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| 18:40 Uhr

Bereitschaftspolizei und Hunde vor Ort
Großeinsatz bei der Polizei

 Alles nur Show: Die Bereitschaftspolizei zeigt beim Tag der offenen Tür der Polizeidirektion Süd, wie sie eingreift, wenn eine Demonstration eskaliert. Mehr Bilder sehen Sie auf www.lr-online.de/bilder
Alles nur Show: Die Bereitschaftspolizei zeigt beim Tag der offenen Tür der Polizeidirektion Süd, wie sie eingreift, wenn eine Demonstration eskaliert. Mehr Bilder sehen Sie auf www.lr-online.de/bilder FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Zum Tag der offenen Tür präsentiert sich die Behörde als vielseitige Arbeitgeberin. Denn trotz hoher Bewerberzahlen fehlen geeignete Auszubildende. Größtes Hindernis ist nicht der Sporttest. Von Liesa Hellmann

Mit angelegten Ohren rast der belgische Schäferhund auf einen Mann zu, das Maul geöffnet, bereit zum Zubeißen. Der Mann weicht nicht zurück, sondern schwingt einen Stock und brüllt: „Komm doch!“ In vollem Lauf springt der Hund ihn an, verbeißt sich in seinem Ärmel, reißt ihn fast zu  Boden. Für Thomas Förster, den Attackierten, ist das der beste Moment des Tages: „Ich freue mich, wenn der Hund mich angreift.“

Thomas Förster ist Hundeführer bei der Polizei und hat, wie er sagt, seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit 25 Jahren betreibt er Hundesport, für die Polizei ist er mit seinem Holländischen Schäferhund­rüden Rudi unterwegs. Förster leitet Kollegen bei der Ausbildung zum Hundeführer an. Da brauche es immer jemanden, der sich angreifen lässt, erzählt er. Bei der Vorführung der Polizeihundestaffel beim Tag der offenen Tür der Polizeidirektion Süd am Donnerstag trägt Förster deshalb eine dicke Schutzjacke, in die die Hunde beißen. Nicht aggressiv, aber etwas dominant sollte ein Polizeihund sein, erklärt Förster – der Hund solle sich schließlich nicht einschüchtern lassen und im Ernstfall auch zubeißen. Zudem müsse der Hund gern spielen, denn die Polizeihunde in Brandenburg werden dual ausgebildet: Sie sind Schutz- und Suchhund zugleich und erschnüffeln Rauschgift, Sprengstoff oder Fährten.

 Hundeführer Thomas Förster stellt mit seinem Hund Rudi einen Autoknacker, dessen Fährte sie zuvor aufgenommen haben.
Hundeführer Thomas Förster stellt mit seinem Hund Rudi einen Autoknacker, dessen Fährte sie zuvor aufgenommen haben. FOTO: Michael Helbig

Tausende Bewerber auf 200 Plätze

Mehr für die technischen Aspekte im Berufsfeld Polizei interessiert sich der zehnjährige Ben Dyx aus Neuzelle. Seine Eltern sind mit ihm zum Tag der offenen Tür gekommen, damit er „schon einmal schauen kann, in welche Richtung er später gehen möchte“, sagt seine Mutter Nicolle Reinhardt. Streifenpolizist sei nun auch eine Option, denn „sportlich bin ich und gute Noten habe ich auch“, sagt Ben.

Tag der offenen Tür bei der Polizei in Cottbus FOTO: Michael Helbig

Genau das brauche es, bestätigt Anne Jank. Sie ist Einstellungsberaterin der Polizei im Landkreis Dahme-Spreewald. 200 Plätze müssen jeweils im April und Oktober an der Fachhochschule der Polizei in Oranienburg besetzt werden. Zwar gäbe es pro Jahr etwa 4000 Bewerbungen, trotzdem sei es schwierig, geeignetes Personal zu bekommen. Knackpunkt des mehrstufigen Auswahlprozesses ist nicht etwa der Sporttest, sondern ein Diktat: Bei einem Text mit 300 Wörtern dürfen zwölf Fehler gemacht werden – eine Aufgabe, an der viele scheiterten, sagt Jank. „Die Berichte, die die Kollegen später fertigen, gehen zur Staatsanwaltschaft oder ans Gericht. Sie müssen in korrektem Deutsch verfasst sein“, sagt sie. Auch die Allgemeinbildung vieler Bewerber nehme ab; eine Entwicklung, die die Einstellungsberaterin bei Absolventen aller Schulformen beobachtet.

Der Wasserwerfer fährt vor

Wer Ausbildung oder Studium bei der Polizei abschließt, hat ein breites Spektrum an Arbeitsmöglichkeiten, das will die Polizeidirektion Süd bei ihrem Tag der offenen Tür offensichtlich zeigen. Kriminaltechnik, Wasserschutz- und Autobahnpolizei sind ebenso vor Ort wie Kampfmittelräumdienst und die Bereitschaftspolizei. Letztere zeigt bei einer Vorführung, wie sie auf aggressive Menschengruppen – dargestellt von Mitgliedern der Bereitschaftspolizei – reagiert. Die Einsatzhundertschaften der Bereitschaftspolizei werden zum Beispiel bei Großereignissen wie Fußballspielen und Demonstrationen eingesetzt. Mit dabei sind dabei manchmal Wasserwerfer, deren Wirkungsweise auf niedriger Stufe ebenfalls demonstriert wird.

 Die Einsatztrainer Polizeikommissar Christian Bläsner (l) und Polizeioberkommissar Steve Schultchen erläutern das Schießtraining in der Raumschießanlage.
Die Einsatztrainer Polizeikommissar Christian Bläsner (l) und Polizeioberkommissar Steve Schultchen erläutern das Schießtraining in der Raumschießanlage. FOTO: Michael Helbig

Die Bereitschaftspolizei simuliert zudem, wie ein Amokläufer außer Gefecht gesetzt wird. „Wir wollen zeigen, dass wir Freund und Helfer sind, aber auch für Sicherheit sorgen können, wenn es ernst wird“, sagt Maik Kettlitz, Pressesprecher der Polizeidirektion Süd. Den Dienst an der Waffe trainiert Einsatztrainer Steve Schultchen mit den Beamten der Polizeidirektion. „Unsere Aufgabe ist es, Polizisten auf gefährliche Situationen vorzubereiten“, sagt er. Er trainiert mit den Beamten Schießen, Selbstverteidigung und Einsatztaktik. All dies sind Ausbildungsinhalte, die auch auf den zehnjährigen Ben Dyx zukommen würden, sollte er in einigen Jahren tatsächlich eine Ausbildung zum Polizisten beginnen. Denn eigentlich hat er schon einen anderen Berufswunsch: Bundeskanzler.