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| 18:46 Uhr

Cottbus
Cottbus soll essbar werden

05.06.2018, Bayern, Griesau: Eine Erdbeere im Gegenlicht der Sonne. (zu dpa "Warmes Frühjahr ideal für Spargel, Kirschen & Co." vom 10.06.2018) Foto: Armin Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
05.06.2018, Bayern, Griesau: Eine Erdbeere im Gegenlicht der Sonne. (zu dpa "Warmes Frühjahr ideal für Spargel, Kirschen & Co." vom 10.06.2018) Foto: Armin Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Armin Weigel
Cottbus. Nutz- statt Zierpflanzen auf öffentlichen Plätzen – AUB/SUB schaut bei Andernach ab. Von Daniel Schauff

Die Stadt soll essbar werden. So will es die Fraktion AUB/SUB und hat einen entsprechenden Antrag eingereicht. Am Mittwoch soll das Stadtparlament darüber entscheiden, ob Cottbus künftig nicht nur attraktiv, sondern auch lecker sein soll.

Was im ersten Moment reichlich kurios anmutet, hat sich bereits bewährt – anderswo, gut 650 Kilometer entfernt. Andernach, eine 30 000-Einwohner-Stadt zwischen Bonn und Mainz, wirbt damit, „essbar“ zu sein. Der Hintergrund: Seit 2010 pflanzt die Stadt auf öffentlichen Flächen nicht mehr nur Tulpen und andere Zierpflanzen, sondern vor allem Nutzpflanzen, darunter Tomaten, Artischocken, Kartoffeln, Mangold, Grünkohl. Die Devise: „Pflücken erlaubt.“ Bürger können sich bedienen, rund um die Schlossgartenmauer Bohnen, Zwiebeln, Kürbisse ernten. Das Projekt fördere den Anbau von regionalen und seltenen Sorten und stärke damit die Identifikation mit der Heimat, heißt es in einer eigens aufgelegten Broschüre zur einzigen „essbaren Stadt“ im Land. Christoph Maurer, Stadtsprecher in Andernach: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es die Leute annehmen, wenn man ihnen etwas Schönes bereitet.“ Vandalismus gebe es entlang der für das Projekt ausgewählten Flächen so gut wie nicht. Zu Beginn des Projekts hätten sich auch in Andernach viele darüber Sorgen gemacht, dass Tomaten eher an Haustüren als in den heimischen Küchen landen würden. Passiert sei das aber nicht. Teurer als herkömmliche Zierbepflanzung sei die Nutzbepflanzung in der Pflege ebenfalls nicht. Mittlerweile bietet Andernach sogar Führungen durch die „essbare Stadt“ an. Die Tagesthemen, 3sat, der WDR und die Deutsche Welle haben bereits berichtet.

Einen Medienauflauf oder Touristenströme ins essbare Cottbus allerdings sind nicht die Ziele, die die Fraktion mit ihrem Antrag verfolgt. Das stellt Fraktionschef Torsten Kaps klar. Vielmehr spielen für ihn Themen wie das Bienensterben, der Insektenschwund eine Rolle. „Das ist für alle spürbar“, sagt er. Mit Nutz- statt Zierpflanzen auf öffentlichen Plätzen könne die Stadt auch für Insekten wieder interessanter werden. Für die Cottbuser ebenfalls. „Nicht alle haben einen Garten“, sagt Kaps. Kleingärten kosten, brauchen viel Pflege, eine Nutzpflanzenfläche in der Stadt, die von mehreren Bürgern gepflegt werde, sei sowohl preiswerter als auch pflegeleichter. Er könne sich vorstellen, dass sich Cottbuser fänden, die sich für die künftigen Nutzflächen einsetzten. „Das wird sicherlich nicht dieses Jahr passieren“, sagt er. Dass sich die Verwaltung aber mit der Idee nach Andernacher Vorbild auseinandersetzt, sieht er als Anfang.

Kaps könnte sich ein Patenmodell vorstellen, über die Stadtteilvereine etwa – bestimmte Flächen stünden somit unter der Aufsicht derer, die sich freiwillig meldeten. Der Vorschlag der Fraktion: Die künftigen Flächen sollen zum Beispiel in der Nähe von Schulen entstehen. So könnten Themen wie gesunde Ernährung oder heimische Flora ganz praktisch in den Unterricht integriert werden.

Ob das Engagement der Cottbuser ausreicht, um die Flächen künftig ausreichend zu pflegen, sei schwer abzuschätzen, sagt Kaps. Einen Versuch aber will seine Fraktion anstoßen. „Die Stadt würde entlastet bei der Grünflächenpflege“, sagt der Fraktionschef und wirbt für die Idee, Cottbus essbar zu machen.