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| 18:11 Uhr

Geschützte Art statt Investoren
Wölfe auf dem TIP-Gelände

 Die Wolfsfamilie auf dem TIP-Gelände ging offenbar schon im August 2018 in die Fotofalle im Wald zwischen Gulben und Zahsow.
Die Wolfsfamilie auf dem TIP-Gelände ging offenbar schon im August 2018 in die Fotofalle im Wald zwischen Gulben und Zahsow. FOTO: Fotofalle
Cottbus. Mitten in Cottbus leben Wölfe! Ein Muttertier mit drei Jungen ist durch Videoaufnahmen des Umweltministeriums nachgewiesen worden. Das sorgt für Verzögerungen im Verfahren für einen Bebauungsplan. Von Silke Halpick

Wie es um den Technologie- und Industriepark (TIP) im Cottbuser Norden bestellt ist, fragte erst vor wenigen Tagen ein Leser am RUNDSCHAU-Reporter-Telefon. Auch die Stadt wird regelmäßig mit Anfragen konfrontiert, wie Umweltdezernent Thomas Bergner (CDU) in der Pressekonferenz am Dienstag im Stadthaus erzählt. Doch mit der jüngsten Neuansiedlung hat wohl keiner gerechnet: Eine Wolfsfamilie lebt im Wald des Gewerbegebietes.

Wie Aufnahmen von Videofallen des Umweltministeriums zeigen, ist ein Muttertier mit drei Jungen entdeckt worden. Bergner legt eine Reihe von Bildern vor, auf denen einzelne Wölfe zu sehen sind. Vermutlich handelt es sich um dieselben Tiere, die im August 2018 zwischen Gulben und Zahsow gesichtet wurden.

Experten: Junge Cottbuser Wölfe wurden 2018 geboren

Erste Hinweise kamen von Kleingärtnern. Nach Angaben der Experten wurden die Jungtiere im Vorjahr geboren. Wie sich die Population weiterentwickelt, ist noch unklar.

Fest steht, dass der Wolfsnachweis Auswirkungen auf die weitere Entwicklung des Gewerbegebietes haben wird. Ursprünglich sollten die Cottbuser Stadtverordneten im April den neuen B-Plan für das TIP-Gelände beschließen. Das Verfahren verzögert sich jetzt. Priorität hat der aufsichtsrechtliche Fachbericht, der sich dem Wolf widmet, wie Bergner betont. Über einen Zeitraum von einem Jahr soll die Wolfspopulation beobachtet werden. Im Mai 2019 wird mit dem Beginn gerechnet.

Cottbus: Wie passen Baurecht und Wolfsschutz zusammen?

Geklärt werden soll, inwieweit das Baurecht für Neuansiedlungen den streng geschützten Wolf verdrängt und welche Möglichkeiten einer Umsiedlung in Rückzugsbereiche infrage kommen. Bergner selbst ist optimistisch. Hangar und Startbahn des ehemaligen Militärflugplatzes seien nicht betroffen. Die Tiere beschränken sich auf den bewaldeten Randbereich.

Das TIP-Gelände mit einer Gesamtfläche von 331 Hektar ist eine der größten Gewerbeflächen Brandenburgs. In die Erschließung wurden bereits Millionen Euro investiert. Doch der erhoffte Bewerberansturm blieb aus. Stadtsprecher Jan Gloßmann betont, dass es aktuelle Gespräche mit Interessenten gebe. Näher will er sich jedoch nicht äußern.

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Alles was Sie über Wölfe wisse FOTO:

Cottbus: Was auf dem TIP-Gelände bisher passiert ist

Bislang steht eine große Halle des Kabelkonfektionierers PX Kabel GmbH auf dem TIP-Areal. Die angekündigte Expansion blieb bisher aus. 2015/16 hatte die Barth Logistik Gruppe auf einem 30.000 Quadratmeter großen Grundstück ein Logistikzentrum errichtet. Das 2011 fertiggestellte Technologie- und Forschungszentrums Cottbus beherbergt vor allem BTU-Unternehmensneugründungen.

Im Gegensatz zu den Investoren breiten sich die Wölfe rund um Cottbus offenbar aus. Mindestens vier Wolfsrudel gibt es, ganz genaue Zahlen können selbst die Wolfsbeauftragten nicht liefern.

Im Norden lebt das Lieberoser Rudel, das teils bis an die Stadtgrenze von Cottbus kommt. Im Osten ist das Teichland-Rudel beheimatet, dessen Territorium bis nach Klinge reicht. Im Westen lebt das Großräschener Rudel und im Süden das Hornower Rudel. Auf der Internetseite des Landesumweltamtes werden als aktuelle Wolfsvorkommen zudem Bärenklau und Welzow  aufgeführt.

Brandenburg: Schäfer, Jäger und Dorfbewohner protestieren gegen Wölfe

Doch der Wolf sorgt für Debatten, wo er auch auftaucht. Erst im November 2018 hatten mehr als 200 Landwirte, Schäfer, Jäger und Dorfbewohner vor dem Landtag in Potsdam gegen die Ausbreitung protestiert. Aufgerufen zu der Demonstration hatte der Bauernbund, der fordert, große Teile des Landes zu wolfsfreien Zonen zu erklären. „Überall, wo Menschen und Weidetiere sind, müssen Wölfe konsequent gejagt werden“, sagte Bauernbund-Präsident Marco Hintze während der Kundgebung.

 Die Wolfsfamilie auf dem TIP-Gelände ging offenbar schon im August 2018 in die Fotofalle im Wald zwischen Gulben und Zahsow.
Die Wolfsfamilie auf dem TIP-Gelände ging offenbar schon im August 2018 in die Fotofalle im Wald zwischen Gulben und Zahsow. FOTO: Fotofalle