Ein trüber Winterabend in Cottbus-Skadow. Hinter den Mauern einer umgebauten Scheune brennt Licht: Im Equidrom der Kunstreitertruppe Ompah wird fleißig trainiert. Kinder und Jugendliche bereiten hier ihre Auftritte für die nächste Saison vor.

Bevor sie aber aufs Pferd dürfen, gilt es, Muskeln und Gelenke ordentlich aufzuwärmen – für Mensch und Pferd. Sophie Füller und Paula Lang, zwei begeisterte 15-Jährige, gehen mit den beiden Appaloosa-Pferden Moose-Foot-Son und Cheyenne Schritt und Trab in der Manege, in einem Nebengelass turnen sich mehrere Kinder der heutigen Trainingsgruppe warm.

Kunststücke auf dem Pferderücken

Ihre Trainerin Grit Füller ruft sie ins Equidrom, sichert zunächst den kleinen Moritz mit einer Hochlonge. Dann erst darf er aufs Pferd springen und dort verschiedene akrobatische Figuren einüben. Nach ihm ist Niklas an der Reihe. Der Student saß schon im Alter von zweieinhalb auf dem Pferderücken und beherrscht seine Kunststücke aus dem effeff.

Cottbuser gründet die Ompahs

„Das war eine Russenrolle“, erklärt Bernd Otto. Er ist der Großvater von Niklas, der Vater von Grit Füller und ohne ihn hätte es die Ompahs überhaupt nie gegeben. Vor 43 Jahren hat der Cottbuser die Kunstreitergruppe ins Leben gerufen, aus Leidenschaft für alles, was mit der indianischen Kultur zu tun hat.

Die Kunstreiterei an sich hat allerdings wenig mit den amerikanischen Ureinwohnern zu tun. Das Pferdetheater, so erklärt der Ompah-Gründer, ist eine spezielle Form der Unterhaltungskunst mit Pferden, die ihre Ursprünge Ende des 19. Jahrhunderts hat, als Zirkusprogramme überwiegend mit Pferdedarbietungen gestaltet wurden.

Bernd Otto konnte das Areal in Skadow schon zu DDR-Zeiten kaufen, nach der Wende hat er die Manege und den Bühnenraum ausgestaltet. 90 Zuschauer haben im Equidrom Platz, die Vorstellungen sind meistens ausverkauft. „Die Zuschauer schätzen unsere Akrobatik, die Tricks der Pferde und das temporeiche Programm“, sagt Otto.

Cottbuser treten in ganz Deutschland auf

Die Kunstreitertruppe aus Skadow führt seit 2001 seine Pferdeprogramme auf. Zunächst befassten sie sich mit Geschichten rund um die Indianer, seit 2009 gibt es in jedem Herbst ein mystisches Halloweenprogramm. Das Frühjahrsprogramm der letzten Jahre bewegte sich im Mittelalter. Bei Showauftritten auf Volksfesten, Pferdesportveranstaltungen und Märkten in Deutschland, Frankreich, Polen, der Schweiz und sogar in Kanada konnte das Team sein Können immer wieder unter Beweis stellen.

Kinder können mit sechs Jahren bei den Ompahs eine Ausbildung zum Kunstreiter beginnen. Im Vordergrund stehen dabei die Pflege, der Umgang mit den Pferden, die akrobatische Ausbildung am Pferd sowie das Reiten. Außerdem lernen sie den Umgang mit indianischen und mittelalterlichen Waffen wie Bogen, Speer, Beil und Messer, Schwert.

Disziplin, Teamfähigkeit und Durchhaltevermögen

Artistische Elemente wie Akrobatik oder Tricklasso ergänzen die Ausbildung. Letztlich sollen die Kinder in der Lage sein, die Reiterkunststücke auf dem frei galoppierenden Pferd auszuführen.

Dabei lernen die Kinder allerdings viel mehr als nur Körperbeherrschung. „In unserem Verein geht es um Teamfähigkeit, um Disziplin, Durchhaltevermögen und gutes Zeitmanagement“, sagt Bernd Otto. Dass das Konzept Erfolg hat, sieht er an den jüngsten Ompah-Mitgliedern: Einige von ihnen haben Eltern, die vor 20 Jahren ebenfalls auf dem Pferderücken ihre Kunststücke eingeübt haben.

Bernd Otto, 75 Jahre alt, hat sich inzwischen aus der Vereinsspitze zurückgezogen und vieles seiner Tochter Grit Füller überlassen. „Aber ich helfe noch immer wo ich kann. Und bei der letzten Show habe ich auch noch auf dem Pferd gesessen.“

Die künstlerische Umsetzung der Shows liegt inzwischen in der Hand von Suzanne Kockat, bekannt als Schauspielerin der TheaternativeC. Neben sechs Pferden, Tauben und Ziegen treten gut ein Dutzend Kinder und Jugendliche im Equidrom in Skadow auf und zeigen alle Formen kunstreiterlichen Könnens.

Alle Folgen unserer Serie „Cottbus zum Angeben“ finden Sie hier:

Der lange Weg zum Welterfolg

Cottbuser Teppiche auf der Titanic?

Die Rettung des Theaters

TV-Premiere für Helene Fischer

Was Pückler mit New York zu tun hat

Häftlinge kaufen ihren Knast

Experimente im Weltraum

Ruhm für Olympiahelden

Stadtmarketing sucht Hinweise


Das Stadtmarketing Cottbus sucht 100 Wow-Faktoren zu Cottbus und will daraus ein Heft „Cottbus zum Angeben“ machen. Die RUNDSCHAU stellt einige in dieser kleinen Serie vor. Wenn Sie, liebe Leser, erstaunliche Fakten über ihre Heimatstadt kennen, geben Sie Ihren Tipp bitte im Internet unter

www.cottbus-bist-du.de weiter.