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| 15:45 Uhr

Gesunde Ernährung
Wasser statt Milch an Cottbuser Schulen

FOTO: dpa / Roland Weihrauch
Cottbus. Der Brandenburger Landtag diskutiert darüber, die Förderung für gesüßte Milch zu streichen. Diese Debatte hinkt der Realität allerdings hinterher. Von Daniel Rossbach und Silke Halpick

„Das Frühstücksgetränk bringen die Kinder selbst mit, ab Nachmittag gibt es Tee“, sagt Kriemhild Baumert von der Evangelischen Grundschule in Cottbus. Auch an den meisten anderen Grundschulen der Stadt wird auf Milch zum Frühstück verzichtet. Als Gründe werden Platzprobleme  genannt oder es fehlen Freiwillige, die Bestellung, Verteilung und Abkassierung übernehmen.

„Das Schulmilch-Programm ist  auch in der Elternschaft umstritten“, erklärt Martina Theunert, Leiterin der Erich-Kästner-Grundschule. Nicht nur wegen des Zuckergehalts, sondern auch grundsätzlich werde Milch  zunehmend infrage gestellt. Die Schule hat sich bereits vor einigen Jahren entschlossen, nicht mehr beim Milchprogramm mitzumachen.

Aktuell diskutiert der Brandenburger Landtag darüber, dass zuckerhaltige Milch künftig nicht mehr gefördert werden soll. Die Fraktionen SPD, CDU und Linke haben einen entsprechenden Antrag eingebracht. Setzt sich die Mehrheit durch, fällt in Brandenburg die Ausnahmeregelung weg, nach der es bisher möglich ist, aus einem EU-Programm auch Schoko- oder Erdbeermilch zu fördern. Diesen Umstand hatte im vergangenen Jahr die Verbraucherorganisation foodwatch kritisiert. Seitdem hat sich auch schon Hessen aus der Förderung gesüßter Milch zurückgezogen.

Versorgungssicherheit und stabile Märkte als Ziel

Dass es im Rahmen der bisherigen Regelung nicht nur oder in erster Linie um eine gesunde Ernährung für Kinder geht, zeigt ein Informationsblatt des Brandenburger Landwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2017, in dem die aktuelle Regelung eingeführt wird. Darin wird eine EU-Verordnung zitiert, in der das Schulmilch-Programm damit begründet wird, dass mit ihm „der Anteil  [von Milchprodukten] an der Ernährung von Kindern in der Phase, in der ihre Essgewohnheiten geprägt werden, nachhaltig zu erhöhen“ sei und damit „die Ziele der gemeinsamen Agrarpolitik, insbesondere die Stabilisierung der Märkte und die Versorgungssicherheit, heute wie in der Zukunft erreicht werden“ könnten.

Kritik an der Abkehr von gesüßter Milch gibt es von Wirtschafts- und Bauernverbänden. Der Landesbauernverband Brandenburg etwa hält diesen Schritt für „maßlos überzogen“. Gäbe es die süßen Milchgetränke nicht mehr, würden sie in der Ernährung der Schüler durch „Getränke aus dem Supermarkt mit einem wesentlich höheren Zuckeranteil“ ersetzt, argumentieren die Interessenvertreter der Landwirte.

Wasserspender in der Erich-Kästner-Schule

An den Schulen in Cottbus ist allerdings anderes zu beobachten: In der Erich-Kästner-Schule wird demnächst ein neuen Wasserspender eingeweiht, den die Lausitzer Wassergesellschaft (LWG) sponsert. Für Idee und Umsetzung ist die Initiative „Menschenskinder“ verantwortlich. Dahinter stecken Kinder, die etwas organisieren für andere Kinder, so Theunert.

Die Bewegte Grundschule bietet als freier Träger eine rund-um-Versorgung für die Schüler an, die auch alle Getränke einschließt. Neben Tee gibt es Milch, wahlweise auch laktosefrei. Zuckerhaltige Getränke sind auf Wunsch der Eltern tabu.

Selbstversorgung steht in der Grundschule Sielow auf der Tagesordnung. „Wenn man sich die Trinkflaschen anschaut, gibt es große Unterschiede“, räumt Schulleiterin Irena Götze ein. Allerdings würden Mineralwasser oder Schorlen bevorzugt, in den kalten Monaten auch Tee in Isolierflaschen.