wussten noch vieles aus der Firmengeschichte

Als Lothar Parnitzke 1991 das Unternehmen von der Treuhand kaufte, stand er vor der Aufgabe, eine eigene  Marke zu finden. Die älteren Mitarbeiter wussten noch vieles aus der Firmengeschichte, und so kam die Idee auf, unter dem traditionellen Namen „Kunella Feinkost“ neu zu starten. Dafür wurde in Anlehnung an das alte Markenzeichen ein neues Logo entwickelt. Dazu kam der Slogan „Genuss aus der SpreewaldRegion“.

„Im Nachgang muss ich sagen, dass mir die volle Bedeutung einer Marke und eines Logos erst später voll bewusst wurde“, bekennt Parnitzke. „Und kaum hatten wir das Logo, haben Unternehmen aus den alten Bundesländern dagegen geklagt. Die wollten uns rauskriegen.“

Doch Kunella konnte sich als Marke etablieren. „Wir haben die einzelnen Handelsketten besucht, damit sie uns listen. Aber das A und O ist dann, dass der Kunde die Ware im Regal auch kauft.“

Allerdings waren es harte Zeiten. In der Produktion reichten die Aufträge damals nur für einen Tag Arbeit pro Woche. „Jetzt arbeiten wir zweischichtig und haben den Umsatz versechsfacht“, so Parnitzke.

Nach und nach wurde Kunella auch im Westen Deutschlands platziert

Zunächst lag die Konzentration auf dem ostdeutschen Markt. „Damals war es von großer Bedeutung, dass Kunella-Produkte Ostprodukte waren.“ Nach und nach gelang es auch, Kunella im Westen Deutschlands zu platzieren. Und längst ist Kunella den dritten  Schritt gegangen – den auf die internationalen Märkte.

„Schon Anfang der 90er haben wir Messen im Ausland besucht“, berichtet Lothar Parnitzke. Gefragt seien guter Geschmack, hohe Qualität und variable Liefermodalitäten. So listeten allmählich auch jene Handelsketten die Marke Kunella, bei denen  internationale Distributoren einkaufen – von Hongkong bis Südamerika. „Wir haben zum Beispiel einen Distributor in Brasilien. Wir beliefern ihn, und er verteilt die Ware an Händler vor Ort weiter“, erklärt Lothar Parnitzke. Wo seine Öle, Mayonnaisen und andere Spezialitäten dann auftauchen, überrascht ihn selbst. „Erst kürzlich sagte meine Ärztin, dass sie Kunella-Produkte in Baku gesehen hat, dabei habe ich bisher nie direkt nach Aserbaidschan geliefert.“

Wichtig sei, dass die Kunden auch außerhalb Deutschlands Kunella-Produkte kennen und haben wollen. Deshalb vertreiben inzwischen internationale Distributoren die in Cottbus produzierten Feinkostwaren und Speiseöle der Marke Kunella bis nach Fernost und Afrika. Oder wie es Lothar Parnitzke formuliert: „Wir sind zwar nicht weltweit, aber international bekannt.“

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