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Unser Dorf hat Zukunft
Kürbissuppe und Kremserfahrt

In Skadow durfte die Jury zu Pferd das Dorf erkunden.
In Skadow durfte die Jury zu Pferd das Dorf erkunden. FOTO: Daniel Schauff / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Skadow. Skadow hat Zukunft, glauben die Dorfbewohner – und beweisen das unter anderem mit vier ziemlich starken Pferden.

Es war fast ein bisschen schade, dass die ersten Minuten des Jurybesuchs im Innern des Skadower Bürgerhauses stattfanden, schien die goldene Herbstsonne doch wie bestellt für den Tag mit aller Kraft in den Cottbuser Norden. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, so hätte das Motto der letzten Ortsbegehung im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ lauten können. Ortsbeirätin Silke Luttert hatte eine Präsentation vorbereitet, gleichsam als Aufwärmphase für den folgenden Rundgang – richtiger: Rundritt. Zum Vortrag gab’s Kürbissuppe, selbstgemacht in Skadow. Die Ortsbeirätin hatte sich in eine sorbische Tracht geworfen, um ganz deutlich zu machen: sorbisch/wendische Traditionen werden in Skadow gelebt, und das schon im Kita-Alter.

In der hübsch sanierten Kita „Skadower Blümchen“ gleich neben dem Bürgerhaus warteten gleich gut ein Dutzend Kinder darauf, der Jury ein Lied vortragen zu dürfen, ebenfalls in sorbischen Trachten. Die, das betont Kita-Leiterin Barbara Hollnack, würden nicht nur aus Anlass des Jurybesuchs aus den Schränken hervorgeholt, sondern auch bei vielen anderen Gelegenheiten. Als einen Höhepunkt beschreibt Silke Luttert etwa die jährliche Jugendfastnacht.

Jugend – das sei trotz der regen Dorfgemeinschaft mit vielen Interessengruppen noch ein Problemfeld, sagt die Ortsbeirätin. Eine weiterführende Schule gibt es in dem Ortsteil nicht, die Jugendlichen gingen an verschiedene Schulen in Cottbus, fänden dort Freunde und gingen dem Dorfleben so mitunter verloren. Der Fußballverein Fortuna Skadow kämpft um Nachwuchsspieler, im Dorf versuche man, die Jugend wieder fürs Dorfleben zu gewinnen, sagt Silke Luttert, bevor sie Jury und Skadower zu einer Fahrt in der Pferdekutsche einlädt.

Sowohl Pferde als auch Kutsche und Kutscher seien echte Skadower, betont sie auf Nachfrage der Wettbewerbsverantwortlichen Carola Hübner vom Fachbereich Stadtentwicklung in Cottbus.

Die Fahrt führte auf sanierten Straßen vorbei an den Dorfangern, Kriegsdenkmälern, am Friedhof mit altem Baumbestand, an Neubauten, in denen sich junge Familien niedergelassen haben. Leerstand gebe es in Skadow keinen, hatte die Ortsbeirätin zuvor gesagt. Gegen die Bebauung mit Mehrfamilienhäusern habe sich das Dorf immer gewehrt, vor allem, um den dörflichen Charakter zu erhalten.

Der zieht offenbar – Skadow wächst, zählt derzeit 525 Einwohner. Wäre die Kita größer, gäbe es ausreichend Kinder, um die Kapazitäten zu füllen, sagt Silke Luttert. Mit den Dörfern Döbbrick, Willmersdorf und Saspow pflege man gute Beziehungen und Partnerschaften. Dass Skadow 1993 freiwillig zu einem Cottbuser Stadtteil geworden ist, hätten die Dorfbewohner zwar manchmal bereut, mit ausreichend Tritten auf die Füße der Mitarbeiter in der Stadtverwaltung aber könne sich der Ortsteil behaupten, konstatierte die Ortsbeirätin und nennt die sanierten Straßen als Beispiel.

Anderes habe man nicht durchsetzen können – den Bootssteg etwa an der neuen Skadower Brücke. Nun müssten die Paddler am ungesicherten Ufer in die Spree steigen.

In der Zukunft werde vor allem das seniorengerechte Wohnen in Skadow Thema, prognostiziert Silke Luttert. Die fehlende medizinische Versorgung werde durch Ärzte in den Nachbardörfern einigermaßen gut abgefedert.

Daran, dass sie und die Skadower stolz auf ihr Dorf sind, ließen sie am Donnerstagnachmittag keinen Zweifel. „Wir leben ein bisschen so wie im Paradies hier“, sagte ein Skadower im Kremser, während die eigens einbestellten Musiker der Skadower Band „Na und“ selbst die Jury mit traditionellen Klängen zum Tanzen brachten.

Blasmusik brachte selbst die Jury-Mitglieder zum Tanzen.
Blasmusik brachte selbst die Jury-Mitglieder zum Tanzen. FOTO: Daniel Schauff / Medienhaus Lausitzer Rundschau