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Stadtwerke geben Braunkohle auf
Cottbus will für 75 Millionen Euro neues Gasheizkraftwerk bauen

Heizkraftwerk
Heizkraftwerk FOTO: zozzzzo / stock.adobe.com
Cottbus. Der Energieversorger will 75 Millionen Euro in ein neues Gasheizkraftwerk investieren. Die turbulente Unternehmensgeschichte macht die Suche nach Geldgebern schwer.

Die Cottbuser Stadtwerke haben einen steinigen Weg hinter sich. Den fetten Jahren folgte die Pleite. Die war teils hausgemacht, teils von der Stadtpolitik aufgezwungen. 2006 verkaufte die Stadt ihre Mehrheitsanteile, um sie im Jahr 2014 wieder zurückzuholen. Seither tragen die Stadtwerke ihren Namen wieder zu Recht. Das Unternehmen befindet sich auf hartem Sanierungskurs. Jetzt kündigt Geschäftsführer Vlatko Knezevic an, dass das Unternehmen aus der Braunkohle aussteigen will. Oder besser: muss.

Ausgerechnet das Braunkohleheizkraftwerk – das mit seinen hohen Startkosten und den anfänglichen Problemen im Betrieb wesentlich zum damaligen Niedergang der Stadtwerke beigetragen hatte – soll spätestens 2022 abgeschaltet werden. Damit würde die Anlage gerade mal 22 Jahre laufen. „Die Zeiten sind vorbei, wo Kraftwerke auf 40 Jahre gebaut wurden“, sagt der Stadtwerkechef nüchtern. Das sei nicht seine Entscheidung, sondern die der Politik.

Er sagt nur ein Stichwort: „Energiewende.“ Dem schiebt er hinterher: „Die Länder befinden sich gerade in einem Wettbewerb, wer als Rrster aus der Braunkohle aussteigt.“ Berlin hat jüngst den Kohleausstieg bis 2030 beschlossen.  Deshalb müsse sein Unternehmen jetzt reagieren, um überhaupt noch von der Bundesförderung von 3,4 Cent je Kilowattstunde zu profitieren, die die Investition in ein neues Kraftwerk für die Stadtwerke erst wirtschaftlich machen. 

Vlatko Knezevic ist ehrlich: „Mit der Geschichte der Stadtwerke im Rücken, ist die größte Schwierigkeit, jemanden zu finden, der einem vertraut.“ Kein Kreditinstitut wolle das Risiko allein tragen, aber ein Konsortium aus drei bis fünf Banken wäre bereit, es zu teilen, berichtet der Chef. Schließlich handelt es sich um einen gehören Brocken Geld, der investiert werden soll.

75 Millionen Euro soll das neue Gasheizkraftwerk kosten. Dabei habe Cottbus einen großen Vorteil: das alte Heizkraftwerk im Cottbuser Osten. „Dort liegen alle Anschlüsse an, die wesentlichen Genehmigungen für den Standort liegen vor“, erklärt Knezevic und bemüht ein Bild: „Das ist, als ob wir einen Austauschmotor einbauen. Wir kappen den Kohleteil und schließen einen neuen effizienteren Motor an.“ Gasdruckregelanlage, Trafos, Kessel- und Maschinenhaus sowie die Kühltürme bleiben erhalten und laufen weiter. In der Millionen-Investition inbegriffen sind auch ein neuer Wärmespeicher sowie die Modernisierung des Erdgasblocks, der für den Notfall bereitsteht.

Die Stadtwerke stehen mit diesem Projekt unter einem erheblichen Zeitdruck. „Die Planung muss im ersten Quartal 2018 beginnen“, betont Knezevic. Dem folgen die Genehmigungsverfahren, dann die Ausschreibung, sodass ein Jahr später mit dem Bau begonnen werden kann. „2022 muss das neue Kraftwerk im Dauerbetrieb laufen“, betont der Stadtwerkechef. Danach läuft die Bundesförderung aus dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz aus. Das neue gasbetriebene Kraftwerk bringt Cottbus in der Umweltbilanz deutliche Pluspunkte, wird damit doch der Kohlendioxid-Ausstoß halbiert, wie der Geschäftsführer versichert.

Die Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern Leag soll in dem Zuge aber nicht gekappt werden, betont Knezevic. Das Bergbauunternehmen liefert nicht nur die Braunkohle „zu einem sehr fairen Preis“ für das derzeitige Heizkraftwerk in Cottbus. Das Kraftwerk Jänschwalde liefert außerdem für den Cottbuser Norden die Fernwärme. „Die Leag ist ein sehr guter Geschäftspartner für uns. Das wünschen wir uns auch für die Zukunft“, sagt der Stadtwerkechef.

(Peggy Kompalla)