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| 02:32 Uhr

Cottbus wittert eine Riesenchance

Brandenburger Platz, Spremberger Turm, Carl-Blechen-Carré
Brandenburger Platz, Spremberger Turm, Carl-Blechen-Carré FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Die Zeit drängt: Bis 2019, rechtzeitig zum Bauhaus-Jubiläumsjahr, soll das kulturtouristische Paket "Unbekannte Moderne" geschnürt sein. Auch in Cottbus stehen Projektpartner in den Startlöchern. Denn wenn das Konzept aufgeht, könnte die Stadt Trümpfe ausspielen, die sie bisher eher in der Hinterhand gehalten hat. Nicole Nocon

Auf dem Papier und in den Köpfen der Beteiligten ist das Projekt "Unbekannte Moderne" schon weit fortgeschritten. Ulrike Kremeier, die Direktorin des Kunstmuseums Dieselkraftwerk (dkw), steht ungeduldig in den Startlöchern. Sie hat nicht nur genaue Vorstellungen von Veranstaltungen und Ausstellungen, mit denen sich das dkw in das Projekt "Unbekannte Moderne" einbringen will, sie denkt bereits darüber hinaus: "Das Projekt zum Jubiläumsjahr könnte der Pauken schlagende Auftakt zu einer Modernedebatte sein, die wir auch nach 2019 mit Ausstellungen vorantreiben könnten."

Zum Bestand des Cottbuser Kunstmuseums gehören laut Kremeier zahlreiche Werke, die sich unter dem Aspekt der Moderne betrachten lassen. "Auf der öffentlichen Verhandlungsebene war die Frage der Moderne bislang unterrepräsentiert", bedauert die Museumsleiterin. Dabei haben Cottbus und die Region eine ganze Menge in Sachen "Moderne" zu bieten. "In Cottbus gibt es nicht nur interessante Bauwerke der Moderne, sondern auch das Know-how. Das sind Gebäude wie die Bauhausschule, das Kaufhaus Schocken oder das Dieselkraftwerk. Aber da sind auch das Institut für Neue Industriekultur, die BTU oder das dkw", erläutert Ulrike Kremeier, die in dieser Kombination ein großes Potenzial sieht, das es zu nutzen gilt. "Deshalb müssen wir uns das Projekt unbedingt auf den Tisch ziehen. Das dkw will dabei sein und zwar dringend", unterstreicht sie.

Touristisches Potenzial

Auch im Cottbuser Rathaus ist die "Unbekannte Moderne" inzwischen "Chefinnensache", denn Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe hat sich das Projekt auf den Schreibtisch gezogen. "Wir haben große Lust, uns einzubringen. Wir sehen das große touristische Potenzial", sagt Gabi Grube vom Stadtmarketingverband. Sie hofft darauf, mit der "Unbekannten Moderne" kulturinteressierte Gäste anzusprechen, die zwar zuhauf in Brandenburg unterwegs seien, denen Cottbus neben Branitz und dem Staatstheater aber noch weitere Themen bieten müsse. "Die Leute haben Lust auf Neues. Die Moderne in Cottbus bietet sich da an. Wir wollen auf die Geheimtipp-Karte setzen. Dessau als Bauhausstadt kennt man. In Cottbus sind noch Entdeckungen möglich", ist Gabi Grube überzeugt. Besonders spannend werde die "Unbekannte Moderne" durch die Vernetzung deutscher und polnischer Projektpartner. "Das eröffnet Interessierten in Deutschland und Polen den Weg, auch die architekturgeschichtlichen Sehenswürdigkeiten des jeweiligen Nachbarlandes zu entdecken", sagt Gabi Grube.

Noch fehlt das Geld

Auch wenn die Projektbeteiligten schon hoch motiviert in den Startlöchern stehen, fehlt für die praktische Umsetzung der "Unbekannten Moderne" immer noch das Geld. Schon seit Wochen wartet Norman Müller, der Geschäftsführer der Energieregion Lausitz, die das Projekt koordiniert, darauf, den Antrag auf Förderung über das Interreg-Programm einreichen zu können. "Wir rechnen damit, dass das im April möglich sein wird", sagt Müller, der optimistisch ist, dass der Antrag der Energieregion von den Fördermittelgebern positiv beschieden werden wird. Auf eine Summe von 500 000 bis 600 000 Euro hofft die Energieregion und auch darauf, dass diese Mittel möglichst bald zur Verfügung stehen. "Wir sind schon spät dran", sagt Müller. "Denn wir wollen unser kulturtouristisches Paket schon bis 2018 geschnürt haben, damit uns vor dem eigentlichen Jubiläumsjahr noch eine Testphase bleibt und sich die ,Unbekannte Moderne' bis 2019 schon herumgesprochen hat und sich dadurch die Resonanz noch erhöht."

www.energieregion-lausitz

Zum Thema:
Im Rahmen des Projekts "Unbekannte Moderne" sollen bis 2019 Zeugnisse der Baugeschichte in der Euroregion touristisch erschlossen werden. Das Netz spannt sich über 30 Standorte dies- und jenseits der Neiße. Darunter sind das ehemalige Kaufhaus Schocken in Cottbus, der Bismarck-Turm in Burg, die Siedlung Jerusalem in Forst oder der Standort der Villa Wolf des Bauhaus-Architekten Ludwig Mies van der Rohe in Gubin.