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| 18:38 Uhr

Cottbus tickt nicht richtig

Uhrmachermeister Ingo Zimmer aus Fredersdorf hat am Freitag die defekte Uhr auf dem Spremberger Turm repariert.
Uhrmachermeister Ingo Zimmer aus Fredersdorf hat am Freitag die defekte Uhr auf dem Spremberger Turm repariert. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Ein kleines Teil sorgt für großen Ärger. Eine gebrochene Pendelfeder war die Ursache dafür, dass die Uhr im Spremberger Turm an den vergangenen Tagen nicht funktionierte. Es war nicht der erste Ausfall dieser Art. Deshalb wird der Ruf nach Konsequenzen laut. Sven Hering

Auf die Minute pünktlich war der Fredersdorfer Uhrmachermeister Ingo Zimmer am Freitagvormittag bei seinem Sorgenkind am Eingang der Sprem. Hätte er sich freilich an der Uhr im Spremberger Turm orientiert, wäre er ins Grübeln gekommen. Diese zeigte nämlich alles an, nur nicht die exakte Uhrzeit.

Der Fehler war dem Uhrmachermeister zu diesem Zeitpunkt schon bekannt. Bei seinen letzten Arbeiten an der Uhr war eine Pendelfeder gebrochen. "Die konnte ich nicht vor Ort reparieren, sondern musste sie extra anfertigen", sagt Zimmer. Vom nur wenige Zentimeter langen Teil hat der Fachmann nun gleich fünf Stück in Reserve. Es war nicht der erste Defekt dieser Art. Bereits Anfang 2012, als Zimmer die Wartung der Turmuhr übernommen hatte, war das kleine Stück Blech Schuld an der falschen Zeit.

Die Uhr vergleicht Zimmer mit einem in die Jahre gekommenen Auto. "Da besteht auch die Gefahr, dass immer mal ein Teil kaputtgeht", erklärt er. Im Jahr 1971 ist die Uhr von der Firma Zachariä aus Leipzig eingebaut worden. Den eigentlichen Hersteller gibt es laut Zimmer nicht mehr. Auf den Nachfolger könne er ebenfalls nicht zählen. "Von dem gibt es zu dieser Uhr keine Auskünfte mehr."

Das macht es kompliziert, wenn Ersatzteile benötigt werden. "Die Zahnräder sind nicht das Problem, die können bestellt werden", sagt Zimmer. Doch bei anderen Teilen muss sich der Uhrmachermeister selbst behelfen.

Weil die Turmuhr nicht zum ersten Mal ausgefallen ist, wird allerdings die Kritik immer lauter. Wolfgang Bialas, Stadtverordneter der CDU, ärgert sich über die regelmäßigen Probleme. "Das ist die wichtigste Uhr in der Stadt, die sollte deshalb auch funktionieren", sagt er. Noch zu Wochenbeginn hatte er sogar eine Kündigung des Wartungsvertrages gefordert. Nach einem Gespräch mit dem Uhrmacher am Freitag zeigte er durchaus Verständnis für die Situation des Fachmanns.

Die Stadtverwaltung sieht für eine Neuausschreibung keinen Anlass. Seit dem Jahr 2012 kümmert sich der Uhrmacher aus Fredersdorf (Märkisch-Oderland) und nicht mehr der Cottbuser Karl-Heinz Schlodder um die Uhren. Die Stadt hatte die Wartungsleistungen neu ausgeschrieben und sich für das günstigste Angebot entschieden. Die Differenz zwischen dem ersten und zweiten Bieter betrug nach Angaben aus dem Rathaus rund 650 Euro im Jahr, zwischen dem ersten und dritten sogar rund 3120 Euro. Einschließlich der zusätzlichen Reparaturen war der Kommune im Jahr 2012 eine Rechnung in Höhe von 1886 Euro präsentiert worden. Im Jahr zuvor zahlte die Stadt nach eigenen Angaben noch rund 5000 Euro.

Eine Kündigung des Wartungsvertrages sei wegen Schlechtleistung zwar möglich, sagt Ordnungsdezernent Lothar Nicht (Linke). "Doch die sehen wir nicht." Für Materialfehler könne der Uhrmachermeister nicht verantwortlich gemacht werden.

Allerdings droht nun ein weiteres Problem: Bisher hat der Turmverein den Uhrmachermeister schnell über Probleme informiert. "Das funktionierte unkompliziert, ich habe eine SMS bekommen und wusste Bescheid", erklärt Zimmer. Doch seit einigen Tagen ist der Spremberger Turm nicht mehr täglich geöffnet. Das Förderprogramm für die Eintrittkassierer war abgelaufen. Die Fehlermeldung sollen nun Mitarbeiter der Stadtverwaltung übernehmen, kündigt Sybille Schneider vom Amt für Abfallwirtschaft an. Die Kollegen seien angehalten, bei ihrem Gang durch die Stadt die Uhren zu vergleichen.

Als Freiwilliger hat sich dafür auch Wolfgang Bialas gemeldet. Er besitzt jetzt die Handynummer von Ingo Zimmer.