| 15:17 Uhr

Cottbus
Gefährliche Zeit für Obdachlose

Obdachloser
Obdachloser FOTO: alexkich / Fotolia / alexkich - stock.adobe.com
Cottbus. Die Stadt ruft auch Bürger zur Mithilfe auf, um Kältetote zu vermeiden. Von Daniel Schauff

Cottbus hat kein Obdachlosenproblem – die Zahlen der Betroffenen sind entweder konstant oder sinkend, keinesfalls steigend, konstatiert Stadtsprecher Jan Gloßmann. „Dies liegt zu großen Teilen auch an der präventiven Arbeit der Fachstelle“, sagt Gloßmann.

Ein Blick in die Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Wohnungslosenhilfe zeigt: Cottbus liegt mit einer konstanten Anzahl Obdachloser in den vergangenen Jahren fernab vom Deutschland­trend. Laut BAG lebten 2016 etwa 52 000  Menschen ohne jede Unterkunft auf der Straße. Zwei Jahre zuvor waren es mit 39 000 fast ein Drittel weniger.

Insbesondere in der bevorstehenden Kältezeit wird Obdachlosigkeit zum Lebensrisiko – in Frostnächten im Freien zu schlafen, ist gefährlich. „Wir wollen Kältetote um jeden Preis vermeiden“, sagt Stadtsprecher Gloßmann – jedem, der kein Dach über dem Kopf habe, stehe die Obdachlosenunterkunft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf dem Ostrower Damm offen.

Zehn Schlafplätze gibt es darin, acht davon für Männer, zwei für Frauen. Im Oktober dieses Jahres, berichtet Gloßmann, hätten neun Personen die Unterkunft in Anspruch genommen, im gleichen Monat 2016 waren es demnach zehn. Kaum einer, der in der Einrichtung am Ostrower Damm Unterschlupf sucht, bleibe durchgängig, erklärt der Stadtsprecher. So seien gerade einmal vier Personen in der Nacht zum Dienstag dieser Woche dort eingekehrt. Wird’s kalt, sei punktuell ein Anstieg zu verzeichnen.

Höher liegen die Zahlen beim Haus der Wohnhilfe, dort leben laut Gloßmann derzeit 40 Menschen. Im vergangenen Jahr lag die Zahl mit 39 nur knapp darunter. Im Haus der Wohnhilfe, einer städtischen Einrichtung, betrieben von der Diakonie Lausitz, kommen meist Menschen unter, die aufgrund von Mietschulden oder anderen Problemen keinen eigenen Wohnraum mehr haben.

Das Diakonische Werk Niederlausitz betreibt zudem das „Straßenkaffee“, in dem unter der Woche den ganzen Tag über, am Wochenende bis um frühen Nachmittag Mahlzeiten, eine Wärmestube, Dusch- und Waschmöglichkeiten angeboten werden.

Bei aller Arbeit, die der Fachbereich Soziales zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit bereits leistet, auch Bürger will die Stadtverwaltung zum Helfen animieren. Die bittet die Stadt Cottbus daher, offensichtlich Obdach- oder Hilflose, zum Beispiel draußen schlafende Personen, dem Fachbereich oder der Polizei zu melden, damit Kältetote auch weiterhin vermieden werden.