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| 08:12 Uhr

Neue Perspektiven für Quereinsteiger in Cottbus
Lokführer – ein Beruf mit großer Zukunft

 Dirk Vogel, Geschäftsführer und Inhaber der Dispo Tf Holding im Cottbuser Büro.
Dirk Vogel, Geschäftsführer und Inhaber der Dispo Tf Holding im Cottbuser Büro. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Ende Juni 2019 fielen in der Lausitz zahlreiche Zugverbindungen aus. Der Grund? Personalmangel. Überall in Deutschland fehlen Lokführer. In Cottbus gibt es jetzt die Möglichkeit, sich dafür umschulen zu lassen. Von Nils Ohl

Die Digitalisierung und autonom fahrende Triebwagen werden den klassischen Beruf des Lokführers bald überflüssig machen. – Davon zeigte sich Rüdiger Grube, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, noch vor wenigen Jahren überzeugt. Inzwischen fehlen in Deutschland rund 1500 Lokführer, bei insgesamt rund 28 000. Was auch Cottbuser Bahnkunden schmerzlich erfahren mussten, als in der Lausitz Ende Juni Duzende  Zugverbindungen  wegen fehlender Lokführer einfach gestrichen wurden.

Im Mangel an Lokführern erkannte Dirk Vogel, Geschäftsführer der Dispo-Tf Holding, eine Marktlücke. Er gründete die Dispo-Tf Education, ein Ausbildungsunternehmen, das deutschlandweit 15 Standorte betreibt. Die Dispo Tf ist seit wenigen Wochen auch in Cottbus aktiv und bietet in der Rudolf-Breitscheid-Straße Umschulungen zum Lokführer an.

Standorte an der Kapazitätsgrenze

„Wir machen das, weil hier der Strukturwandel läuft“, erklärt Vogel. Der solle ja von vielen Förderprojekten zum Ausbau der Bahninfrastruktur begleitet werden. Zwar hat die Dispo Tf auch Standorte in Berlin und Dresden, aber diese laufen an der Kapazitätsgrenze. Vor allem wären jedoch Reisekosten und Zeitaufwand für die Teilnehmer zu hoch, die täglich aus der Lausitz pendeln müssten.

Für neu ausgebildete Lokführer sieht Dirk Vogel glänzende Chancen: „Das Durchschnittsalter der Lokführer der DB liegt bei über Fünfzig. Die Gewerkschaften wissen um den Engpass und verhandeln entsprechend. In den Tarifverträgen werden immer bessere Urlaubs- und Arbeitszeiten festgeschrieben. Und wenn künftig mehr Verkehr auf die Schiene soll, geht das ebenfalls nur mit mehr Lokführern.“

Anders als beispielsweise die Fahrer beim Lkw-Verkehr können Lokführer aus anderen Ländern nicht so einfach in Deutschland eingesetzt werden. Die Bahnnetze sind noch national organisiert, mit jeweils anderen Signalen.

Große Eisenbahnertradition in Cottbus

„Bezahlt wird für Lokführer ab Haustür. Die Leute müssen für ihre Arbeit nicht wegziehen“, hebt Vogel den Nutzen der Umschulung auch für die Region hervor. Er schätzt das Potenzial für seine Kursangebote in Cottbus auf rund 45 Teilnehmer pro Jahr. Bezahlt werden die Kurse in der Regel von der Arbeitsagentur oder der Rentenversicherung.

„Cottbus hat eine große Eisenbahntradition mit entsprechenden beruflichen Familientraditionen“, meint er dazu und hebt hervor, dass die Dispo Tf eine Komplettlösung im Dreiklang von Tauglichkeitsuntersuchung, Ausbildung und anschließendem Arbeitsvertrag anbietet. Für die arbeitsmedizinische Prüfung beschäftigt die Dispo Tf eigene Fachärzte und Psychologen.

Hohe Anforderungen

Wenn die Tauglichkeitsprüfung bestanden ist, dauert die Umschulung elf Monate. Voraussetzung ist, dass der Teilnehmer vorher eine Berufsausbildung oder einen Hauptschulabschluss hat. Alle Teilnehmer, die bestehen, erhalten von der Dispo Tf eine Einstellungszusage nach Tarifvertrag. Denn die Dispo Tf betreibt auch eigene Tochterunternehmen für Güter- und Personenverkehr. „Aber die Lokführer erhalten keinen Bindevertrag. Jeder kann hin, wo er will“, betont Vogel. „Wer alle Module absolviert, kann sogar einen ICE fahren.“ Allerdings seien die Anforderungen der Bahn hoch und die Ausbildung stark technisch geprägt. Erfahrungsgemäß fallen zirka 30 Prozent durch.

Für die praxisnahe Qualität der Ausbildung in Cottbus steht unter anderem Frank Kopernik. Der jetzige Dispo-Ausbilder ist selbst 32 Jahre Lokführer gewesen. Der erste Kurs in Cottbus ist am 8. Juli gestartet. Der nächste soll am 7. Oktober folgen. Die Kursgröße beträgt 10 bis 15 Teilnehmer.

Neue Perspektiven für Quereinsteiger

Sandrow Walter, der bisher im Sicherheitsbereich gearbeitet hat, gehört zum ersten Kurs: „Ich mache das, um mich beruflich weiterzubilden und neue Perspektiven für die Zukunft zu schaffen.“

Laut Industrie- und Handelskammer Cottbus lernen in Südbrandenburg derzeit rund 40 bis 50 Personen den Beruf des Eisenbahners im Betriebsdienst, die meisten davon bei der Leag und der DB Regio. Das ist allerdings eine mehrjährige Berufsausbildung zum Lokführer und keine Umschulung. Ab 2020 will auch die Deutsche Bahn mit einer Ausbildung für Quereinsteiger starten.