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| 20:30 Uhr

Erster Messerzücker noch in Cottbus
Erneut Gewalt am Blechen-Carré

Wieder war die Polizei am Blechen-Carré im Einsatz. Nun soll die Präsenz der Sicherheitskräfte weiter verstärkt werden.
Wieder war die Polizei am Blechen-Carré im Einsatz. Nun soll die Präsenz der Sicherheitskräfte weiter verstärkt werden. FOTO: Peggy Kompalla / LR
Cottbus . Bei einer Auseinandersetzung deutscher und syrischer Jugendlicher hat es am Mittwoch erneut einen Verletzten gegeben. Die Stadt versucht unterdessen, den Messerstecher vom Wochenende loszuwerden. Wie soll das gehen? Von Peggy Kompalla und Simone Wendler

Nur fünf Tage nach einer Messerattacke von drei syrischen Jugendlichen auf ein Ehepaar am Eingang des Blechen-Carrés ereignete sich an dem Einkaufszentrum erneut ein schwerer Zwischenfall mit syrischen Jugendlichen. Und wieder war ein Messer im Spiel.

Wie die Polizei mitteilte, gerieten am Nachmittag an der Straßenbahnhaltestelle am Einkaufszentrum deutsche und syrische Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren aneinander. Nach Beschimpfungen und Beleidigungen wurde ein 16-jähriger Jugendlicher von einem jungen Syrer an die stehende Straßenbahn gedrückt und ihm mit einem Messer eine Schnittverletzung in der linken Gesichtshälfte beigebracht.

Der Verletzte wurde nach einer medizinischen Ertstversorgung zur weiteren Behandlung ins Carl-Thiem-Klinikum gebracht. Die Polizei ermittelt jetzt wegen schwerer Körperverletzung gegen den Messerangreifer. Nach ihm und seinen Begleitern wird gefahndet.

Die neue Messerattacke geschieht in einer ohnehin aufgeheizten Atmosphäre in der Innenstadt. Wie Gottfried Lindner, Chef des Bürgervereins Stadtmitte bestätigt, bekomme der Verein seit geraumer Zeit den Unmut der Cottbuser über die Situation in der Innenstadt zu spüren. Die Menschen seien besonders nach der Attacke vom vorigen Freitag entsetzt und aufgebracht, der Tonfall gegenüber Flüchtlingen werde rauer.

„Wir vom Bürgerverein sind mitten im Geschehen und beobachten selbst regelmäßig unangenehme Situationen“, erklärt der Vereinschef. Ein Schwerpunkt sei dabei das Einkaufszentrum mit der Straßenbahnhaltestelle. Die Zahl der ausländischer Jugendlichen dort werde immer größer, konstatiert Lindner.

Er ist deshalb froh, dass die Stadt dem an dem Angriff vom vorigen Freitag beteiligten 15-Jährigen und seinem Vater den Aufenthalt in Cottbus und dem Spree-Neiße-Kreis untersagen wird. Der Versuch der Ausländerbehörde, auf den Vater des mehrfach gewalttätig aufgefallenen Jugendlichen war wirkungslos geblieben. „Wir begrüßen es, dass die Stadt jetzt so konsequent handelt“, lobt Lindner die Entscheidung des Rathauses. Nun könne man nur hoffen, dass diese Konsequenz auch als Warnung verstanden wird.

Doch so schnell wird die Stadt den Vater des gewalttätigen Jugendlichen und ihn vermutlich nicht los werden. Der Vater wird in Kürze einen schriftlichen Bescheid bekommen, dass er seinen Wohnsitz außerhalb von Cottbus und Spree-Neiße nehmen soll, erläutert Rathaussprecher Jan Gloßmann das weitere Vorgehen. In dem Bescheid sollen konkrete Fristen für den Wegzug aus Cottbus festgelegt werden.

Gegen diesen Verwaltungsakt könne der Betroffene jedoch, wie im Rechtsstaat üblich, klagen. Auch müsse er sich selbst eine Wohnung an einem anderen Ort suchen. Was passiert, wenn der Vater einfach untätig bleibt, kann Gloßmann noch nicht sagen: „Auch für uns ist das Neuland.“

Bei den anderen beiden an dem Angriff auf das Ehepaar am vorigen Freitag beteiligten syrischen Jugendlichen handelt es sich offenbar wie bei dem 15-Jährigen nicht um allein eingereiste Jugendliche. Die Stadt macht aus Datenschutzgründen jedoch keine Angaben zu ihrer Familiensituation.

Nach Angaben des Rathaussprechers gab es in den vergangenen Monaten durch die Ausländerbehörde Gespräche mit den Eltern verschiedener auffällig gewordener Jugendlicher. Die Art der Gespräche sei jedoch sehr unterschiedlich gewesen, von Ermahnungen, auf die eigenen Kinder einzuwirken bis zu einer offenbar wirkungslosen Gefährderansprache an den Vater des 15-Jährigen, der Cottbus jetzt dauerhaft verlassen soll.

Text aktualisiert am 18.01.18 um 13.30 Uhr. In der vorherigen Variante war die Altersangabe des zum Wegzug aufgeforderten Jugendlichen fälschlich mit 14 angegeben worden. Er ist 15 Jahre alt und war nicht derjenige, der das Ehepaar mit einem Messer bedrohte. (sim)