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| 02:33 Uhr

Cottbus wehrt sich gegen teure Fischtreppen

Zwischen Karlsruhe und Straßburg gibt es eine der größten Fischtreppen Europas. 290 Meter ist sie lang. Die Anlage ermöglicht verschiedenen Wanderfischarten wie dem Lachs, der Meerforelle und dem Aal den Aufstieg und das Erreichen der Oberläufe der Rheinzuflüsse. In Cottbus sollen jetzt zwei ähnliche Bauwerke, wenn auch eine Nummer kleiner, gebaut werden.
Zwischen Karlsruhe und Straßburg gibt es eine der größten Fischtreppen Europas. 290 Meter ist sie lang. Die Anlage ermöglicht verschiedenen Wanderfischarten wie dem Lachs, der Meerforelle und dem Aal den Aufstieg und das Erreichen der Oberläufe der Rheinzuflüsse. In Cottbus sollen jetzt zwei ähnliche Bauwerke, wenn auch eine Nummer kleiner, gebaut werden. FOTO: Frederick Florin
Cottbus. Damit Hecht, Wels, Zander oder Quappe künftig durch Cottbus flussaufwärts schwimmen können, will das Land in der Stadt zwei Fischtreppen errichten. Die Bauwerke sind nicht nur gewaltig, sondern vor allem teuer. In der Stadt regt sich deshalb Widerstand. Sven Hering

Der Zustand der Gewässer in Europa soll sich deutlich verbessern. Die EU hat deshalb eine Wasserrahmenrichtlinie auf den Weg gebracht. Diese gilt für das Land als Handlungsgrundlage. Doch die Umsetzung ist nicht unumstritten, wie das aktuelle Beispiel in Cottbus zeigt.

Denn in der Stadt sollen sowohl am Kleinen als auch am Großen Spreewehr zwei Fischtreppen für insgesamt rund 5,5 Millionen Euro gebaut werden. "Nur bei gegebener ökologischer Durchgängigkeit sind die Fische in der Lage, ihre artspezifischen Laichplätze, Nahrungsgründe, Unterstände, Sommer- oder Winterlager aufzusuchen und sich an die im Jahresverlauf stark ändernden Umweltbedingungen jeweils anzupassen", heißt es in einem vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (LUGV) in Auftrag gegebenen Konzept.

Doch bei den geplanten Fischtreppen handelt es sich mitnichten um kleine, unscheinbare Bauwerke, die sich problemlos in die Landschaft einfügen. 150 Meter lang, 3,60 Meter breit, 27 Becken, 28 Trennwände - so lauten die Eckdaten der Anlage am Großen Spreewehr. Ähnliche Dimensionen sind am Kleinen Spreewehr vorgesehen.

Das bedeutet: Die "Fischhebewerke", wie sie von einigen Cottbuser Stadtverordneten bezeichnet werden, brauchen viel Platz. "Der Eingriff hat mich schon schockiert", erklärt der CDU-Stadtverordnete Jörg Schnapke. Lothar Nagel (SPD) betont: "Ich sehe bei dem Aufwand die Sinnhaftigkeit nicht." Doch selbst wenn die Fische durch die neuen Treppen künftig problemlos spreeaufwärts durch Cottbus weiterziehen können - "spätestens am Stausee in Spremberg ist Schluss", so der Linke-Abgeordnete Steffen Picl. Martin Kühne (Bündnis 90/Die Grünen) ist ebenfalls skeptisch: "Vom Grundsatz her sollen die Flüsse wieder in einen Zustand wie vor 100 Jahren versetzt werden, doch ich teile das Erstaunen über die Größe und Kosten", sagt er. Hans Pschuskel (CDU) wählt einen Vergleich: "Das ist, als ob ich durch Pücklers Park eine Autobahn baue."

Die Stadt hat laut Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe (SPD) massive Bedenken angemeldet. "Wir müssen mit aller Vehemenz darüber noch einmal mit dem Land reden", kündigt sie an.