Das Orange strahlt. Außen waren die Gestalter noch vorsichtig mit der leuchtenden Farbe, im Innern sind die Wände nicht weiß. Weiß wäre ja auch langweilig. Nein, sie sind orange. Auch im Zimmer des Theaterchefs. Das Orange, sagt der Theaterchef, sei ein Kampf gewesen. Mitten in der historischen Kulisse der Bahnhofstraße Farbexperimente? Der damalige Bürgermeister Frank Szymanski sei nicht begeistert gewesen. Drogla hat sich durchgesetzt.

Das Piccolo Theater am Erich-Kästner-Platz sticht ins Auge. Drogla zeigt ein altes Bild, als das Theater dort noch nicht stand. Eine schäbige Fernwärmestation verschandelte das Straßenbild, das ohnehin noch nicht so attraktiv war wie heutzutage.

Eigentlich waren Szymanski und Drogla gerade durchs Stadthaus gewandert. Die Idee war, das Piccolo Theater dort unterzubringen. Das Stadthaus stand leer. Drogla entschied sich aber dagegen, schlug vor, aus dem Gebäude das zu machen, was es heute ist. Und entschied sich für die Fernwärmestation. Die sollte ohnehin zurückgebaut werden.

„Wir bauen etwas drumherum“, schlug Drogla vor. Entstanden ist ein Funktionsbau, der eben genau die Funktionen bietet, die das Piccolo braucht. Ja, Drogla ist zufrieden. Nicht nur mit dem Gebäude.

Theaterpreis für das Piccolo

In diesem Jahr wurde das Piccolo Theater mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet. Viel mehr geht nicht. Ohnehin war das Piccolo in aller Munde, vor allem, nachdem der AfD-Vorsitzende im brandenburgischen Landtag, Andreas Kalbitz, die Förderung des Theaters infrage gestellt hatte. Grund: Die Inszenierung KRG von Piccolo-Vizechef Matthias Heine. Das stellt die Welt einfach einmal auf den Kopf und stellt die Frage, was denn wäre, wenn hierzulande Krieg herrschte und der einzige Ausweg ein ägyptisches Flüchtlingslager wäre.

Auch den Theater-Demokratiepreis „Nah Dran“, der im Rahmen des Deutschen Amateurtheaterpreises 2018 erstmals verliehen wurde, gab’s für „KRG“. Das Piccolo gewann 2010 und 2016 den Deutschen Amateurtheaterpreis in der Sparte Kinder- und Jugendtheater, einmal für „Die Gitter schweigen“, einmal für „Touch Down“. Und das sind nur wenige Auszeichnungen derer, die das Piccolo seit seiner Gründung 1991 einheimsen konnte.

Piccolo kämpft für die Kunstfreiheit

Das Piccolo Theater wurde vor allem nach der AfD-Anfrage und mit der Inszenierung von „KRG“ zum Beispiel für den Kampf um Kunstfreiheit – ganz ungewollt, dafür umso souveräner. Gewollt dagegen ist die Beispielhaftigkeit bei der Kinder- und Jugendarbeit. Nein, sagt Drogla, es geht nicht darum, eine schöne Geschichte auf die Bühne zu bringen. Es geht auch darum, Geschichten zu verstehen. Ähnlich wie beim Kampf ums Orange habe er im eigenen Ensemble um seine Interpretation von „Hänsel und Gretel“ kämpfen müssen. „Wer ist die Hexe?“, fragt er, nur um gleich selbst zu antworten: „Die Mutter natürlich.“ Niemals würde er das Kindern vorher oder in einer Nachbesprechung erklären. „Nein, die Kinder verstehen das“, ist Drogla überzeugt.

Aus dem einstigen Kindertheater-Angebot ist ein breites geworden. Auch wenn Kinder die größte Gruppe derer sind, die ihren Weg – zuweilen mit ihren Eltern – ins Theater am Kästner-Platz finden, das Sommertheater unter freiem Himmel zieht eher die Erwachsenen zum Piccolo, gerade etabliert das Piccolo eine neue Jazz-Reihe. Zum Auftakt platzte das Haus aus so ziemlich allen Nähten, die es hat. Damit, sagt Drogla, wolle das Piccolo eine Lücke in Cottbus schließen. Das Obenkino lockt die Freunde des Free Jazz, das Piccolo die Freunde des breitenwirksameren Jazz. Das Konzept des ersten Abends sei aufgegangen. Fortsetzung im Februar.

Piccolo will anders sein als Schule

Trotzdem: Hauptaugenmerk des Piccolo liegt auf den Kindern der Stadt. „Wir wissen genau, was bei den Kindern zu Hause los ist“, sagt Drogla. „Weil sie es uns erzählen.“ Ein theaterpädagogisches Angebot sei etwas anderes als das, was die Schule biete. „Das Wertgefüge ist hier anders als in der Schule“, sagt der Theaterchef. Nicht zuletzt das ziehe die Kinder und Jugendlichen ins Haus. Beim Theater wisse man, dass Kinder, die die Angebote nutzten, auch besser in der Schule würden. Drogla hat dafür eine einleuchtende Erklärung: „Sie lernen, vernetzt zu denken.“ Tanz sei im Grunde Zählen, in Takten, in Versen denken. Zusammenhänge begreifen. Nicht zuletzt die Literatur wertschätzen zu lernen. Eltern, die ihre Kinder aus dem Theaterprogramm des Piccolo nehmen wollen, weil ihre Noten schlechter werden, rate er dringend davon ab. Die Erfahrung zeige, dass ein solcher ein denkbar ungünstiger Schritt sei.

Alle bereits erschienen Beiträge zur Serie „Cottbus zum Angeben“ finden Sie hier.