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| 16:28 Uhr

Stadtgeschichte
Viel gebaut in der Senftenberger

FOTO: Heute: Dora Liersch - Damals: Sammlung Hans KRause
Cottbus. Es ist immer wieder erstaunlich, wie weit vorausschauend unsere Stadtväter vor mehr als 100 Jahren waren. Bereits am 13. Oktober 1913 erhielten einige geplante Straßen in der Spremberger Vorstadt ihre Namen. Das waren die Finsterwalder, die Torgauer und die Senftenberger Straße. Noch im Cottbuser Adressbuch von 1921/1922 sind diese Straßen nur unter der Rubrik „Unbewohnte und unbebaute Straßen, Wege und Plätze im Stadtgebiet von Cottbus“ zu finden.

Eine Ausnahme macht die Torgauer Straße, die an der Südseite des neuen städtischen Krankenhauses lag, mit der Nummer 61. Dort stand das von der Stadtgemeinde Cottbus errichtete Wirtschaftsgebäude des Krankenhauses. Krankenhausinspektor Otto Reimers war für die Verwaltung des Objektes zuständig, wie für alle Krankenhausgebäude. Es gab 1921 weder in der Finsterwalder Straße, noch in der Senftenberger Straße zunächst eine Bebauung. Natürlich ist anzunehmen, dass der Erste Weltkrieg mit seinen Auswirkungen die gedachte Bautätigkeit verhinderte. Im Herbst 1924 sah es dann schon anders aus.

In der Torgauer Straße gab es als Wirtschaftsgebäude inzwischen zwei Hausnummern, und in der Finsterwalder Straße gab es ebenfalls zwei Grundstücke, die Nummer 60, die Richard Domke gehörte. Er war Inhaber der Firma Fritz Tietz Nachfolger, Fabrik chemischer Produkte, technische Fette und Oele. Ohne Hausnummer befand sich hier ferner eine Zweigstelle der Holzgroßhandlung und des Sägewerks von Bruno Sabath.

In der Senftenberger Straße aber hatte die Bautätigkeit so richtig begonnen. Sechs Wohnhäuser hatte die Stadtgemeinde Cottbus errichten lassen. Sie trugen die Hausnummern 1 bis 6. Zwei Häuser waren Privatbauten, Nr.83 gehörte dem Eisenbahnassistenten Johannes Drescher und Nr. 85 hatte sich der Inhaber der Glasgroßhandlung aus der Sandower Hauptstraße, Erich Rödel, als privates Wohnhaus erbaut. Interessant ist das Straßenverzeichnis des gleichen Adressbuches. Da heißt es: „Bei Drucklegung des Adreßbuchs sind in der Senftenberger Straße zehn Häuser im Bau, bzw. ist die Genehmigung dazu erteilt, die im Laufe des Jahres 1925 von den mitbenannten Eigentümern bezogen werden. Es sind die Grundstücke Nr. 74 (Dr. Krause), Nr. 75 (Bücherrevisor Schlichting), Nr. 76 (Muth), Nr. 77 (Rosenberger), Nr. 78 (Mai), Nr. 79 (Wiesenbaumeister Werthenbach), Nr. 80 (Bauführer Schupp), Nr. 81 (Lademeister Richter), Nr. 82 (Ladeschaffner Richter), Nr. 84 (Scholle).“

Wenig später erfolgte für die Senftenberger Straße zum Teil eine Umnummerierung. Die Häuser der Stadtgemeinde erhielten die Hausnummern 45 bis 50. Sie standen zwischen der Leipziger und der Finsterwalder Straße. Die neue Nummer 1 gehörte dem Schlossermeister Otto Schatz. Danach kamen drei Häuser mit den Nummern 2 bis 4 der Gemeinnützigen Beamtenbaugesellschaft beim Landesfinanzamt (Berlin). Zwischen der Calauer und der Finsterwalder Straße stand zum Jahresanfang 1928 nur das Haus des Fleischermeisters Mattern. Auf der westlichen Seite der Senftenberger Straße waren inzwischen die Grundstücke Nr. 69 von Otto Reimers, Nr. 70 vom Kaufmann Richard Krüger, Mitinhaber der Firma Schüßler & Krüger, Nr. 71 vom Kaufmann Georg Krüger, ebenfalls Mitinhaber dieser Firma, Nr. 72 vom Baugeschäftsinhaber Wilhelm Matschke, der aber in der Eilenburger Straße wohnte, und Nr. 73 von Walter Wirth errichtet. Dieser war mit seiner Firma Mäder & Wirth, dem Spezialgeschäft für Schomsteinbau und Feuerungsanlagen, sehr gefragt. Neu war auch das Haus Senftenberger Straße 86 von den Mitinhabern der Firma Hermann Werner, Großdestillation und Likörfabrik Adolf und Hans Werner.

Im November 1931 waren noch drei Häuser von der Gemeinnützigen Beamtenbaugesellschaft beim Landesfinanzamt neu hinzu gekommen. Das waren die Grundstücke 7 bis 9 und außerdem das Haus Senftenberger Straße 63 von Justiz-Obersekretär Max Franke. Überhaupt gab es in der Folgezeit nur noch vereinzelte Lückenbebauungen. So in der Senftenberger Straße 64 das Haus von Paul Perthen (1933), später dem Vertreter Walter Fink gehörend, Haus Nr. 85 für den Fuhrmeister Gustav Reschke (Sept. 1935) und Haus Nr. 67 vom Reisevertreter Max Schilka (1937). Bis 1940 wurde noch zwischen der Finsterwalder und der Leipziger Straße gebaut: die Grundstücke Nr. 11 mit je einem Mietshaus von der Wohnbau GmbH Berlin und die Nr. 21 von der Wohnbau GmbH Berlin Dahlem. Die Senftenberger Straße 14 ließ der Kaufmann Heinz Kessel erbauen, Haus Nr. 15 der Baumeister Gustav Metzner, Nr. 19 der Stadtbau -Inspektor Alfred Gruhn und Nr. 20 der Stadtverwaltungs-Inspektor Albert Züchner.

Aus Cottbuser Adressbüchern stammen fast alle Angaben zur Senftenberger Straße mit ihren Hauserbauern und Eigentümern. Das Cottbuser Adressbuch von 1940 war das letzte einer langen Traditionsreihe. Zu DDR-Zeiten gab es keine Adressbücher. Auch der Versuch, in den 1990er-Jahren wieder Adressbücher herauszugeben, scheiterte leider. Sie waren nicht so aussagekräftig wie die „alten“. So gibt es keine direkten Vergleichsmöglichkeiten.

Als am 15.Februar 1945 der große Bombenangriff auf Cottbus erfolgte, lag die Senftenberger Straße im Zielgebiet zwischen dem Bahnhof und dem Krankenhausgelände. Wie viele Bomben allein auf diesem Areal niedergegangen sind und furchtbare Zerstörungen angerichtet haben, ist heute kaum noch nachzuvollziehen

Senftenberger Straße
Senftenberger Straße FOTO: Dora Liersch
(dli)