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| 15:14 Uhr

Amtsschimmel galoppiert durch Cottbus
Ausschreibung für vier Quadratmeter Külz-Straße

 Von 2011 bis Anfang 2017 stand der Messcontainer an der Wilhelm-Külz-Straße in Cottbus.
Von 2011 bis Anfang 2017 stand der Messcontainer an der Wilhelm-Külz-Straße in Cottbus. FOTO: M. Behnke
Cottbus. Ein Messcontainer verschwindet. An seiner Stelle entsteht eine Lücke in der Blumenrabatte. Nun wurde sie geschlossen – nach einem langen Verfahren. Von Peggy Kompalla

Was aus Verwaltungssicht als völlig normales Prozedere erscheint, kann von außen betrachtet ein Kuriosum sein. So geschehen mit einer Rabatte in der Wilhelm-Külz-Straße in Cottbus. Dem damaligen Stadtverordneten der Linken, Steffen Picl, war der Vorgang aufgefallen. Das Landesumweltamt veröffentlichte eine Ausschreibung für die Bepflanzung einer Fläche, so groß wie ein Schreibtisch. Letztendlich wurde der Auftrag dann doch direkt vergeben. Immerhin: Das Ergebnis stimmt.

Steffen Picl schüttelt bei der Erinnerung immer noch den Kopf. Schließlich umfasst besagte Fläche sage und schreibe vier Quadratmeter. Im Wirtschaftsausschuss fragte er deshalb in Richtung Verwaltung: „Sagen Sie mal, kann man das nicht auf dem kleinen Weg regeln?“ Nach kurzer Pause fügte er an: „Die Fläche wächst doch sogar von allein zu.“

Die Stadt Cottbus hatte mit dem Vorgang allerdings nur indirekt zu tun. Sie ist die Eigentümerin der Fläche, die von 2011 bis 2017 vom Landesumweltamt genutzt wurde. In der Rabatte stand in der Zeit ein Luftmesscontainer. Das war ein Ersatzstandort beziehungsweise eine Ergänzung zur Messstelle in der Bahnhofstraße, die in den Jahren 2011 und 2012 umgebaut wurde. Wiebke Theuer-Glamann erklärt: „In der Bahnhofstraße war wegen der Bauarbeiten zeitweise kein Messbetrieb möglich, ohne die empfindliche Messtechnik zu beschädigen.“ Die Sprecherin des Landesamtes für Umwelt (LfU) ergänzt: „Für die Messstelle an der Wilhelm-Külz-Straße bestand eine Vereinbarung mit der Stadt Cottbus, auf deren Fläche der Container aufgestellt war.“

Dieser Vereinbarung zufolge sollte die Fläche – wie auch bei Privatleuten üblich – wieder im Ursprungszustand übergeben werden. Als der Messcontainer in der Rabatte aufgestellt wurde, war der Grünstreifen gerade von der Stadt erneuert und mit Rosen bepflanzt worden. „Dies war der für das LfU wiederherzustellende Zustand“, sagt die Sprecherin und schiebt nach: „Der im Übrigen im Februar auch durch den Fachbereich Grün- und Verkehrsflächen der Stadtverwaltung inklusive Anzahl und Sorte der Rosen eingefordert wurde.“

Da Gartenbau nicht zum Metier des Landesamtes gehört, musste der Auftrag dafür an eine Firma vergeben werden. Solche Vergaben sind innerhalb von Verwaltungen streng geregelt. Das soll Korruption verhindern, also eine unrechtmäßige Bevorzugung. Die Sprecherin erklärt: „Eine erste Preisinformation ergab einen Kostenrahmen oberhalb der Schwelle von 1000 Euro.“ Der Auftrag umfasst laut Landesamt die Bepflanzung, Andeckung mit Mulch und Pflege – sprich Wässerung über mehrere Monate.

Aufgrund des ermittelten Kostenrahmens kam laut der Behördensprecherin die Unterschwellenvergabeordnung (UVgO) zur Anwendung. Eine Direktvergabe – auch Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb genannt – war demnach zunächst nicht zulässig. Deshalb die öffentliche Ausschreibung. Das Verfahren endete am 14. April – ohne ein einziges Angebot.

Erst jetzt – nach der erfolglosen Ausschreibung – durfte das Landesumweltamt direkt mit Firmen über die Bepflanzung der Rabatte verhandeln. Denn die Zeit drängte, schließlich können Rosen nicht irgendwann angepflanzt werden.

Schließlich erhielt eine Cottbuser Firma den Auftrag. Die Mitarbeiter pflanzten 15 Bodendeckerrosen der Sorte Red Meidiland. Bis Oktober werden die Pflanzen regelmäßig gewässert.

 Die vier Quadratmeter große Lücke in der Rabatte vom Messcontainer wurde mit 15 Rosen der Sorte Red Meidiland gefüllt.
Die vier Quadratmeter große Lücke in der Rabatte vom Messcontainer wurde mit 15 Rosen der Sorte Red Meidiland gefüllt. FOTO: Peggy Kompalla