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| 04:11 Uhr

Cottbus-Werbung auf rollenden Lkws

Wieland Eschenburg
Wieland Eschenburg FOTO: LR
Cottbus.. Wieland Eschenburg hat eine Marketing-Vision. Der Büroleiter des Oberbürgermeisters sieht Hunderte Lastwagen, auf denen das neue Logo des Cottbuser Stadtmarketing- und Tourismusverbandes prangt. "Wenn unsere Mitglieder da mitmachen würden, würde sich der Name Cottbus überall schnell einprägen", so Eschenburg während einer Präsentation vor Unternehmern am Donnerstag in der Industrie- und Handelskammer. Von Jürgen Becker

Ein Jury hat sich laut Eschenburg inzwischen für ein Wort-Bild-Logo aus den eingesandten Wettbewerbsbeiträgen entschieden. Es verbindet "Energie" und "Fürst Pückler" zu einer Einheit. Darauf hatten sich Vertreter der Hoteliers, der Kammern, der Uni, der Medien, des Handels und städtischer Gesellschaften verständigt.

"Energie und Fürst Pückler sind nichts Neues – neu ist aber, dass wir alle uns jetzt auf eine Pyramide geeinigt haben, bei der sich alle anderen Stärken der Stadt vom Klinikum, dem Sport, der Internationalen Bauausstellung IBA bis hin zu Kunst und Kultur diesen beiden Begriffen unterordnen", erklärt Eschenburg. Beide Markenprofile ergänzten sich. So könne die IBA zum Beispiel durch die kunstvoll gestalteten Nachfolgelandschaften als eine Brücke zwischen Energie und Fürst Pückler verstanden werden. Die Uni habe in ihrem Leitbild "Energie" enthalten. Energie berühre die Lebensgeschichte vieler Cottbuser, sei ein bedeutender Wirtschaftszweig und vermittle neben dem Fußball Zukunftsorientierung in Forschung und Lehre.

Fürst Pückler ist dabei laut Eschenburg eine Klammer zwischen Vergangenheit und Zukunft. Er symbolisiere Kultur, Stadtgrün, Lebensqualität, Ästhetik, Gesundheit und Tourismus.

Eschenburg sieht zwar durchaus mögliche Stolpersteine. "Das funktioniert nur, wenn sich alle wichtigen Akteure dieser Stadt an dieses gemeinsame Vermarktungskonzept halten." Ihm sei aber bereits von vielen signalisiert worden, dass sie dem neuen Verband beitreten werden.

"Es geht nicht um Marketing für die Region, sondern allein um das für die Stadt", erklärt Eschenburg. Deshalb sei darauf verzichtet worden, den Spreewald in den Vordergrund zu stellen. "Wer als Spreewald-Tourist in der Stadt ankommt, wäre enttäuscht." Auch bei Investoren ginge bei Spreewald der Alarm an. "Die würden sofort an Naturschutz denken."

Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK), steht hinter der neuen Marketingstrategie. Er habe erleben müssen, wie in der Vergangenheit "immer wieder alles zerpflückt worden ist". Ein einheitliches Erscheinungsbild nach außen sei aber Voraussetzung, um Industrie zu gewinnen. "Und davon würde das Handwerk vor Ort profitieren."

Dr. Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), wünscht sich sehr, "dass wir alle an einem Strang ziehen, weil am Ende davon alle etwas davon haben". Er rät: "Cottbus braucht einen professionellen Image-Film, um internationalen Ansprüchen zu genügen."

Strabag-Bereichsleiter Konrad Jahnke hält das Konzept für richtig. "Die vorherigen Ansätze waren alle Papiertiger", sagt er. "Vielleicht ist der Weg einer Verbandsgründung ja erfolgreicher." Er denke, er werde beitreten.

Andreas Beil, Geschäftsführer des Bundesverbands für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft BWA in Cottbus, glaubt, dass die Stadt im globalen Wettbewerb besser als Hauptstadtregion antreten sollte. Dennoch sei die Verbandsgründung wichtig, um sich vor Ort ordentlich aufzustellen.

Jens Pittasch von der "Initiative Weltsicht" findet indes die kulturellen Cottbuser Besonderheiten zu wenig betont. "Wir haben allein zehn freie Kulturvereine, die im In- und Ausland für die Stadt werben." Die 1000 Euro Verbandsmitgliedsbeitrag könnten die sich aber nicht leisten. Energie aus Braunkohle werde zudem bundesweit und weltweit negativ assoziiert. "In 50 Jahren ist die Kohle verbraucht. Für eine Marke ist das keine Zukunft."

Diplom-Immobilienwirt Ulrich Büttner, der sich nach eigenen Angaben vor zehn Jahren auf die Stelle des Cottbuser City-Managers beworben hatte, aber abgelehnt wurde, hält anderes für vordringlicher. Fast täglich habe er es mit Gewerbetreibenden in ehemaliger 1a-Lage der Stadt zu tun, die ihre Existenz verlören. "Das neue Konzept taugt nicht dazu, diesen Unternehmern zu helfen."