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| 11:45 Uhr

Bis 2040 fehlen fast Tausende Fachkräfte
Cottbus will Modellstandort für Pflege werden

 Freie Plätze in Pflegeheimen sind dringend gesucht – zugleich müssen manche Einrichtungen Zimmer unbesetzt lassen, weil es ihnen an Pflegepersonal mangelt. Ein Modellprojekt will Fachkräfte in der Region halten.
Freie Plätze in Pflegeheimen sind dringend gesucht – zugleich müssen manche Einrichtungen Zimmer unbesetzt lassen, weil es ihnen an Pflegepersonal mangelt. Ein Modellprojekt will Fachkräfte in der Region halten. FOTO: epd / Juergen Blume
Cottbus. Etwa 2000 Pflegekräfte fehlen in Cottbus und Spree-Neiße in den nächsten Jahren. Fachkräfte aus dem Ausland sollen Abhilfe schaffen. Die Stadt und Region wollen deshalb Modellstandort für Pflege werden. Von Liesa Hellmann

Bis 2040 fehlen allein in Cottbus etwa 950 Pflegekräfte, im Landkreis Spree-Neiße sind es weitere 1100. Das geht aus der Pflegestatistik 2015 hervor. Zwar wird an den Ausbildungsstätten in der Region neues Personal ausgebildet, die medizinische Schule des Carl-Thiem-Klinikums (CTK) hält beispielsweise über 500 Ausbildungsplätze bereit. Den Bedarf des Klinikums hätte die Schule bisher decken können, „wir sehen uns aber auch als Partner von Stadt und Region“, sagt Andrea Stewig-Nitschke, Pflegedirektorin des CTK. Für Cottbus und die umliegenden Landkreise reiche die Zahl der Ausbildungsplätze jedoch nicht aus.

Aufträge mussten wegen Personalmangel abgelehnt werden

„Die gegenwärtige Situation treibt uns mit Sorge um“, sagt Maren Dieckmann, Sozialdezernentin der Stadt Cottbus. Manche ambulante Pflegedienste müssten Versorgungsaufträge aufgrund von Personalmangel ablehnen, immer wieder komme es vor, dass stationäre Pflegeeinrichtungen sich selbst einen Aufnahmestopp auferlegten, weil sie ansonsten den vorgegeben Personalschlüssel nicht einhalten könnten.

Fachkräfte für ganze Region ausbilden

Die Stadt Cottbus hat deshalb mit der EGC-Wirtschaftsförderung Cottbus (EGC) , dem CTK und weiteren Partnern aus Cottbus und Spree-Neiße das Konzept „Modellregion Pflege“ entwickelt. „Den Fachkräftemangel muss nicht jeder alleine stemmen, wir können auch als Netzwerk zusammenarbeiten“, sagt Dieckmann. Ziel ist, Fachkräfte für die gesamte Region auszubilden und zu halten, erste Gespräche mit den umliegenden Landkreisen hat es bereits gegeben.

Fachkräfte aus dem Ausland werden dringend gebraucht

Das zukünftige Pflegepersonal soll über Ausbildung und Studium, die Umschulung von Quereinsteigern und das gezielte Anwerben von ausländischen Fachkräften und Zugewanderten gewonnen werden. „Der Status Quo macht es notwendig, kurz- und mittelfristig auf ausländische Pflegekräfte zurückzugreifen“, sagt Tina Reiche, Geschäftsführerin der EGC-Wirtschaftsförderung Cottbus. „Wir haben in Cottbus ein großes Potenzial durch die Zuwanderung“, fügt Maren Dieckmann an.

Ziel: Eine bedarfsgerechte Verteilung der Pflegekräfte

Im Pflegebereich des CTK arbeiteten derzeit nur sehr wenige ausländische Pflegekräfte, sagt Pflegedirektorin Andrea Stewig-Nitschke. „Zwölf Menschen aus unterschiedlichen Ländern befinden sich derzeit bei uns in Ausbildung.“ Wichtig sei, so Stewig-Nitschke, die Fachkräfte auch in der Region zu integrieren, beispielsweise mit Sprachkursen. Dies zu organisieren könne gerade für kleinere Einrichtungen eine Herausforderung sein. Auch hier könne das Netzwerk ansetzen. Sozialdezernentin Maren Dieckmann schlägt zudem vor, eine Außenstelle in Cottbus einzurichten, bei der die Verfahren zur Anerkennung der Qualifikationen durchgeführt werden können.

Fachkräfte sollen in der Region gehalten werden

„Es ist nicht unser Ziel, Fachkräfte aus ihren Herkunftsländern abzuwerben, die dort dringend gebraucht werden, sondern Menschen, die dort keine Bleibeperspektive haben“, sagt Dieckmann. Sie stellt sich eine „Modellregion Pflege“ in Südbrandenburg so vor: Einrichtungen und Pflegedienstleister geben ihren Bedarf an Fachkräften sowie die Zahl an Arbeits- und Ausbildungsplätzen, die sie haben, an. Ausländische Fachkräfte und Auszubildende könnten dann über einen Verteilungsschlüssel bedarfsgerecht in Brandenburg verteilt werden.

„Es braucht dann einen Regelungsmechanismus, dass die Menschen nach ihrer Ausbildung auch in der Region bleiben. Den kann aber nur das Land Brandenburg einbringen“, fordert Maren Dieckmann. Nach der Landtagswahl im September wollen sich die Organisatorinnen mit ihrem Konzept deshalb erneut an die Landesregierung wenden.