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| 16:12 Uhr

Integration
Wenn Migranten einen Job suchen

 Bei einem Besuch in der Servicestelle Kausa hat sich Brandenburgs Arbeitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) über das Projekt informiert.
Bei einem Besuch in der Servicestelle Kausa hat sich Brandenburgs Arbeitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) über das Projekt informiert. FOTO: privat
Cottbus. Eine Service-Stelle in Cottbus begleitet junge Menschen aus dem Ausland auf ihrem Weg hin zu einer guten Ausbildung, zu Sprachkursen und Schulabschlüssen. Von Andrea Hilscher

Seit anderthalb Jahren unterstützt die Servicestelle Kausa Brandenburg landesweit junge Migrantinnen mit und ohne Fluchterfahrung bei ihrer beruflichen Ausbildung. Die Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration (Kausa) ebnet den Jugendlichen den Weg zu einer passenden Lehrstelle.

Projektleiterin Charlotte Kruhøffer gibt zu: „Die Naivität, mit der wir anfangs an unsere Aufgabe herangegangen sind, ist einer nüchternen Erkenntnis gewichen.“ Hatte die Dänin anfangs noch geglaubt, es gehe einfach darum, für jeden jungen Flüchtling einfach nur das passende Angebot auszuwählen, hat die Praxis längst gezeigt: Die Aufgabe ist deutlich komplizierter.

Nour Alqutaifani, selbst vor drei Jahren aus Syrien gekommen, arbeitet als Beraterin im Kausa-Projekt. Oft sind es die jungen Männer, die von ihr Tipps und Hilfe erwarten. „Aber sie kommen oft mit falschen Vorstellungen“, sagt die Syrerin. Zu verschieden seien die Bildungssysteme in Deutschland und den arabischen Ländern. „Bei uns gibt es keine Ausbildung“, sagt Nour Alqutaifani. „Oft lernen die Jungs einfach das, was ihr Vater macht.“ Außerdem wollen sie in Deutschland schnell Geld verdienen, um ihre Familie zu unterstützen oder die Kosten der Flucht abzubezahlen. Also entscheiden sie sich eher für einen schnellen Helferjob und gegen eine über mehrere Jahre dauernde, nicht immer gut bezahlte Ausbildung.

Noch schwieriger als bei den Männern gestalte sich das Thema Jobsuche bei den jungen Frauen. „In unserer Heimat müssen Frauen nicht arbeiten“, erzählt die Beraterin. „Hier sehen sie bei den deutschen Frauen, welche Möglichkeiten es gibt.“ Allerdings fehle oft der Mut, sich zu informieren. Nour Alqutaifani und ihre Kollegin Andrea Behrends arbeiten daher eng mit den Oberstufenzentren, mit dem Cottbuser Frauenzentrum und mit den Quartiersläufern zusammen, um mit den Frauen und Mädchen ins Gespräch zu kommen.

Oft komme es an Schulen auch zu Enttäuschungen, wissen die Beraterinnen. Da werden den geflüchteten Frauen Kurse oder Praktika angeboten, sie nicken freundlich – und tauchen beim Arbeitgeber oder Kursleiter nicht auf. „Oft erlauben ihnen die Eltern keine weiten Fahrwege.“ 

Nour Alqutaifani kann über diese Probleme reden und beiden Seiten helfen, Lösungen zu entwickeln. Charlotte Kruhøffer: „Wir wollen erreichen, dass die jungen Leute konkrete Vorstellungen von den für sie geeigneten Berufen und den Unternehmen erhalten, die Ausbildungsplätze anbieten. Das geht nur draußen, im Betrieb und mit vielen Gesprächen.“

Deshalb organisieren die Berater für die Migranten Betriebstouren. Sie vermitteln Probearbeitstage, suchen nach aber auch nach aufgeschlossenen Unternehmern. Andrea Behrends: „Langsam merken die Firmenchefs, dass der deutsche Nachwuchs nicht mehr ausreicht, um den Bedarf zu decken. Die Chefs lassen sich also eher darauf ein, auch ausländischen Bewerbern eine Chance zu geben.“

In den vergangenen Jahren habe es oft auch Enttäuschungen auf Seiten der Unternehmer gegeben, weiß Charlotte Kruhhøffer. „Sie waren euphorisch, haben junge Migranten eingestellt, obwohl nicht immer alle Voraussetzungen gepasst haben.“ Misserfolge hätten sich herumgesprochen, jetzt müsse verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden.

So mühsam die Arbeit ist: Die Kausa-Beraterinnen können auch über Erfolge berichten. Da ist die junge Frau aus Syrien, die seit Herbst 2018 im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum eine Ausbildung zum Medizinisch-Technischen-Radiologieassistenten (MTRA) absolviert. Zwei syrische Schwestern nehmen regelmäßig am Mia-Mädchentreff teil. Hier wird gemeinsam gebastelt, genäht und dabei über Erlebnisse, Schulalltag und Zukunftspläne gesprochen – auch über Ausbildung.