Die Dampflok Graf Arnim wurde dereinst am 6. Dezember 1895 von der Muskauer Waldeisenbahn in Dienst genommen. Graf Traugott Herrmann von Arnim-Muskau quittiert den Empfang der Zugmaschine. Seine kantige Unterschrift ziert die Original-Kesselzeichnung des Herstellers Krauss & Comp. in München. Nach Cottbus kommt die Dampfmaschine im Jahr 1969, weil sie nicht mehr für den Arbeitsdienst taugt und ihre Strecke eingestellt wird. Die Pioniereisenbahn in der Bezirksstadt rettet die Lok somit vor dem Verschrotten. Damit schnauft die alte Arbeitslok ab 1970 fortan zum Vergnügen über die Gleise. Jahrzehnte später wird die Lok für die Parkeisenbahn allerdings zum Sorgenfall.
Graf Arnim liegt derzeit in sämtliche Einzelteile zerlegt in einer Werkhalle der 1. Koliner Lokomotivgesellschaft in Zamberk. Das tschechische Unternehmen ist auf die Reparatur und den Bau von Dampflokomotiven spezialisiert. Graf Arnim sei dort in besten Händen, versichert Denis Kettlitz. Davon haben sich die Parkbahner bei einem Besuch in Böhmen mit eigenen Augen überzeugt, erzählt der Chef des Fördervereins. Wenn alles nach Plan läuft, kehrt die Lok Ende 2020 nach Cottbus zurück und geht zur Saison 2021 wieder in den Dienst. Dann wird sie allerdings ganz anders aussehen, als gewohnt.

Lok wird museumsgerecht restauriert

Christian Menzel kennt jedes Detail von Graf Arnim – egal ob geschichtlich oder technisch. Der studierte Eisenbahnfachmann hat vor der Sanierung der alten Maschine sämtliche Baupläne studiert und sogar gemeinsam mit Denkmalschützern in Archiven geforscht. „Wir haben das Betriebsbuch der Lok ab dem Jahr 1951“, erzählt er. Das erste Buch sei in den Kriegswirren verschollen. Christian Menzel geht davon aus, dass es in einem kalten Nachkriegs-Winter verfeuert wurde. Doch auch das zweite Betriebsbuch ist Gold wert. „Daher kennen wir alle Reparaturen und Umbauten, die vorgenommen wurden.“
Das ist hilfreich. Denn die Lokomotive wird nicht einfach technisch neu aufgebaut, sondern museumsgerecht restauriert. „Ihr Denkmalwert soll erhalten werden“, betont Menzel. Zahlreiche Umbauten an der Maschine seien aufgrund des Materialmangels zu DDR-Zeiten und der daraus resultierenden Improvisation oftmals zum Nachteil der Betriebsfähigkeit gewesen. Die Denkmalpfleger und Eisenbahnexperten haben sich deshalb darauf geeinigt, dass Graf Arnim wieder in seinen Zustand der 60er-Jahre zurückversetzt wird. Das bedeutet auch, dass er sein Grün verliert. Die altehrwürdige Dampfmaschine bekommt ihren originalen rot-schwarzen Anstrich zurück.

Großzügige Förderung macht es möglich

Möglich ist der komplette Neuaufbau der historischen Dampflok nur aufgrund einer großzügigen Förderung. Darauf haben die Parkbahn und der Förderverein elf Jahre lang hingearbeitet und fleißig Spenden von Eisenbahnfreunden gesammelt. Denn Graf Arnim wurde im Jahr 2008 aus dem Verkehr gezogen – wegen des großen Verschleißes an sicherheitsrelevanten Bauteilen.
Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf stattliche 310 000 Euro. „Ohne den Grundstock von 80 000 Euro aus Spenden wäre die Förderung nicht zustande gekommen“, ist sich Denis Kettlitz sicher. Für die Sanierung von Graf Arnim geben die Stadt 50 000 Euro und das Land Brandenburg 60 00 Euro dazu. Den Löwenteil übernimmt der Bund mit 120 000 Euro. Dieses finanzielle Bekenntnis hat einen guten Grund. Vereinschef Kettlitz zitiert aus dem Förderbescheid. Demnach ist Graf Arnim „ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung“.
Christian Menzel weiß, dass dereinst zwei baugleiche Dampfloks wie Graf Arnim die Krauss’schen Werke in München verließen. „Die wurden allerdings in den 1930er-Jahren verschrottet.“ Nur eines kann der Eisenbahnfachmann nicht mit Sicherheit sagen. Wann die Lok mit der Betriebsnummer 99 3301 ihren Ruf-Namen Graf Arnim erhielt.